Propstei Johannesberg

Lernen im Denkmal

Seit über drei Jahrzehnten steht die Propstei Johannesberg als Partner für Fortbildung allen im Denkmalbereich und in der Altbauerneuerung Tätigen zur Seite.

Bei der Ankunft in der Propstei Johannesberg umweht einen der Hauch der Geschichte. Die mittelalterliche Klosteranlage wurde Mitte des 17. Jahrhunderts in eine Propstei umgewandelt. Im 18. Jahrhundert erfolgte die barocke Umgestaltung, an der bedeutende Fuldaer Hofhandwerker mitwirkten. So sind Baugeschichte und Restaurierungen der Propstei für Seminarteilnehmer schon Anschauungsobjekte und bieten zusammen mit den funktionalen Werkstätten sowie den gut ausgestatteten Seminarräumen beste Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen.

Die Sanierung historischer Substanz birgt immer Überraschungen. Sie erfordert Umsicht, eine Menge Erfahrung und permanente Weiterentwicklung. Hier setzt die Propstei mit ihrem Weiterbildungsprogramm an. Für Handwerker-/innen werden in Praxisseminaren historische Handwerks- und Sanierungstechniken angeboten, wie beispielsweise die Imitationstechniken Marmorieren und Maserieren, Kalktechniken. Malermeister können – jetzt auch berufsbegleitend – Zertifikatslehrgänge mit einer Abschlussprüfung vor der Handwerkskammer zum Restaurator im Handwerk absolvieren. Für Gesellen-/innen besteht das Angebot, sich zum Gesellen für Restaurierungsarbeiten bzw. für Instandsetzungsarbeiten in der Denkmalpflege weiter zu qualifizieren. In Kooperation mit der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda werden die Lehrinhalte zur Praxis der Technikerschule in Farb- und Lacktechnik mit dem Schwerpunkt Gestaltung und Denkmalpflege umgesetzt. Die Seminarleiter und Dozenten sind erfahrene Fachleute, die beruflich in der Denkmalpflege und Altbauerneuerung tätig sind. So auch Melanie Nüsch, die nach ihrem Abschluss zur Technikerin für Farbgestaltung und Denkmalpflege und der Meisterprüfung zuerst die Ausbildung zur Restauratorin im Maler- und Lackiererhandwerk und dann 2005 in Venedig einen Maestrokurs des Europäischen Zentrums für Denkmalpflege absolvierte. Heute bringt sie neben ihrer selbstständigen Tätigkeit ihr Wissen um historische Materialien und Arbeitstechniken bei den Seminaren der Propstei Johannesberg ein. Dem Malerblatt stand sie für Fragen rund um die Fortbildungsmöglichkeiten zu Verfügung.
Wo sehen Sie die Stärken der Ausbildungsstätte Propstei Johannesberg?
Melanie Nüsch: Die Propstei bemüht sich als Fortbildungsstätte für Handwerker immer wieder selbst um die neuesten Erkenntnisse in Fragen zu Denkmalpflegemethoden und bei Arbeitstechniken auf diesem Gebiet. Als frühere Teilnehmerin wie nun als Seminarleiterin kann ich bestätigen, dass wir uns stetig verbessern und unsere Teilnehmer persönlich betreuen. Unsere Ausbildung ist praxisnah und anspruchsvoll.
Wo liegen die Schwerpunkte bei der Ausbildung zum Restaurator im Handwerk?
Der Restaurator im Handwerk ist in der Regel ein selbstständiger Handwerksmeister, der entsprechende Aufträge für Auftraggeber wie Denkmalämter und Architekten anbieten und durchführen kann. Natürlich benötigt er dazu sowohl theoretisches Wissen über Untergrund- und Materialeigenschaften, er muss aber auch diese speziellen Arbeiten selbst praktisch durchführen können. Daher ist ein Praxisteil sehr wichtig. Auch eine Bestandsaufnahme wird in unserem Seminar ausgiebig eingeübt, sie ist mit der wichtigste Bestandteil der Arbeit.
Welche Voraussetzungen sollten Handwerker mitbringen?
Vor allem Interesse! Die Arbeit als Restaurator im Handwerk ist im Vergleich zu den alltäglichen Arbeiten eines modernen Malers ein völlig anderes Arbeitsfeld. Es ist spannend und man braucht Herzblut, denn es ist auch viel traditionelles Hand-Werk im wahrsten Sinne des Wortes und erschließt nicht einfach nur eine weitere Geschäftsmöglichkeit.
Werden bei den Praxisseminaren auch moderne Anwendungsmöglichkeiten angesprochen?
Ja, ich finde es immer wichtig, alle Möglichkeiten dieser Techniken aufzuzeigen. Eben weil sie so viel kreatives Potenzial in sich tragen und der Handwerker gerade damit individuell etwas ersinnen kann. Bei modernen Techniken mit Industrieprodukten fehlt mir das manchmal.
Wird gewerkeübergreifend unterrichtet?
In theoretischen Vorträgen machen wir das ohnehin, auch bei passenden praktischen Themen bieten wir es gelegentlich an. Der Maler hat bei Putz und Holz natürlich immer Berührungspunkte mit anderen Gewerken. Wir möchten es fördern, sich kennenzulernen und miteinander an Projekten zu arbeiten. Auf der realen Baustelle hat man es ja auch mit vielen Gewerken zu tun. Da hilft ein Miteinander auch besser, als wenn jeder nur in seinem engen Auftragsspektrum denkt.
Wo bieten sich berufliche Möglichkeiten für den Absolventen?
Wirkliche Fachkräfte im Handwerk sind stark gesucht. Es gibt genügend Aufgaben in der Altbausanierung. Die Kunden werden aufmerksamer durch Informationen zu alternativen Materialien wie Lehm und Kalk. Da braucht es Leute, die diese Arbeiten fachlich korrekt anbieten und ausführen können.
Gibt es regionale Unterschiede?
Bauwerke sind regional oft sehr unterschiedlich, aber die Grundbaumaterialien bleiben gleich. Das Wissen darum hilft immer weiter. Die Ausbildung zum Restaurator ist sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist spannend, Teilnehmer mit unterschiedlicher Vorbildung und Erfahrung in einem Seminar zusammenzuführen. Aus dem Austausch miteinander haben sich immer interessante Kontakte aufgetan; ein berufliches überregionales und gewerkeübergreifendes Netzwerk.
Die Fragen stellte Susanne Wierse.

praxisplus
Die Propstei Johannesberg bietet ein umfangreiches Fortbildungsprogramm im Bereich der Denkmalpflege und Altbausanierung. Kontakt:
Propstei Johannesberg gGmbH
Fortbildung in Denkmalpflege und Altbauerneuerung
Propsteischloss 2, 36041 Fulda
Tel.: 0661/941810