Dämmaspekte

Teil 2: Die fünf Grundsätze der nachträglichen Wärmedämmung

Hanne Paschko, Ipeg Instiut

Die Basis einer energiesparenden Altbausanierung stellt die nachträgliche Wärmedämmung dar. Zur langfristigen Senkung des Heizenergieverbrauchs in Gebäuden ist es notwendig, die Transmissionswärmeverluste zu reduzieren. Erst dann ist der Einsatz von effizienten bzw. regenerativen Energietechniken sinnvoll. Dabei gibt es fünf Grundsätze, die bei der nachträglichen Wärmedämmung von Gebäuden beachtet werden müssen.
Das Ziel einer Maßnahme ist, mit geringstmöglichen Kosten ein Optimum an Wärmedämmung zu erreichen. Das bedeutet zwangsläufig, die Wirtschaftlichkeit langfristig und nachhaltig zu betrachten. Eine kurzfristige Sichtweise kann zu Fehlern führen, denn bei sanierten Altbauten geht man von einer Restnutzungsdauer von mindestens 30 Jahren aus. Grundsätze, die bei einer nachträglichen Wärmedämmung beachtet werden müssen, sind die spezielle Betrachtung des jeweiligen Bauteils, die Dämmung des beheizten Raumes, die Verortung der Hohlräume, die Einbeziehung vorhandener Materialien und die Auswahl des geeigneten Dämmstoffes.
Bauteilbezogene Betrachtung
Die nachträgliche Wärmedämmung ist ein Paket aus Einzelmaßnahmen. Trotzdem sollten grundsätzlich vor einer Sanierung immer alle Bauteile betrachtet und bewertet werden. Dadurch können Stellen am Gebäude identifiziert werden, die wirksam, kostengünstig und mit geringem Aufwand saniert werden können. Manchmal ist es sinnvoll, nur ein paar ausgewählte Bauteile energetisch zu sanieren. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ein sehr geringes Budget zur Verfügung steht. Das Geld sollte dann für die wirtschaftlichsten Dämmverfahren verwendet werden (getreu dem Pareto-Prinzip), die am meisten Nutzen bringen. Durch einen geringen finanziellen Einsatz wird ein Maximum an Heizkostenreduktion realisiert. Zu den wirtschaftlichsten Dämmverfahren gehören die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Kerndämmung des zweischaligen Mauerwerks.
Beheizter Raum
Keller- und Dachräume sind in der Regel unbeheizt und sollten nicht mitgedämmt werden, um die zu Grenzfläche zwischen „kalt“ und „warm“ möglichst gering zu halten. Bis zu 1/5 der Heizenergie entweichen durch den oberen thermischen Abschluss, daher sollte diese Fläche besonders gut gedämmt sein. Ein häufiger Fehler ist, dass mit hohem finanziellem Aufwand die Dachräume gedämmt werden, die ungenutzt bleiben. Eine einfache Rechnung zeigt, wie viel Geld eingespart wird, wenn statt des Daches die oberste Geschossdecke gedämmt wird.
Es werden zwei Gebäude mit denselben Voraussetzungen verglichen. Sie haben dieselbe Form und Größe, ein Satteldach und dieselben Heizkosten. Die Spitzböden sind unbewohnt und müssen folglich nicht beheizt werden. Die Aufgabe ist es, den Energieverlust durch die Dämmung des oberen Abschlusses gleichermaßen verringert werden. Bei Hausbesitzer A wird die obere Geschossdecke gedämmt, Hausbesitzer B dämmt das Satteldach und beide Giebelwände. Dabei ist sowohl das Gebäudevolumen als auch die zu dämmende Fläche wesentlich größer. Frage: Mit welchem Mehrbetrag muss Hausbesitzer B für dieselbe Einsparung rechnen?
  • Abhängig von der Dachneigung und der Länge und Breite des Daches ist die zu dämmende Fläche bis zu doppelt so groß: Faktor 2
  • Für denselben Einspareffekt (Reduktion der Heizenergie) muss auch die Dämmqualität doppelt so gut sein (bei doppelter Umhüllungsfläche halb so großer Ziel-U-Wert): Faktor 2
  • Die fachgerechte Dämmung der Dachflächen und der Giebelwände kostet pro Quadratmeter mindestens doppelt so viel wie die einfache Dämmung der Decke. Meist gibt es ein Dachfenster, das fachgerecht und luftdicht mitgedämmt werden muss: Faktor 2
