Rainer Hülsemann, Leiter Anwendungstechnik ZERO-LACK
Frage des Monats:

Was ist bei Fassaden-Reinigungsarbeiten zu beachten?

Generell gilt: Schmutzwässer dürfen nicht ins Erdreich gelangen! In jeder Kommune gibt es separate Regelungen für Einleitung und Entsorgung. Dies muss der Maler vorab mit den örtlichen Behörden abklären.

Gebräuchlich ist es, Schmutzwasser über ein Wannensystem aufzufangen, zu filtern und dann einzuleiten. Werden Reinigungsmittel verwendet, muss es zuvor noch neutralisiert werden. Mindestanforderung ist eine Einleitung in die Schmutzwasserkanalisation.

Ein Abwaschen der Fassade ist dann erforderlich, wenn ältere Beschichtungen verschmutzt oder durch Mikroorganismen bewachsen sind bzw. durch Bindemittelabbau im Anstrichfilm eine sogenannte Kreidung auftritt. Ältere Fassadenflächen können Schadstellen, etwa Risse in der Oberfläche, entstanden durch Spannung und Witterung, oder Schäden durch mechanische Einwirkungen, aufweisen.

Wichtig bei Reinigung eines alten WDV-Systems ist die Verwendung eines nur mäßigen Wasserdruckes von max. 60 bar. Das verhindert eine zu starke Sättigung des Untergrunds mit Feuchtigkeit. Manche Geräte drücken über 200 bar, dabei prallt eine Schubkraft von 20 Newton je mm² auf die Fassade! Es ist verständlich, dass bei dieser Kraft Schäden auftreten und vorhandene Schäden vergrößert werden können. Es kann kaum festgestellt werden, wie viel und wie tief Wasser in feinste Risse gedrückt wird. Kann diese Feuchtigkeit nicht ganz austrocknen, besteht in kälterer Jahreszeit die Gefahr von Frostschäden.

Folgenschwer ist eine zu kurze Wartezeit zwischen Abwaschen und Anstrich. Die Restfeuchte im Untergrund muss vollständig abgetrocknet sein, ansonsten kommt es zu Rissbildungen und Abplatzungen bei der Neubeschichtung. Bei mit Polystyrol gedämmten Flächen ist bei Heißwasserreinigung darauf zu achten, dass höchstens 60 °C heißes Wasser verwendet wird und nicht zu lange auf einer Stelle einwirkt, damit Schäden an diesen Platten vermieden werden. Der Düsendruck und die Wassermenge bestimmen mit dem Spritzabstand und Winkel den Aufpralldruck. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass große Wassermengen auch hohe Aufpralldrücke erzeugen. Diese müssen entsprechend der Oberfläche angemessen reguliert werden. Wichtig sind die geeigneten Düsen und der richtige Abstand zur Oberfläche, i. d. R. 15 bis 30 cm. Die rotierende Punktstrahldrüse darf bei Wärmedämmfassaden wegen des sehr hohen Aufpralldruckes nicht eingesetzt werden.

Vor der Reinigung sollten Vorversuche durchgeführt werden, um die Reaktion der Fassadenwerkstoffe auf unterschiedliche Drücke, Temperaturen und Reinigungsmittel zu testen. Elektrische Anlagen an der Fassade sind abzuschalten und zu schützen. Bei Einsatz von Reinigungsmitteln wird von unten nach oben gereinigt. Bei stark saugenden Untergründen ist vorzunässen, damit das Reinigungsmittel nicht so stark in die Kapillare eindringen kann, um Ausblühungen vorzubeugen.