Oberflächentechnik: „Inspirierend ist alles, was neu ist“

Malermeisterin und Dipl.-Designerin Sabine Hoffner vom Caparol FarbDesignStudio spricht mit dem Malerblatt über die Entwicklung und die Trends von neuen Oberflächentechniken.

Malerblatt: Was inspiriert Sie bei der Entwicklung von Oberflächen? Sabine Hoffner: Strukturen und Texturen begegnen uns immer und überall. In der Natur, in der Architektur, aber auch in der digitalen und virtuellen Welt. Inspirierend ist alles, was neu ist oder neu interpretiert werden kann, eine gewisse Ästhetik hat und auch haptisch attraktiv ist. Es spielt eine untergeordnete Rolle, ob es sich um die Struktur einer in 3-D gedruckten Oberfläche / Form oder um eine in Würde gealterte Fassade handelt, deren Gebrauchsspuren den Charme der Oberfläche erst ausmachen. Meine ganz eigene Quelle der Inspiration zur Entwicklung neuer Oberflächen hole ich mir bei Reisen in fremde Länder und Kulturen. Nahezu überall auf der Welt werden Wohnstätten von deren Bewohnern individuell gestaltet. Egal, ob es sich dabei um eine einfache Lehmhütte in Äthiopien oder um einen Maharadascha-Palast in Indien handelt. Exotische Farb- und Materialkombinationen in Verbindung mit ungewöhnlichen Verarbeitungstechniken lassen Raum für freie Interpretationen.

Erläutern Sie uns bitte den Prozess? Wie gehen Sie vor, wenn Sie für Kunden spezielle Oberflächen entwickeln? Es gibt zwei Möglichkeiten der Vorgehensweise. Es gibt den Kunden, der eine genaue Vorstellung davon hat, wie eine Wandfläche aussehen soll. Hier geht es darum, diese Vorgabe mit der richtigen Kombination aus Werkzeug, Produkt und Applikationsverfahren reproduzierbar nachzustellen. Die andere Variante ist es, eine maßgeschneiderte Oberfläche/Struktur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für ausgewählte Objekte zu generieren. Die besondere Herausforderung besteht darin, neben einer ansprechenden und innovativen Oberflächenoptik auch technischen Vorgaben und Anforderungen gerecht zu werden. Diesen Aufgaben stellen wir uns in der Kreativwerkstatt, die an das Caparol FarbDesignStudio angegliedert ist. Wir haben hier optimale Voraussetzungen, experimentelle oder ganz gezielt objektspezifische Oberflächen zu entwickeln. In einem regelmäßigen Turnus trifft sich ein interdisziplinäres Team aus Technikern, Designern, Handwerkern und Produktentwicklern, um gemeinsam an Problemstellungen oder neuen Strategien zu arbeiten.

Im Moment sieht man häufig Besenstrich an der Fassade. Was sehen Sie als nächsten Oberflächentrend? Gibt es wiederkehrende Oberflächen, die schon einmal in Mode waren und jetzt wieder „hip“ werden? Besenstrich- und Kammzug sind gute Beispiele für Fassadentechniken, die nicht neu sind, aber ursprünglich eine andere Funktion erfüllten. Techniken, die eingesetzt wurden, um Betonuntergründe griffiger zu machen. Heute haben sich diese Verfahren etabliert und werden aus rein optisch-ästhetischen Gründen auf Wandflächen eingesetzt. Derzeit boomen Oberflächen, die in irgendeiner Form Gebrauchsspuren aufweisen. Die Fehlstelle ist gewollt und wird bewusst in die Wandfläche eingearbeitet. Alterungsprozesse von Oberflächen wie Oxidation (vgl. Rost, Kupfer), sei es künstlich herbeigeführt oder in Form einer natürlichen Patina, sind erwünscht und werden sichtbar gemacht. Nicht neu, aber immer noch im Trend sind materialhaft anmutende Oberflächen. Holz-, Stein-, Bronze- oder klassische Betonoptiken werden malertechnisch umgesetzt. Wandoberflächen sind – wie Farb- oder Modetrends – Momentaufnahmen eines sich ständig wandelnden Zeitgeistes. Ein kontinuierliches Beobachten von aktuellen Strömungen unterschiedlicher Gestaltungsdisziplinen ist die Basis für eine stetige Weiter- bzw. Neuentwicklung von Oberflächen, um den Anforderungen des trendorientierten Kunden gerecht zu werden, produkttechnische Weiterentwicklungen inbegriffen.

Hat schon mal etwas nicht geklappt? Wo stoßen Sie an Grenzen? Jede Oberflächentechnik abseits der Verarbeitung nach Standard ist eine Herausforderung und funktioniert nicht immer auf Anhieb. Gerade dann, wenn bestimmte Vorgaben oder Bedenken seitens der Technik uns Grenzen aufzeigen, muss man den Prozess neu denken. Dann hilft auch mal der berühmte Blick über den Tellerrand. Das aktiviert die eigene Kreativität und kann sehr zielführend sein.

Was zeichnet eine gute Oberflächentechnik aus? Sie soll individuell, ästhetisch, funktional, technisch ausgereift, reproduzierbar und mechanisch belastbar sein, sich gut anfühlen und natürlich ökologisch unbedenklich sein. Das sind komplexe Anforderungen, die wir mit unseren Caparol-Produkten erfüllen können. Unser Anspruch ist hoch, aber das sind wir unseren Kunden schuldig. Schließlich hat gutes Handwerk Hochkonjunktur.