Transporter Neuanschaffung: Eine Frage des Formates

Bei der Neuanschaffung eines Maler-Einsatzfahrzeuges steht fast jeder Kunde vor der Entscheidung: Mittleres Format als 1-Tonner oder großer Transporter aus der „Sprinter“-Klasse. Dabei muss das größere Fahrzeug nicht immer die bessere Wahl sein.

Oliver Willms

Grundsätzlich gilt auch im Gewerbe: Platz kann man nie genug haben! Wenn es darum geht Leitern, Werkzeug, Farbgebinde und Abdeckmaterial schnell zu verstauen, schlägt normalerweise die Stunde voluminöser Transporter aus der 3,5-Tonnen-Klasse. Sie bieten je nach Radstands- und Hochdachvariante üppigen Laderaum, in der Regel drei Sitzplätze und lassen sich mit dem Pkw-Führerschein bewegen.

Oder darf es doch eine Fahrzeugklasse darunter sein? In der Eintonner-Klasse trumpft heute nicht nur der VW Transporter mit Pkw-ähnlichen, wendigen Fahreigenschaften, großer Variantenvielfalt und vor allem großstadttauglichem Parkformat auf. In der Regel stehen die Eintoner für einen deutlich günstigeren Einstandspreis im Angebot. Auch wenn diese Kaufentscheidung stark von den firmenspezifischen Einsätzen abhängt, ist ein Blick auf die unterschiedlichen Angebote der wichtigsten Hersteller durchaus reizvoll.

Variantenvielfalt

Wenn es um Transporter geht, spielt Volkswagen wie gewohnt die erste Geige. Billig sind die norddeutschen Lieferwagen sicherlich nicht, aber ihr über dem Klassendurchschnitt liegender Einstandspreis zahlt sich langfristig mit solider Qualität, einem dichten Servicenetz und deutlich besserem Wiederverkaufswert aus. So darf man sich auch als kostenorientierter Betrieb den recht neuen T6-Transporter auf die Checkliste setzen. Der Ur-Meter aller deutschen Lieferwagenmodelle bietet mit zwei Radständen und drei Dachhöhen eine breite Variantenvielfalt, die auch von einschlägigen Ausbauern wie Flexmo, Würth, Sortimo oder Bott mit der entsprechenden Innenausrüstung ausstaffiert werden kann. Im Eintonner muss die obligatorische Leiter nicht in den Laderaum, sondern kann über ausgetüftelte Dachträgersysteme mit muskelschonendem Schwenkmechanismus außen mitgeführt werden.

Die inneren Werte

An inneren Werten wartet der VW Transporter mit einem – nun wohl abgasehrlichen – Euro-6-Standarddiesel mit zwei Liter Hubraum auf, der das Leistungsspektrum von 84 über 102 und 150 PS bis zum 204 PS starken Topmodell abdeckt. Mit der 102-PS-Variante trifft man die goldene Mitte zwischen ansprechenden Fahrleistungen und wirtschaftlichem Betrieb am besten. Der Zweiliter-Diesel – die Benziner oder Erdgasvarianten spielen im Gewerbe eine zu vernachlässigende Rolle – kann mit Fünf- oder Sechsganggetriebe oder dem fein schaltenden, siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe DSG kombiniert werden. Für alpine Einsätze gibt es bei VW den 4motion-Allradantrieb. Eine Mischvariante aus Kombi und Transporter namens Kastenwagen Plus bietet sechs Sitzplätze für die Truppe, dafür naturgemäß einen knapperen Laderaum. Über die Fahreigenschaften des Transporters zu reden ist überflüssig. Kein Mitbewerber kann in Sachen Fahrsicherheit und Komfort hier mithalten. Das gilt freilich auch für die Preise. Ab 28.833 Euro brutto ist man bei VW mit dem karg ausgestatteten Einstiegs-T6-Kastenwagen dabei. Für das Allrad-Topmodelöl im Kastenwagen werden stolze 48.445 Euro aufgerufen. Eine Fülle von Sonderausstattungen bietet alles, was gut und traditionell auch recht teuer ist.

