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Ausgabe: 06/2011 Exotische Pracht
Malerische Paläste, Märchenerzähler, Basare mit feinen Gewürzen und kostbaren Teppichen – Bilder wie diese prägten westliche Vorstellungen und schufen den Mythos Orient. Seinen Höhepunkt fand das Interesse der Europäer am Orientalischen im späten 18. Jahrhundert. Besonders an deutschen Fürstenhöfen zelebrierte man mit schwärmerischer Begeisterung die Türkenmode, feierte türkische Feste und verkleidete sich mit Turban, Schleier und Pluderhosen. Auch der kunstsinnige pfälzische Kurfürst Carl Theodor war ein Anhänger der so genannten Turkomanie und ließ in seinem Schwetzinger Schlossgarten eine Moschee errichten.
Das von Hofarchitekt Nicolas de Pigage geplante und 1785 fertig gestellte Bauwerk steht im jüngsten Teil der Schwetzinger Gartenanlage, dem so genannten Türkischen Garten. Die prachtvolle Moschee besteht aus einem Zentralbau mit Kuppel, der von zwei schlanken, 37 Meter hohen Minaretten flankiert wird. Auf der Rückseite liegt ein ringsum von offenen Wandelgängen umschlossener Hof. Pigage hielt sich nicht streng an die Formensprache orientalischer Bauten, sondern bezog auch europäische Architekturelemente wie spitzbogige Fenster, Rundbogenarkaden und einen Säulenportikus in die Gestaltung mit ein.
Die Moschee hatte auch nie die Funktion eines islamischen Gotteshauses, sondern diente, wie die anderen Gartenstaffagen, als Kulisse und Stimmungsträger für höfische Lustbarkeiten. Dem vom Geist der Aufklärung geprägten Gesamtkonzept des Parks folgend, steht sie als Symbol für orientalische Weisheit und Toleranz.
Das Interieur ist reich an orientalischen Motiven: Die Böden sind mit Marmor-Mosaiken gestaltet, Wände und Decken zieren Stuckarbeiten, Malereien und Vergoldungen. Die Inschriften im Innenraum und an der Außenfassade haben keinen rein islamischen Charakter, sondern sind aus dem arabischen Raum entliehene, humanistisch-monotheistische Weisheiten. Die Inschriften an der Westfassade sind die einzigen, die einen deutlichen Bezug zum Koran ...
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