Rund 130 Fachleute aus dem Maler- und Stuckateurhandwerk besuchten den Caparol Werkstofftag.

Megatrend Wohngesundheit

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Die Teilnehmer persönlich zu begrüßen, das ließ sich Dr. Ralf Murjahn auch am 19. Werkstofftag nicht nehmen. Der Caparol-Chef stieg sofort ins Thema ein: Die Anforderungen an Innenfarben wachsen stetig. Caparol sei bereits seit Jahren bemüht, die Belastungen der Innenraumluft durch Farben gering zu halten, etwa 1985 mit der ersten ELF-Farbe (emissions- und lösemittelfrei) oder seit mehr als zehn Jahren mit konservierungsmittelfreien Farben.
Welche Probleme der Farbgeruch für den Maler mit sich bringe, das schilderten Stefan Ehle, Vorsitzender des Ausschusses für Technik, Werkstoff und Umwelt (TWU) im Malerhauptverband, und Michael Eichler, Landesinnungsmeister des Malerverbands Sachsen. Der Geruch von Farben führe teilweise zur Hysterie, so Ehle. „Was früher nach Maler roch, gilt heute als ungesund.“ Eichler fügte hinzu: „Wenn es stinkt, ist zuerst der Maler schuld!“ Um Konflikte mit dem Kunden zu vermeiden, lautete sein Appell an die Farbenhersteller deshalb: kein Etikettenschwindel und keine leeren Marketingversprechen, stattdessen Volldeklarationen, einen Emissionskompass.
Auf welchem Weg man zu gesünderen Gebäuden gelangen kann, brachte Peter Bachmann, Geschäftsführer des Freiburger Sentinel Haus Instituts, den Zuhörern näher. „Meine Mission ist, dass der Mensch gesund bleibt!“ Das Institut bietet hierzu Beratung und Messungen an, um ein wohngesundes Umfeld zu erreichen. In einer Datenbank fasst das Institut emissionsgeprüfte Baustoffe zusammen, die dem Handwerker als Orientierung und Hilfe dienen können.
Über besondere Funktionen von Innenfarben referierte Wolfgang Hoffmann, Leiter des Produktmanagements bei Caparol. Er schnitt u. a. die Themen Photokatalyse und antibakterielle Farben kurz an. Momentan gehe es aber vorrangig um die Erfüllung von strengeren Umwelt- und Gesundheitsforderungen. Hier nehme Caparol eine führende Position ein. Er verwies auf die noch relativ neue Produktlinie „CapaGeo“, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert, sowie auf Produkte, die das Label „ELF plus“ tragen. Letztere sind nicht nur emissions- und lösemittelfrei, sondern kommen auch ohne Konservierungsmittel aus. „Das ist quasi Hosenträger plus Gürtel“, so Hoffmann.
Dass die Werbeaussagen der neuen Caparol-Produkte nicht nur leere Versprechen bleiben, sondern durch belastbare Prüfungen untermauert werden, das garantiert das Dr. Robert Murjahn Institut (RMI). Bei Neuentwicklungen im Hause Caparol seien Emissionsprüfungen sowie die Spurenanalytik für Konservierungsstoffe fester Bestandteil, erklärte Dr. Helge Kramberger, Leiter des RMI. Diese Prüfungen könnten bei Kundenanfragen jederzeit abgerufen werden.
Dr. Christian Walter von der DAW Forschung & Entwicklung machte darauf aufmerksam, dass Wohnraum immer knapper werde. Daher tendiere man dazu, Gegenstände oder Bauteile mit Zusatzfunktionen auszustatten. Im Innenraum könnten das etwa Wand- oder Deckenheizungen sein oder aber die Integration licht-emittierender Elemente in die Wandfläche durch OLEDs. Diese Innovationen führten, so Dr. Walter, zu mehr Flexibilität in der Raumgestaltung und verhinderten Raumverlust durch Heizkörper und Lampen.
Dr. Thomas Brenner, Leiter des DAW-Competence Centers Farben & Putze, ging auf die gesundheitlichen Aspekte von Konservierungsmitteln in Innenfarben ein. Immer mehr Menschen reagierten allergisch – auch auf Konservierungsmittel aus Farben. Dr. Brenner gab aber auch zu bedenken, dass verkeimte Produkte ebenfalls ein Gesundheitsrisiko darstellten. Bei Caparol habe man deshalb bereits vor Jahren nach Alternativen gesucht, um wasserbasierte Farben haltbar zu machen. 2001 wurde die erste konservierungsmittelfreie Dispersionsfarbe („Caparol Sensitiv“) auf den Markt gebracht, die durch einen entsprechenden pH-Wert, den Einsatz spezieller Rohstoffe und ein absolutes Reinheitsgebot haltbar gemacht wird. Heute sind sämtliche Caparol-Produkte, die mit dem ELF-plus-Siegel versehen sind, konservierungsmittelfrei.
Dr. Heidrun Hofmann vom Bremer Umweltinstitut plädierte dafür, analytische Emissionsprüfmethoden mit sensorischen Fähigkeiten des Menschen zu verknüpfen. Denn Geruchsbelästigungen (die auch bei sehr geringen VOC-Werten entstehen können) seien häufig der Anlass für Beschwerden.
Norbert Kluger, Bereichsleiter GISBAU (Gefahrstoff-Informations-System) der BG-BAU, machte auf Gesundheitsgefahren aufmerksam, die von Stäuben und Spritznebel ausgehen. Vom üblichen Fegen der Baustelle riet er ab und stattdessen zur Anschaffung geprüfter Arbeitsgeräte und Maschinen mit Absaugvorrichtung.
Karl-August Siepelmeyer, Präsident des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, und Manfred Haisch, stv. Vorsitzender des Bundesverbandes Ausbau und Fassade, bedankten sich im Namen der Werkstofftag-Teilnehmer für die informative Veranstaltung, die von Franz Xaver Neuer, Leiter Technik bei Caparol, kompetent moderiert worden war. Die Fachleute aus dem Maler- und Stuckateurhandwerk seien mit Sicherheit auch 2017 wieder gerne beim Caparol-Werkstofftag dabei. Dieser wird dann erstmals im neuen Erweiterungsbau der DAW-Zentrale stattfinden.