Dämmaspekte

Folge 1: Aufgrund seines Kompetenzbereiches und der Präsenz im privaten und öffentlichen Wohnungsbau ist das Malerhandwerk prädestiniert für die Thematik „nachträgliche Wärmedämmung“.

Die nachträgliche Wärmedämmung ist der wichtigste Teilaspekt in der energetischen Gebäudesanierung. Zur dauerhaften Senkung des Heizenergieverbrauchs müssen die Transmissionswärmeverluste reduziert werden. Trotz der hohen Relevanz der Wärmedämmung gibt es keinen eigenen Handwerksberuf „Dämmer“. Zwar nehmen manche Firmen aus dem Bereich WKSB (Wärme-Kälte-Brandschutz-Isolierer) für sich das Thema „Dämmung“ in Anspruch – tatsächlich aber sind sie nicht im Privatbereich unterwegs. Die nachträgliche Dämmung von Rollladenkästen, oberen Geschossdecken, Kellerdecken und vorhandenen Hohlschichten fällt nicht in ihr Tätigkeitsfeld. Daher fällt es anderen Handwerkern zu, diese Aufgabe zu meistern.
Schwachstellen erkennen
Als Maler findet man Zugang zu fast jedem Gebäude, um Streich- und Tapezierarbeiten zu verrichten. Dadurch erhält man zwei wichtige Voraussetzungen: den Kontakt zum Kunden und das Vertrauen des Kunden. Der Zugang zu den Wohnhäusern und selbst den Privaträumen wie dem Schlaf- oder Badezimmer erlaubt es, ohne großen Aufwand energetische Schwachstellen zu erkennen und zu beseitigen. Dazu gehören neben den gr0ßflächigen äußeren Abschlüssen (Außenwand, Kellerdecke und obere Geschossdecke) auch Kleinbauteile wie beispielsweise Fensterlaibungen und Rollladenkästen.
Effizienter Nebenverdienst
Die Dämmung der genannten Bauteile lässt sich sehr gut mit Malerarbeiten kombinieren. Die Schwierigkeit bei den Dämmverfahren, insbesondere bei der Innendämmung, ist nicht die Installation des Dämmstoffes, sondern die anschließende Beschichtung. Als Spezialist für die Oberflächenbeschichtung stellt die Dämmung hier einen einfachen und effizienten Nebenverdienst dar. So können Maler anders als andere Handwerker nach Dämmung des Rollladenkastens diesen wieder verschließen und tapezieren ohne optische Verluste. Auch bei der Einpassung von Kalziumsilikatplatten in die Fensterlaibung erfolgt die anschließende Bearbeitung der Oberfläche fachmännisch.
Das von der Ausführung her schwierigste Dämmverfahren ist das Wärmedämmverbundsystem. Dieses wird fast ausschließlich von Malern und Stuckateuren angewendet und ist im deutschen Raum das bekannteste Dämmverfahren.
An der Fassade
Bei Aufträgen der Installierung eines Wärmedämm-Verbundsystems bzw. der Fassadenerneuerung an einem zweischaligen Mauerwerk kann der Maler parallel eine nachträgliche Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk (vorzugsweise in Norddeutschland) durchführen. Dies erfordert kaum zusätzlichen Aufwand, denn das Gerüst ist aufgestellt. Das gewünschte WDVS kann durch die Kerndämmung etwas dünner ausfallen und die Kosten für den Hausbesitzer verringern sich dadurch. Zudem ist eine energetische Wirkung eines WDVS auf ein vorhandenes Hohlschichtmauerwerk sehr gering. Hinterlüftungseffekte hintertreiben die Wirkung des WDVS. Die Hohlschicht muss geschlossen werden – da bietet sich die Verfüllung derselben durch ein bauaufsichtlich zugelassenes Kerndämmprodukt geradezu an. Das Einbringen einer Kerndämmung führt folglich zu einer deutlich verbesserten Dämmleistung und somit einer höheren Kundenzufriedenheit.
Einige Dämmarbeiten können mit Arbeiten der Maler verbunden werden. Ist ein neuer Fassadenanstrich geplant, kann gleichzeitig eine Fassadendämmung erwogen werden. Gleiches gilt für innenseitige Dämmungen und Wandarbeiten. Durch die Aneignung anderer Dämmverfahren schärft der Maler sein Profil und seinen Kompetenzauftritt gegenüber dem Kunden. Außerdem hat er so einen höheren Erlös, wenn er sein Spektrum erweitert. Neben dem WDVS könnten Maler weitere Dämmverfahren beherrschen wie die Dämmung:
  • der Kellerdecke,
  • der Außenwand von innen,
  • der Fensterlaibung,
  • von Hohlschichten in verschiedenen Bauteilen,
  • der obersten Geschossdecke,
  • des Kellerabgangs,
  • der Bodentreppe,
  • der Heizkörpernische,
  • der Rollladenkästen,
  • der Außenwände von innen bei denkmalgeschützten Gebäuden.
Das weite Feld der Dämmung bietet somit eine hohes Auftragspotenzial und die Möglichkeit, seinen Kompetenzbereich zu erweitern. Andere Handwerksberufe eignen sich weniger gut, die Dämmung als Teilaspekt zu integrieren, weshalb der Maler in diesem Bereich kaum Konkurrenz haben dürfte.

praxisplus
In dieser neuen Artikelserie werden die verschiedenen Teilaspekte der Dämmung vorgestellt. Dazu gehören die Grundsätze der Wärmedämmung, die Vorstellung einzelner Dämmstoffe und ihrer Einsatzbereiche und die Beleuchtung einiger Dämmverfahren. Die Autoren sind Arnold Drewer, der Geschäftsführer des IpeG-Instituts und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter.
Das Institut mit Sitz in Paderborn ist ein privatwirtschaftliches Kompetenzzentrum für Wärmeschutz. Es verbindet Theorie und Praxis der Gebäudemodernisierung. Sein Anliegen ist es, die erforderlichen Kompetenzen für kostenoptimierte energetische Gebäudesanierung zu erweitern und zu kommunizieren. Durch die enge Zusammenarbeit mit Herstellern einerseits und Dienstleistern und Handwerkern andererseits versteht sich das Institut als „Missing Link“, das die schnelle Verbreitung neuer Produkte und Verfahren im Verbrauchermarkt ermöglicht.
Institut für preisoptimierte
energetische Gebäudemodernisierung GmbH IpeG
Mönchebrede 16
33102 Paderborn
Tel.: (05251) 147-8557/Fax: -7379
ipeg-Institut.de