Grundschule mit Geschichte

Als eines der Hauptwerke der sächsischen Schlossbaukunst der Renaissance gilt die Grundschule Annaburg. Jetzt wurde die Putzfassade des Gebäudes umfassend saniert.

Die Lutherstadt Wittenberg ist fast jedem ein Begriff als die Stadt, in der Martin Luther im Jahre 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt hat. 35 Kilometer südöstlich liegt zwischen Elbe und Schwarzer Elster das Städtchen Annaburg. Mit nur etwas mehr als 7000 Einwohnern präsentiert Annaburg unvermutet ein Schlossensemble, das in Erstaunen versetzt. Die Anlage gilt als eines der Hauptwerke der sächsischen Schlossbaukunst der Renaissance. Eines dieser historischen Bauwerke beherbergt die Grundschule Annaburg. Nach neuer Dacheindeckung, neuen Fenstern und umfangreichen Spenglerarbeiten wurde nun auch die reich verzierte, aber stark beschädigte Putzfassade des villenartigen Massivbaus detail- und originalgetreu wieder hergestellt. Nun braucht sich die Grundschule Annaburg nicht mehr zu verstecken, sondern zeigt sich stolz inmitten prächtiger Schlossbauten.
Größere Schäden
Ziel der Sanierungsarbeiten war es, die kunstvoll und reich verzierte Fassade der Grundschule möglichst detail- und originalgetreu wiederherzustellen. Auch wenn vor Beginn der Arbeiten großflächige Putzabplatzungen und lose Putzflächen, verursacht sowohl durch aufsteigende als auch eindringende Feuchtigkeit, nicht zu übersehen waren, so sollten, wenn möglich, die noch intakten Altputzbestände erhalten bleiben. Besonders aber die zu DDR-Zeiten auf die weicheren Altputzbestände aufgebrachten Kalk-Zement-Putze zeigten zwischen den Fenstern und an den Bossierungen Rissbildungen, in die über Jahre hinweg Feuchtigkeit eingetreten war. Zur weiteren Verschlechterung des Fassadenzustandes trugen bis zu 14 Farbanstriche auf Dispersionsbasis bei. Deutliche Spuren hinterließen auch die einst defekten Fallrohre und Dachrinnen. Ungeschützt der Witterung ausgesetzt, konnte das Sockelgesims ebenfalls nicht gerettet werden.
Ganz oder gar nicht
„Ganz oder gar nicht“ lautete das Motto der umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Fassade. Nach der Entfernung des Altputzes und des mürben Fugenmörtels sowie der sorgfältigen Reinigung der Vollziegelfassade im Druckluftverfahren verfolgte das Sanierungskonzept beim Putzneuaufbau unterschiedliche Wege. Da die Putzflächen im Sockelbereich bis zu 90 Prozent durch aufsteigende Feuchtigkeit, Salzausblühungen und Schimmelpilzbefall zerstört waren, entschied man sich in diesem stark geschädigten Bereich für das Rajasil Sanierputzsystem SP3 mit dem Aufbau-Spritzbewurf und einlagiger Sanierputzschicht in 25 mm Dicke. Auch in den Fallrohrbereichen sorgt das Sanierputzsystem fortan mit seinen salzspeichernden Eigenschaften für eine langandauernde ausblühungsfreie Fassadenfläche. Aufgrund der schweren Schädigung im Sockelbereich ging den Putzarbeiten eine horizontale Bauwerksabdichtung im Injektionsverfahren knapp über der Geländeoberkante voraus.
An der übrigen, glatten Fassadenfläche kam ein Rajasil-Kalkputzsystem zum Einsatz. Dem netzförmig aufgebrachten Spritzbewurf folgte Kalkputz mittel und als letzte Beschichtung Kalkputz fein, hergestellt als Sonderrezeptur nach Befund. „Natürlich durften die Übergänge zwischen Kalkputz- und Sanierputzsystem nicht sichtbar sein. So wurden die Putzsysteme nass in nass aneinandergearbeitet und die Körnung entsprechend eingestellt“, erklärt Frank Eulenstein, Rajasil-Bauberater bei Heck Wall Systems.
Stuckateurarbeit
Parallel zu den Putzarbeiten verlangten auch die wunderschönen und zahlreichen Zierelemente an der Fassade nach hochwertiger Stuckateurarbeit, die – genau wie die vorangegangenen Putzarbeiten – ebenfalls der Baubetrieb Voigtländer GmbH aus Oschatz ausführte. „Rajasil Gesimsziehmörtel erwies sich als das geeignete Material zur Wiederherstellung und Ergänzung des aufwendigen Fassadenschmucks“, so Frank Eulenstein. Mit großem handwerklichem Geschick wurden die Gesimse direkt am Gebäude neu gezogen und wieder angearbeitet. Ebenso konnten die Spiegelflächen unter den Fenstern im Erdgeschoss und die Fensterbekrönungen über den Fenstern im ersten Obergeschoss ergänzt und wiederhergestellt werden. Diese Vorgehensweise gilt für alle Fassadenverzierungen, die Fehlstellen aufwiesen. Eine besondere Herausforderung stellte laut Veronika Leder auch die Erneuerung der Bossierungen dar: „Die Nuten der stark ausgebildeten Bossenstruktur, die zusätzliche Akzente in den Eckbereichen des Bauwerkes setzt, und die der flacheren Bossen an der übrigen Fassadenfläche des Erdgeschosses mussten im Verbund ausgebildet und wiederhergestellt werden.“ Besonderer Aufmerksamkeit bedurften auch die Faschen und Leibungen, die mit großer Sorgfalt wieder an die Fenster angearbeitet wurden. „Der einfarbige Anstrich mit Rajasil-Silikat Fassadenfarbe geschah nach historischem Befund und stand immer, ganz gewollt, im Kontrast zu den übrigen Bauwerken des Schlossensembles Annaburg“ erläutert Frank Eulenstein.
Nach historischem Befund
Auch die gereinigten Terrakotta-Elemente sowie das reparierte Traufgesims aus zusammengesetzten, profilierten Holzbretten, wurden im Farbton der Fassadenfarbe gestrichen. Um die Schönheit und Unversehrtheit des Gebäudes möglichst lange zu erhalten, schützen heute neue Abdeckungen aus Zinkblech die umlaufenden Gesimse, die Bekrönungen über den Fenstern sowie sämtliche Fensterbänke. Veronika Leder von Schmidt und Partner bringt die erfolgreiche Restaurierung schließlich auf den Punkt: „Bei einem derart sanierten Gebäude kann man eigentlich nur gern zur Schule gehen!“