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Ausgabe: 06/2011 Der Charme der 50er-Jahre
Leichtigkeit, Dynamik, Transparenz – das sind wesentliche Merkmale der Architektur der Nachkriegsmoderne. Bauwerke dieser Epoche sind einerseits geprägt von begrenzten finanziellen Mitteln, überraschen andererseits aber durch Stil- und Materialvielfalt und ihre sorgfältige Gestaltung. Die Qualität der 50er-Jahre Architektur erkennt man oft erst auf den zweiten Blick, ihr Wert als letzte handwerkliche Epoche des Bauens blieb lange Zeit verkannt. Die Folgen sind bekannt: Instandhaltungsrückstau, schlechter baulicher Zustand und Entstellung durch unsensible An- und Umbauten.
Originale Formensprache
Die Grundschule Friedrichshafen-Fischbach stammt aus dem Jahr 1952 und ist ein besonders gelungenes Beispiel für die Architektur der Nachkriegsmoderne in der Region. Die Einbindung des Gebäudes in das Gelände, die Orientierung der Klassenzimmer zum Freiraum hin und die Weitläufigkeit der Anlage sind typisch für Schulbauten aus den 50e- Jahren. „Sowohl im Konzept als auch in der Gestaltung ist das Engagement und der Anspruch der Erbauer heute noch spürbar“, erklärt Architektin Christiane Staub-Koch vom Architekturbüro STAUB ¬ ARCHITEKTEN aus Friedrichshafen. „Die Schule ist für uns auch deshalb bedeutsam, weil der damalige Planer des städtischen Hochbauamtes, Herbert Fecker, später Ministerialdirigent von Baden Württemberg wurde, also der oberste Bauherrenvertreter des Landes.“
Das Bauwerk wurde 1991 und 1993 durch Zweckanbauten erweitert, 1991 durch ein winkelförmiges Gebäude auf der Südostseite des Altbaus, 1993 folgte der Anbau eines Musiksaals an der Nordwestseite.
Farbige Flure
Im Sommer 2008 wurden die Architekten zunächst mit der optischen und akustischen Aufwertung der Flure vor den Klassenzimmern und der Entwicklung eines neuen Beleuchtungskonzepts beauftragt. Die Farbgestaltung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Farbstudio der Firma Keimfarben. Eine architektonische Besonderheit sind die Eingangsportale zu den Klassenzimmern, die Schächte einer Schwerkraft-Lüftung enthalten und durch ihre körperhafte Ausbildung die Flurräume rhythmisieren. Die zahlreichen Entwürfe nahmen überwiegend Bezug auf die typische Farbigkeit der 50er Jahre – zarte Pastelltöne kombiniert mit hellem Grau. Die Schulleitung entschied sich letztlich aber für eine Akzentuierung der Portale in den Primärfarben Gelb, Rot und Blau. ...
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