„Colours of England“: Farben erzählen Geschichten

„Colours of England“ heißt die neue Farbkarte von Little Greene; sie umfasst historische Farbtöne aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert. Im Interview sprachen wir mit Ruth Mottershead, Marketingdirektorin des Farbenherstellers, über den Leitgedanken der neuen Kollektion.

Little Greene hat eine neue Farbpalette vorgestellt. Wie kam es zu der Idee, neue Farben aus historischen Mustern des 18., 19. und 20. Jahrhunderts zu entwickeln? Ruth Mottershead: Architektur und Geschichte haben uns schon immer fasziniert. Wir fanden es von jeher interessant, dem Ursprung einer Farbe nachzuspüren. Die Geschichte einer Farbe zu erforschen, ist ein ganz besonderer Prozess. Wir arbeiten mit English Heritage zusammen, einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, historische Gebäude in Großbritannien zu schützen und zu erhalten. Deshalb sind wir in der Lage, unseren Kunden etwas über die englische Geschichte und das Narrativ zu erzählen, das hinter jeder Farbe und jedem Muster steckt, während wir dazu beitragen, die schönsten Gebäude Englands zu restaurieren. Es ist für uns ein großes Glück, Zugang zum Tapetenarchiv von English Heritage zu haben. Daraus stellen wir eine Auswahlliste an Entwürfen zusammen und erarbeiten dann ein Programm an aktualisierten Farbstellungen, die für einen modernen Lebensstil besser geeignet und passend sind. Die beliebtesten Farben sind immer die Farben, die am zeitlosesten sind.

Was macht denn eine Farbe zeitlos?
Einige der beliebtesten Farben sind gleichzeitig auch die ältesten. ‚Celestial Blue‘ wurde auf einer Farbkarte aus dem Jahr 1807 entdeckt und ist immer noch außerordentlich beliebt. Die Menschen mögen es, wenn Farben zu einem sicheren Gefühl in ihrem Ambiente beitragen und deshalb werden die beruhigenden neutralen Farben, an die wir uns gewöhnt haben, immer noch bevorzugt. Natürlich sind Erdtöne auch sehr populär, wie auch Blau, das die Menschen häufig an die See oder den Himmel erinnert.

Was ist das Besondere am Design der neuen Farbpalette? Die aktualisierte Farbkarte ‘colours of England’ besteht aus 128 klassischen und zeitgenössischen Farben. Dazu gehören auch echte historische Farbtöne, die von English Heritage urkundlich bestätigt wurden, zum Beispiel die hochgeschätzten und zeitlosen Farben aus den Epochen Georgian, Regency, Victorian und dem 20. Jahrhundert. Die Farbkarte wurde um zwölf neue Farben erweitert, unter anderem um ‚Mortlake Yellow‘ – einen besonders auffallenden neuen gelben Farbton. Mit unseren „Flying Colour Chips“ kann das Farbmuster von der Karte teilweise abgelöst und direkt mit Stoffen und anderen Farben verglichen werden, sodass man die Farbe ohne weißen Hintergrund wahrnimmt und beurteilen kann, wie sie an Ort und Stelle wirken wird.

Welche Farben sind neu und wie haben Sie die neuen Farben konzipiert? Die zwölf Neuzugänge zur Farbpalette reflektieren aktuelle Trends im Interior Design. Wir sehen viel kräftige Gelbtöne, die es direkt vom Catwalk der Mode in unsere Innenräume geschafft haben. Diese satten, kühnen Farben können zusammen mit den starken Blautönen einen aktuellen Look schaffen oder auch separat eingesetzt werden, um einen dramatischen Effekt zu erzielen. Wir haben zwei neue Grüntöne hinzufügt, ‚Pleat’ und ‚Mid Azure Green’. Das sind zwar nicht gerade neue Farben, aber sie werden auf neue Art verwendet – als neutrale Farben für den kompletten Raum.

Besteht eine hohe Nachfrage nach Farben aus den vergangenen Jahrhunderten? Unsere Farbkarte „colours of England“ weist Farben aus verschiedenen Epochen auf, die mit einem kleinen roten Punkt gekennzeichnet sind. Er weist darauf hin, dass sie aus den Zeiten Victorias oder Georgs oder aus der Regency-Periode stammen. Das ist in der Tat sehr nützlich, wenn ein Kunde ein historisches Gebäude besitzt und es planvoll in Übereinstimmung mit der Geschichte des Hauses renovieren möchte. Wir bieten im Übrigen auch für alle unsere Farben Herkunftsnachweise an, um ihre wahre Geschichte erzählen zu können.

 Sind die Rezepturen für die Farben mit den alten Rezepturen vergleichbar? Falls nicht, wie unterscheiden sie sich? Wir verfolgen in unserer Arbeit immer das Ziel, Farbrezepturen zu entwickeln, mit denen das bestmögliche Finish erzielt werden kann. Farben von Little Green enthalten nach wie vor mehr Pigmente als viele andere Farben. Das verleiht unseren Produkten ihre Farbtiefe, und die Farbtöne verändern sich leicht je nachdem, wie sich das Licht im Raum verändert. Während Naturharze und Pigmente die Basis für die frühen Farben waren und in vieler Hinsicht den Farben der großen alten Meister ähnelten, war es durch die Entwicklung synthetischer Verbindungen zur Farbgebung von Materialien im 19. Jahrhundert möglich, schneller und effizienter zu produzieren. Wobei anzumerken ist, dass sich viele dieser Farben als nicht so sicher oder gut erwiesen haben wie diejenigen, deren Stelle sie einnahmen. Heute integrieren wir viele in der Vergangenheit benutzten Materialen in die Zubereitung der sehr hochwertigen Farben, die wir jetzt herstellen.

Wo werden die Farben eingesetzt? Little Greene ist in unterschiedlichen Objekten rund um die Welt vertreten. Wir liefern zum Beispiel die Farben für Räumlichkeiten wie die Whitworth Art Gallery in Manchester, wo sie als Hintergrund für die Kunstwerke und Ausstellungen fungieren, oder das Franziskanerkloster in Manchester aus dem
19. Jahrhundert, wo Teile des Besucherzentrums mit Farbe und Tapeten renoviert werden.

Gibt es Pläne, mehr historische
Farben zu lancieren? Unsere Farbpalette wird konstant weiterentwickelt, um die Trends im Interior Design einzubeziehen. Gerade haben wir unsere aktualisierte Farbkarte „colours of England“ vorgestellt. Wir werden auch in Zukunft nicht nur die Farben im Archiv von English Heritage, sondern auch die in privaten Sammlungen verwendeten Farbtöne untersuchen und prüfen, um eine schöne Auswahl historischer Farben liefern zu können, die auch für das aktuelle Zuhause geeignet sind.

Das Interview führte Carola Neydenbock.