In Mainz fand das BranchenForum 2016 statt.

Neueste Entwicklungen zum Thema Putz und WDVS

Oliver Koschmieder

„Lassen Sie uns die Wärmedämmung wieder in den Fokus rücken.“ Mit diesen Worten eröffnete Christoph Dorn, Vorsitzender des Industrieverbands WerkMörtel e.V. (IWM), das BranchenForum 2016. Industrievertreter, Sachverständige und Fachhandwerker trafen sich zu der Veranstaltung in Mainz. Zum gemeinsamen Austausch und einem intensiven Vortragsprogramm eingeladen hatte der IWM zusammen mit den Bundesverbänden Ausbau und Fassade (BAF im ZDB) und Farbe Gestaltung Bautenschutz (BV FGB).
Erschienene Broschüre
Christoph Dorn nutzte die Gelegenheit seiner Eröffnungsrede, den komplett überarbeiteten „Ratgeber rund um die Außenwand – Für Modernisierer und Bauherren.“ vorzustellen. Die druckfrisch erschienene Broschüre wird von den drei am BranchenForum beteiligten Verbänden herausgegeben, die darin mit guten Argumenten überzeugen wollen.
Rainer König, Vorsitzender des BAF, sprach für die Handwerksverbände. „Qualität hat ihren Preis“, war sein Credo mit dem er für eine höhere Wertschätzung der handwerklichen Leistungen warb. Durch den Tag führten Antje Hannig, Geschäftsführerin Technik im IWM, und Karl-August Siepelmeyer, Präsident des BV FGB.
Der erste Vortragsblock startete mit dem Thema Brandbeanspruchung von schwerentflammbaren WDVS. Doch welche Schutzziele für die Begrenzung der Brandausbildung erreicht werden sollen, ist nur sehr unkonkret definiert, wie Sebastian Hauswaldt von der MFPA Leipzig berichtete. Er forderte die deutsche Mitarbeit an europäischen Fassadenbrandprüfverfahren ein. Anschließend stellte Prof. Matthias Zöller vom AIBau die neue Abdichtungsnorm DIN 18533 vor und nahm das Thema Drainage kritisch unter die Lupe.
Überarbeitete neue Richtlinie
Das Thema Bauqualität griff der Sachverständige, Stuckateur und Architekt Harry Luik am Beispiel einer wichtigen Schnittstelle zwischen Metall- und Putzarbeiten auf. Die überarbeitete neue Richtlinie mit praktikablen und ästhetisch ansprechenden Anschlüssen, die voraussichtlich 2017 erscheint, wird hierzu viele ausführliche Details enthalten. Ebenfalls um Qualität ging es in einem Vortrag von Holger Haring. Er stellte die neue RAL Gütegemeinschaft Wärmedämmung von Fassaden vor, mit der sich Fachhandwerksbetriebe im Markt positiv hervorheben können.
Zum Ende des Vormittags konnte Stefanie Mohmeyer vom Industrieverband Hartschaum (IVH) Handwerkern und Planern, die derzeit von Entsorgungsengpässen bei HBCD-haltigen Dämmstoffen betroffen sind, einen Überblick über die aktuelle Situation geben. Der IVH setzt sich im Dialog mit den Entsorgungsbetrieben für praktikable Lösungen ein und hat eine Liste mit zugelassenen Annahmestellen erstellt, die auf www.ivh.de abgerufen werden kann.
Pilze an Fassaden
Sind Algen und Pilze an Fassaden immer ein Mangel? Zumindest aus rein technischer Sicht laut Kay Beyen nicht. Doch Sachverständige und Gerichte sind oft anderer Ansicht. Der Referent forderte daher eine Versachlichung in Gutachten und sachverständigen Stellungnahmen sowie eine Diskussion darum, welchen Einfluss die Beratung von Planern und Fachbetrieben auf den Bauherrn hat.
Dr. Anatol Worch präsentierte das Ergebnis von über tausend Simulationsrechnungen zum Schlagregenschutz. Er zeigte, wie sich die Praxis mit diesen theoretischen Berechnungen abbilden lässt. Sein Fazit: Die heutigen Putzsysteme schützen das Mauerwerk mehr als ausreichend auch vor heftigen Regenereignissen.
Last but not least begaben sich die Teilnehmer in den Baurechts-Dschungel, durch den der Rechtsanwalt und Ministerialrat a. D. Michael Halstenberg von der Düsseldorfer Kanzlei HFK Rechtsanwälte nur teilweise einen Weg weisen konnte. Denn nach der Novellierung des Bauproduktenrechts und dem Wegfall des Ü-Zeichens gebe es derzeit keine einheitliche Rechtslage in den Bundesländern.