Konfigurierbar

Gleiches gilt auch für den großen Bruder Crafter, der mit einer kompletten Neuentwicklung an den Start geht und sich von seinem Debüt an mit dem Klassenprimus Mercedes Sprinter messen kann. Für den größten VW kann man sich alles nach Herzenswunsch zusammenkonfigurieren. Bis zu 18,4 Kubikmeter sind möglich, auch eine maximale Laderaumhöhe von 2196 Millimeter. Üppige 1400 Kilogramm Nutzlast kann ein gewichtsoptimierter Crafter legal stemmen, hier kommt es auf die passende Konfiguration an. Der Crafter ist in sechs Grundvarianten verfügbar. Der Kunde hat die Wahl: Front-, Heck- oder Allradantrieb, mit der richtigen Anhängerkupplung darf er sogar 3,5 Tonnen ziehen. Den Antrieb übernimmt auch hier der Einheits-Zweiliter aus dem T6. Das PS-Spektrum reicht von 102 bis 177 PS, wahlweise kombinierbar mit einem exzellent arbeitenden Achtgang-Automatikgetriebe. Der stärkste Crafter wird allerdings auf 165 km/h Spitzentempo eingeregelt.

Dem kann sein ärgster Widersacher Mercedes Sprinter in der Topmotorisierung durchaus folgen. Der Stuttgarter Klassenprimus, der einer ganzen Transportersparte seinen Namen lieh, hat aber mit dem VW Crafter ernsthafte Konkurrenz bekommen. Im aktuellen Sprinter setzt man mit drei Radständen und drei Dachhöhen ebenso auf Variantenvielfalt, auch wenn es den Allrad nur von Partnerbetrieben außer Haus gibt. An der Variabilität soll es beim Sprinter folglich nicht liegen. Lange, kurze und hohe Kastenwagen, Pritschen und Doppelkabiner spiegeln das breite Spektrum des schwäbischen Bestsellers wider. Einheitlich geht es bei Mercedes heute auch unter der Stummelmotorhaube zu: Ein 2,1 Liter großer Vierzylinder mit verbessertem Anfahrdrehmoment deckt den Einsatz von 114 über 143 bis 163 PS ab. Sortiert wird die Antriebsleistung über ein mechanisch bedientes Sechsganggetriebe oder einen siebenstufigen Automaten. Weil VW mit dem Crafter dem Sprinter gefährlich nah gekommen ist, wird es zum Jahreswechsel mit einem erneuerten Modell einen Wechsel an der Spitze der Mercedes-Transporter geben. Das ergibt die Gelegenheit, vor dem Generationenwechsel ein günstiges Sondermodell zu erwerben. Mit dem Worker hat der Hersteller eine besonders nutzorientierte Serie zu bieten, die auch im leichteren Vito-Eintonner angeboten wird.

Rollender Werkzeugkasten

Der in Spanien gefertigte Vito macht mit dem aktuellen Modell dem VW Transporter erstmals ernsthaft Konkurrenz. Für kostenoptimierte Einsätze als „rollender Werkzeugkasten“ empfiehlt sich der 88 PS starke Vito Worker mit 1,6 Liter-Vierzylinder und Vorderradantrieb. Der dreisitzige Kastenwagen zeichnet sich durch schlanke Serienausstattung aus, was sich in einem äußerst attraktiven Preis ab 22.003 Euro brutto niederschlägt. Natürlich bietet die Ausstattungsliste alle Optionen, um den Mercedes-Eintonner ganz nach Wunsch über den Kombikastenwagen Mixto bis hin zum 190 PS Allrad-Topmodell zu konfektionieren. Aber bei den Sonderausstattungen hat auch der Stern seinen Preis.

Eine durchaus erwägenswerte Alternative zu den etablierten deutschen Herstellern bietet das Angebot von Nissan. Vom leichten NV 200 auf Renault-Kangoo-Basis bis hin zum NT400 Leicht-Lkw können die Japaner mit einem lückenlosen Angebot vom Lieferwagen bis 7,5 Tonnen auftrumpfen. Für das Malergewerbe kommt dabei der NV300 Eintonner infrage, der baugleich auch als Renault Trafic, Opel Vivaro und mittlerweile auch Fiat Talento vom Band läuft. Als 2,7- bis 2,9-Tonner zählt das Transporter-Quartett zu den laderaumgrößten Transportern ihrer Klasse, mit zwei Längen- und Höhenvarianten bieten sie bis zu 8,6 Kubikmeter Ladevolumen und bis zu 1200 Kilogramm Nutzlast. Als Antrieb kommen Downsizing-Motoren zum Einsatz, die ausschließlich 1,6 Liter kleine, aber gut fahrbare Turbodiesel mit vier Leistungen von 95 bis 145 PS und nur Handschaltungen vorsieht. Start-Stopp ist Serie ebenso wie ESP und Fahrerairbag.

