Mit Dämmputz in die Gründerzeit

Ein Haus in Berlin-Mitte stand lange leer, das einst schmuckvolle Gebäude bot ein trauriges Bild. Eine der größten Herausforderungen lag in der denkmalgerechten Gestaltung der Fassade unter Berücksichtigung der Auflagen der Energieeinsparverordnung. Nun wurde die Fassade mit einem Dämmputz aus reinem Naturkalk saniert.

Was mit herkömmlichen Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) und Sanierputzen nicht zu schaffen war, gelang mit einem Sanier- und Dämmputzsystem aus reinem Naturkalk. So konnte eine plastische Gliederung der Fassade umgesetzt und die Anforderungen an den Wärmeschutz erfüllt werden. Der Schweizer Hersteller Haga verwendet Kalkstein aus den Schweizer Alpen mit einem hohen Reinheitsgrad (98Prozent Kalziumcarbonat). Der strahlende Helligkeitsgrad dieses Naturkalkes ist unerreicht. Die natürliche Reinheit der daraus produzierten Kalkputze und -farben wurde vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik überprüft und bestätigt.

Der Zahn der Zeit und einige Jahre Leerstand hatten an dem Gebäude genagt. „Den Gebäudezustand bei Planungsbeginn konnte man getrost als marode bezeichnen“, erklärt der Projektleiter vom planenden Büro Bruno Fioretti Marquez Architekten (Berlin).

Heikle Fassadengestaltung

Das historische Gebäude wurde großzügig entkernt und modernisiert. Zwar war das Backsteinmauerwerk – abgesehen von den partiell zu erneuernden Fugen – weitgehend intakt, dennoch erwies sich die Fassadengestaltung als besonders heikel. Es bedurfte einer Lösung, die den Anforderungen der Energieeinsparverordnung und denen des Denkmalschutzes gerecht werden würde. Dieser machte die Auflage, die Laibungen so wenig wie möglich zu vertiefen und gestalterisch Bezug zum abhanden gekommenen Fassadendekor zu nehmen. Mit einem herkömmlichen WDVS wären die geplanten prismatischen Prägungen zur vertikalen Gliederung und Akzentuierung von Faschen nicht möglich gewesen. Da bei solchen Fassaden oft große Spannungen auftreten, kamen herkömmliche Sanierputze wegen ihres Zementanteils nicht infrage. 

Spezieller Sanierputz

Man fand die Lösung in einem rein mineralischen Sanierputzsystem auf Naturkalkbasis des Schweizer Herstellers Haga aus fünf Komponenten: Bio-Grundputz als Spritzbewurf, bis fünf Zentimeter Isolierputz „Biotherm“ in einem Arbeitsgang, Einbettmörtel mit Armierungsgewebe, zwei Zentimeter Modellierputz in zwei Lagen (mit Prägungen) und Calkosit-Schlussbeschichtung. Da es sich um trockenes Backsteinmauerwerk handelte, kam es hier weniger auf die Entfeuchtungsfähigkeit von „Biotherm“ an als vielmehr auf dessen erstklassige Dämmwerte. Mit dem Putzaufbau konnte der erforderliche U-Wert erreicht werden. Ausschlaggebend für die Wahl des Sanierputzsystems waren auch die gestalterischen Möglichkeiten. In Kombination mit „Biotherm“ kam ein spezieller Kalk-Modellierputz zum Einsatz. „So waren die typischen Fassadenprägungen mit bis zu zwei Zentimetern Tiefe möglich. Mit einem konventionellen WDVS hätte man sich bestenfalls im Millimeterbereich bewegt“, resümiert Thomas Bühler von Haga. Das i-Tüpfelchen bildet die Schlussbeschichtung Haga Calkosit in 0,5 Millimetern Stärke, deren Farbgebung eigens rezeptiert wurde. Somit hat das Stadtbild in Berlin-Mitte eine attraktive Gründerzeitfassade zurückgewonnen. Wie gefragt solche Häuser sind, zeigen die Anfragen von Kauf- und Mietinteressenten schon mit Sanierungsbeginn.