Boden aus dem Eimer

Ende März tagten der Ausschuss für Technik-Werkstoff-Umwelt (TWU) und die Sachverständigenobleute in Ichenhausen.

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Eingeladen hatte zur Frühjahrstagung 2017 der Landesinnungsverband Bayern, in dessen Namen Landesinnungsmeister Roland Morgenroth die Techniker und die Sachverständigen willkommen hieß, und die Firma KLB Kötztal. Das inhabergeführte Familienunternehmen aus Ichenhausen bei Günzburg entwickelt und vertreibt hochwertige Reaktionsharze zur Herstellung von robusten Gewerbe- und Industrieböden mit spezifischen Produktmerkmalen. Artur Kehrle, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Erwin 1995 gründete, gab den Tagungsteilnehmern einen kurzen Überblick über das Unternehmen und die Produktpalette, die rund 150 Verkaufsprodukte umfasst. Die Stärke des Unternehmens liege aber in der Flexibilität bei der individuellen Erfüllung von Kundenwünschen. Der Vertrieb der Produkte erfolge in der Regel direkt, nur selten über Händler.
Nach der Genehmigung des Berichts der Herbsttagung in Bad Kreuznach, referierte Jost Grund über Neues aus dem Sachverständigenwesen. Unter anderem berichtete er darüber, in welchen Fällen ein Sachverständiger Normen kopieren darf, ohne dabei gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Es folgten Berichte aus der Normung und vom BFS. Karl-August Siepelmeyer konnte erstmals mitteilen, dass sich derzeit kein BFS-Merkblatt in Überarbeitung befindet. Die Merkblätter 6, 11, 17 und 20 seien Ende 2016 fertiggestellt worden. Walter Bücher ging im Anschluss auf den Entwurf der nächsten Energieeinsparverordnung (EnEV) ein, die wieder einen zu erfüllenden U-Wert (und damit wieder verbindliche Dämmstärken) vorsieht. Er empfahl den Fachleuten bereits jetzt schon wieder zu diesen Dämmstärken zu raten.
Auf diese Tagungsordnungspunkte folgte eine Vorführung zur Verarbeitung von Bodenbeschichtungen. Artur Kehrle stellte verschiedene emissionsarme Produkte seines Unternehmens vor, die von seinen Mitarbeitern aus der Anwendungstechnik, Klaus Hamann und Tobias Schütz, in der Praxis präsentiert wurden. Das Malerpublikum erhielt praktische Tipps und viele Hintergrundinformationen rund um die Bodenbeschichtung.
WDVS und Brandschutz
Tobias Schellenberger, Vorsitzender des Industrieverbands Polyurethan (IVPU) und Alois Bärtle von dem Polyurethan-Hersteller puren stellten die Anwendung dieses Materials als Dämmstoff für Wärmedämm-Verbundsysteme vor. Obwohl PU im Vergleich zu EPS noch wesentlich teurer ist, zeigen sich bei der Fassadendämmung doch einige Vorteile, die den höheren Rohstoffpreis relativieren. So sind beispielsweise keine Brandbarrieren notwendig. Dämmstoffwechsel können entfallen, da PU auch im Perimieterbereich eingesetzt werden kann. (Informationen zu PU-WDVS erhalten sie auch auf Seite 28 in dieser Ausgabe.)
Stefan Ehle, Vorsitzender des TWU, berichtete über Entwicklungen in Sachen WDVS und Brandschutz. Bereits 2016 sei die „Technische Systeminformation – Kompendium WDVS und Brandschutz“ veröffentlicht worden. Nun stehe zusätzlich ein Praxismerkblatt „Brandschutzmaßnahmen bei WDVS mit EPS-Dämmstoffen“ zur Verfügung. Dr. Oliver Nicolai von der Technischen Informationsstelle stellte die wichtigsten Änderungen des „Schimmel-Leitfadens“ vor, der sich noch immer in der Entwurfsphase befindet. Im Anschluss ging er auf die neuesten Entwicklungen bei der Problematik „Asbest in Spachtelmassen“ ein. Von abrasiven Tätigkeiten auf möglicherweise asbesthaltigen Untergründen riet er dringend ab, dagegen sei beim nassen Ablösen von Tapeten und anschließenden Überspachteln alter Untergründe nicht mit einer kritischen Asbestfaserkonzentration zu rechnen.
Gemeinsam mit Holger Haring berichtete Dr. Nicolai über die wichtigsten Änderungen der ATV DIN 18363.
Die Herbsttagung 2017 findet am 19./20. Oktober, voraussichtlich in Frankfurt oder Kassel statt.