Ausstattungsvarianten

Bei Nissan stehen für den NV300 etliche Ausstattungsvarianten von Aufbauern in der Preisliste, die direkt im Einrechnungsgeschäft geordert werden können. Der preisliche Einstieg in den NV300 Eco liegt bei 28.548 Euro. Mit einem Bruttopreis von 27.358 Euro sogar noch günstiger, gibt der ausgewachsene NV400 Kastenwagen, baugleich mit Renault Master und Opel Movano als 3,5-Tonner seinen Einstand. Verglichen mit den deutschen Herstellern ist der Japaner mit dem Renault-Herzen durchaus wohlfeil, sollte aber dann wegen des schlechteren Gebrauchtfahrzeugpreises lange im Einsatz bleiben. Der große Nissan muss sich ansonsten vor den etablierten Spielern der Klasse nicht verstecken: Vier Längenvariationen und drei unterschiedliche Fachhöhen bieten viel Raum für individuelle Konfiguration. Wer einen Nissan-Partner in der Nähe hat, sollte sich den NV400 näher ansehen, noch zumal er seinen kleinen Bruder preislich sogar aussticht. Fiat ist dagegen auf dem deutschen Transportermarkt schon lange fest etabliert. Nach dem eher glücklosen Scudo steigen die Italiener in der Eintonnerklasse mit dem neuen Talento in den Ring, der sich die Gene mit dem Nissan NV300 teilt und mit den gleichen Eckdaten ins Rennen um die Handwerkergunst geht. Sein auf 1,6 Liter Hubraum limitierter Motor leistet zwischen 95 und 145 PS und treibt in allen Versionen die Vorderräder an. Ab 27.882 Euro kann man mit dem Einstiegsmodell Fiat-Talento-Fahrer werden.

Während Fiat beim Eintonner die Produktionspartner gewechselt hat, bleibt man in der 3,5-Tonnen-Klasse beim Bewährten. Ducato heißt der ewige Importbestseller, der in seiner kompaktesten Version mit 115 PS ab 31.285 Euro brutto wohlfeil ist. Dafür geht der Ducato mit bewährter Technik und einem ansprechenden Innenraum an die Arbeit. Zwischen insgesamt fünf Längen und drei Hochdachvarianten kann der Kunde sein Auto auswählen. Als Antrieb fungiert neben dem Zweiliter-Vierzylinder als Einstiegsmotor ein 2,3-Liter-Diesel als Volumenmotorisierung. Der große Dreiliter-Vierzylinder als Topmotorisierung fällt aus dem Programm und wird durch die 180-PS-Variante des 2,3-Liter-Ecojet ersetzt. Sparsamster Motor im Ducato-Programm ist der 150 PS starke Ecojet-Diesel. Der Transporter soll sich mit Start-Stopp-System und Energierückgewinnung sowie Ecomode-Funktion, die die Leistung auf maximal 115 PS beschneidet, mit nur 5,8 Liter/100 km begnügen.

Große Transporterklasse

Auf das gleiche Basisauto, aber unterschiedlichen Antrieben setzt Citroën in der großen Transporterklasse. Der Jumper wird im Gegensatz zum italienischen Bruder von einem hauseigenen Zweiliter-Vierzylinder bewegt, der je nach Variante zwischen 110 und 160 PS mobilisiert. Interessant für das Malergeschäft: Unter dem Namen Service-Solution bietet Citroën ab Händler speziell ausstaffierte Branchenmodelle vorzugsweise mit Würth-Innenausbau. Ob man sich nun für einen Fiat oder den großen Citroën entscheidet, hängt wie so oft von der Nähe und Qualität des örtlichen Händlers ab.

Dagegen geht in der Eintonner-Transportklasse mit dem neuen Citroën Jumpy eine völlig eigenständige Neuentwicklung an den Start, die man mit den Kooperationspartnern Peugeot und Toyota auf Kiel gelegt hat. Der neue Jumpy kommt in puncto Fahreigenschaften und Komfort durchaus an den VW-Transporter heran und kann – ein engagierter Händlerbetrieb vor Ort vorausgesetzt – eine echte Alternative werden. Der Franzose wird mit 3,1 Tonnen Gesamtgewicht und für bis zu 1400 Kilo Nutzlast zugelassen. Das Ladevolumen reicht von 4,6 bis 6,6 Kubikmeter. Mit 1,9 Meter Höhe sind alle Varianten tiefgaragentauglich, da auf eine Hochdachvariante verzichtet wurde. Das Frontantriebs-Fahrwerk mit einzelradgeführten Vorder- und Hinterachsen ist aufwendig entworfen. Schließlich erreicht der Jumpy mit dem zwei Liter großen 180-PS-HDI-Diesel über 180 km/h Spitzengeschwíndigkeiten. Für weniger eilige Aufträge reichen 95 PS aus 1,6 Liter Hubraum, die mit 5,1 Liter/100 km auskommen sollen. Der Einstiegspreis für den französischen Newcomer liegt bei attraktiven 27.358 Euro brutto.