Palmengarten Palais

Pracht der Gründerzeit

Nach jahrelangem Leerstand schien das Schicksal des „Palmengarten Palais“ besiegelt, es sollte abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative setzte sich für den Erhalt des Gründerzeitgebäudes ein. Mit Erfolg: Es fand einen Investor und gewann vor Kurzem den Bernhard-Remmers-Preis für die gelungene Sanierung.

Carola Neydenbock

„Was für ein Blickfang!“, denkt sich der Betrachter, wenn er vor dem straßendominierenden Gebäudeensemble im Leipziger Stadtteil Lindenau steht. Doch das war nicht immer so. Das „Capa-Haus“ erlangte im Zweiten Weltkrieg traurige Berühmtheit, als amerikanische Truppen Leipzig befreiten und der bekannte Fotograf Robert Capa den Tod des US-Soldaten Raymond J. Bowman („Letzter Tote des Krieges“) festhielt. Der junge Mann wurde am 18. April 1945 auf einem der Balkone erschossen. Nach mehrfachem Besitzerwechsel stand das repräsentative Eckhaus an der Parkanlage „Palmengarten“ dann jahrelang ungepflegt leer, der Bauzustand verschlechterte sich stetig.
Abgewendeter Abriss
Im Jahr 2011 erteilte das Bauamt sogar eine Abrissgenehmigung. Als dann noch der Dachstuhl des Baus im Zuge einer auf dem Dach gelandeten Silvesterrakete ausbrannte, schien jede Hilfe zu spät. Das Bauamt Leipzig führte daraufhin eine erste Notsicherung des Gebäudes durch, um eine Gefährdung der Passanten durch herabfallende Bauteile zu verhindern. Es hing vielen Leipzigern so am Herzen, dass sich sogar eine Bürgerinitiative ab 2011 öffentlichkeitswirksam für den Erhalt des Gründerzeitbaus auf der Jahnallee einsetzte. Die Rettung erfolgte erst, als die LS Immobiliengruppe auf das „Palmengarten Palais“ aufmerksam wurde und das unter Denkmalschutz stehende Haus kaufte. Horst Langner, Investor LS Denkmal Immobilien GmbH war nach seinem ersten Besuch des Gebäudes begeistert, wusste aber auch, dass viel Arbeit auf ihn wartete. „Ein Wasserschaden hatte die Zwischendecken zerstört, das Treppenhaus war kaum noch erhalten“, sagt er heute. Auch die Decken mussten erst wieder eingezogen und die Fundamente mit Stahlbeton verstärkt werden.
Historisches Treppenhaus
Das 1909/10 erbaute Palais des Architekten Otto Gerstenberger selbst, zeigt verschiedene Stilepochen. Zu finden sind neben Neobarock und Neorenaissanceelementen, auch Jugendstilmalereien. Der Architekt Ulrich Maldinger war unter anderem zuständig für die Rekonstruktion der ursprünglichen Treppenhausgestaltung: „In Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt führten wir eine Farbbefunduntersuchung durch und fanden verschiedene Fassungen.“ Anhand von Sondierungsschnitten, die unterschiedliche Farbtöne zeigten, wurde dann eine grün-braune Gestaltung ausgewählt. „In 80 Prozent der Fälle wird die erste Fassung genommen“, erklärt Maldinger. Heute erstrahlt das Treppenhaus wieder im alten Glanz: Die Maler gestalteten die Wände in der zu der Zeit üblichen Schabloniertechnik. Auffällig ist vor allem der in einem kräftigen Rot gestaltete Eingangsbereich. „Dieser war häufig aufwendig und farbkräftiger gestaltet als das eigentliche Treppenhaus“, so Maldinger. Das gesamte Treppenhaus besteht aus Holz, es durfte kein Stahl eingebaut werden – auch das war eine Auflage der Denkmalschutzbehörde.
Gute Zusammenarbeit
Am 10. November 2016 zeichnete der Baustoffhersteller Remmers das „Palmengarten Palais“ im Rahmen der Messe „denkmal 2016“ mit dem „Bernhard-Remmers-Preis“ in der Kategorie „National“ aus. Die Jury lobte die gute Zusammenarbeit des Teams aus Handwerkern, Architekten, Planern und des Investors. „Das repräsentative Jugendstilensemble kann als gelungenes Sanierungsbeispiel für denkmalgeschützte Bauten des frühen 20. Jahrhunderts gelten“, so die Veranstalter. Im Erdgeschoss befindet sich heute das im Dezember 2015 eröffnete Café Eigler. An das Café ist seit April 2016 ein Ausstellungsraum angeschlossen, um an die Kämpfe der US-Army und der deutschen Soldaten im „Capa-Haus“ zu erinnern.

Bautafel
Bauträger: LS Immobiliengruppe GmbH
Sanierungskonzept und Baubegleitung:
Architekturbüro Maldinger,
Energieberatung Preiß,
Ingenieurbüro SPS,
Amt für Bauordnung und Denkmalpflege Leipzig
Verarbeiter:
Jens Barthelmes Stuckateurmeister GmbH