Hausbesitzer B muss mindestens den achtfachen Betrag bezahlen, um denselben Einspareffekt zu erzielen wie Hausbesitzer A. Jeder beheizte Raum sollte nur durch die kleinstmögliche Fläche gedämmt werden. Beim oberen Gebäudeabschluss bedeutet dies: die wirtschaftlichste Variante ist die Dämmung der obersten Geschossdecke.
Hohlräume orten
Die Dämmung von Hohlräumen beinhaltet nicht nur die Kerndämmung des zweischaligen Mauerwerks. In vielen Gebäuden gibt es zahlreiche weitere Hohlräume, die gedämmt werden können:
  • Holzfußböden im Erdgeschoss (Dielen-Verlegung auf Balkenlage)
  • Kehlbalkenlage im Spitzboden (Holzbalkendecken)
  • Ausgebaute, nicht gedämmte Dachschrägen
  • Belüftete Flachdächer von Bungalows
  • Aufgeständerte belüftete Flachdächer (Kaltdächer)
  • Ungedämmte Drempel (Kniestock)
  • Gebäudetrennfugen (bei Doppel- oder Reihenhäusern)
Ein Schlüssel für wirtschaftliche Wärmeschutzmaßnahmen ist die Nutzung dieser Hohlschichtsituationen. Denn die Befüllung einer Hohlschicht mit geeignetem Dämmstoff ist erheblich preiswerter als die konstruktiv aufwändige Installation von Matten- oder Plattendämmstoffen. Einblasdämmstoffe sind zudem kostengünstiger als viele Matten- oder Plattendämmstoffe. Außerdem ist der Aufwand zur Installation der Einblasdämmstoffe relativ gering, da die Konstruktion bereits vorhanden ist. Daher stellt die Einblastechnik eine Schlüsseltechnologie für die energiesparende und wirtschaftliche Altbausanierung dar.
Auch kann es dazu kommen, dass aufgebrachte Dämmung wirkungslos ist, wenn die Hohlräume ignoriert werden. Dies passiert beispielsweise bei der Installation eines WDVS an einem Gebäude mit zweischaligem Mauerwerk. Wird keine Kerndämmung durchgeführt, befindet sich das WDVS an der kalten Seite der so gut wie immer belüfteten Hohlschicht und dämmt in diesem Fall Außenluft. Auch eine Dämmung auf einer belüfteten Kehlbalkenlage oder auf einem belüfteten Flachdach ist wirkungslos.
Vorhandene Materialien
Oft befindet sich bereits Dämmstoff in den Bauteilen, da die Gebäude im Laufe der Jahre – wenn auch meist unzureichend – gedämmt worden sind. Statt die alte Dämmung unter Kosten- und Zeitaufwand zu entfernen ist es in diesem Fall ratsam, sie in die neue zu integrieren. Beispielsweise befindet sich meistens in den zweischaligen Gebäuden mit vorgehängten Fassaden bereits etwas Mineralwolle oder eine dünne Polystyrol-Platte in der Hohlschicht. Diese könnten nur durch Abriss und Grunderneuerung der Fassade entfernt werden. Dies ist nicht notwendig, da es Dämmstoffe gibt, die sich mit den vorhandenen ergänzen. Das Silikatleichtschaumgranulat SLS20, ein mineralisches und hoch rieselfähiges Produkt, befüllt den Hohlraum lückenlos und ergänzt die bereits vorhandene Dämmung.
Auch andere Bauteile, wie belüftete Kaltdächer oder oberste Geschossdecken, weisen mitunter vorhandene Dämmung auf. Hier kann ebenfalls ein rieselfähiger Einblasdämmstoff (mineralisch oder ökologisch) verwendet werden, um die Dämmwirkung zu verbessern. Die Entfernung der alten Dämmung würde unnötige Kosten und Abfall verursachen, daher ist es immer besser, vorhandene Dämmung zu erhalten und zu ergänzen.
Geeignete Dämmstoffe
Für jede bauliche Situation und spezielle Wünsche der Bauherren gibt es auf dem Markt den passenden Dämmstoff. Es können nicht alle Produkte für alle Bauteile eingesetzt werden. Es kommt auf die Eigenschaften des jeweiligen Dämmstoffes an. Dämmstoffe für die Außendämmung sind beispielsweise ungeeignet – da zu teuer – für die Dämmung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecke. Für die optimierte Sanierung eines Bauteils ist eine gute Kenntnis der Produkte erforderlich. Nur so kann dem Kunden der bestmögliche Wärmeschutz zu geringstmöglichen Kosten geliefert werden.
Im nächsten Artikel der Serie geht es deshalb um verschiedene Dämmstoffe auf dem deutschen Markt und deren Eigenschaften.