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Explosiv und exklusiv – Livescouting FAF 2016

41.500 Besucher konnten auf der diesjährigen Messe Farbe, Ausbau & Fassade spannende Farbimpulse sammeln, sich von neuen Techniken inspirieren lassen sowie einen Überblick über originelle Oberflächen und Strukturen für den Innen- und Außenraum erhalten

Livia Baum

Einen wichtigen Fokus auf der FAF 2016 bildete das Beherrschen von spannenden und kreativen Techniken und deren Einsatz zur Kreation ästhetischer Oberflächen. Viel Wert wird dabei auf Qualität und Handwerk gelegt. Bekannte Techniken werden in einem neuen Gewand interpretiert und schaffen eine Verbindung von Überlieferung und Innovation. Der experimentelle Umgang mit den Themen Farbe und Struktur ist deutlich zu sehen – das Handwerk öffnet sich frischen Ideen.
Sammeln, Entdecken und das Gesehene nach trendrelevanten Gestaltungstypologien und Phänomenen zu durchleuchten – das sind wichtige Bausteine in einem Messe-Livescouting.
Scouting vor Ort
Was ist besonders überraschend oder welche auffälligen und neuartigen Kombinationen finden sich? Livescouting bedeutet, sich bewusst mit dem „Sehen vor Ort“ auseinanderzusetzen und die Entdeckungen sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Besonders auf Messen wie der FAF, imm, Heimtextil oder Domotex sind zahlreiche Inspirationen zu sehen. Jedes Jahr sammelt die Trendagentur zukunftStil aus Hildesheim bis zu 7.000 Messebilder, Fotos und Hintergrundinformationen. Für das Malerblatt waren sie auf der Suche nach spannenden Neuigkeiten auf der FAF 2016. Die gescouteten Daten werden im nächsten Schritt hinsichtlich neuer Entwicklungen und innovativer Gestaltungen ausgewertet und anschließend in einem mehrstufigen Screening-Prozess in verschiedene Trendkategorien, wie z. B. Farbe/Farbkombination, Material und Oberfläche oder Muster sortiert und in gestalterischen Oberthemen zusammengefasst. Ebenso wichtig ist es, technische Entwicklungen und aktuelle Lebensmodelle in die Betrachtung mit einzubeziehen.
Intensiv, metallisch und zart
Die Spanne der Farben und Farbkombinationen ist breit gefasst. Ein wichtiger Fokus liegt auf der Gestaltung mit intensiven Farben, die eine starke Leuchtkraft besitzen. Die Energie der Farben wird scheinbar auf den Betrachter übertragen. Dabei bildet tiefes Ultramarin bei vielen Herstellern, wie z. B. kt.COLOR, einen Blickfang in der Farbpalette. Zu sehen waren ebenso tiefe Gelb- und Terra-/Rotnuancen, die in Kombination mit Weiß oder dunklem Grau bis Schwarz ihre Leuchtkraft erhöhen.
Warme, metallische Farbtöne von Kupfer, Messing bis hin zu Bronze werden gern mit vergrauten oder pastelligen Nuancen von Rosé und zartem Blau sowie hellem Grün kombiniert. Die metallischen Töne erhalten dadurch eine stylishe und frische Note. Metallische Patina und perfekte Rostoptiken sind vom Original kaum noch zu unterscheiden. Hersteller, wie Cameleo, MIDAS Metall oder Novacolor zeigen hier ein Spektrum an unterschiedlichen Oberflächen in einer intensiven Farbigkeit von Türkis über Orange bis hin zu Gelb und warmen Ocker-Brauntönen. Der metallische Effekt und die unterschiedlichen Helligkeiten in der Reflexion bewirken ein dynamisches Muster.
Zu sehen waren ebenfalls raue Putze, die mit einem metallischen Finish veredelt wurden. Die groben, gebürsteten Strukturen erhielten dadurch eine elegante Note.
Als Gegenpol zu den markanten und kräftigen Farben existiert eine zurückhaltende Leichtigkeit, die durch helle, klare Farbkombinationen harmonisch wirkt und Ruhe ausstrahlt. Schlichte Farben und raffinierte Oberflächen schaffen eine Ästhetik des minimalen Looks. Treffen diese zarten, pastelligen Farben im Raum auf Beton und Holz entsteht eine klare, reine Raumgestaltung. Die leichte, kühle und skandinavische Note wird durch den Einsatz von hellem Holz verstärkt. Die Betonoptik erzeugt einen zusätzlich natürlichen Look, der durch den Einsatz von Farbe oder mit Farbakzenten eine gemütliche und wohnliche Atmosphäre schafft. Auch Caparol stellt seine neuen Premium-Farben Caparol Icons vor. Die Vergangenheit ist die Inspirationsquelle dieser Kollektion und zeigt im Bereich Pastell interessante Kreidetöne, die einen Hauch der 50er Jahre widerspiegeln.
Von Tradition zur Innovation
Ausflüge ins Experimentelle und Traditionelle – der Begriff Innovation beschreibt eine Neugestaltung und Veränderung. Genau das war auf der FAF deutlich spürbar – innovative Muster und Oberflächen mit „Zitaten aus der Vergangenheit“. Besonders durch neue Fertigungsmethoden und Techniken sind der Kreativität kaum noch Grenzen gesetzt.
Viele Elemente der traditionellen Dekore werden beibehalten und zugleich aufgebrochen bzw. neu interpretiert. Durch den kreativen Umgang mit bekannten und ursprünglichen Strukturen entstehen völlig neuartige Erscheinungsbilder. Gecrushte, ornamentale Tapeten von der Marburger Tapetenfabrik, die an Jugendstil und Barock erinnern, zeigen die Verschmelzung von Tradition und Innovation. Die Falten wirken natürlich gewachsen, sie sind erhaben und deutlich spürbar – die Mischung von verschiedenen Gestaltungsstilen ist hierbei ein Rezept für Innovationen. Ob florale Formen in Kombination mit patinierter Betonoptik von Novacolor oder Putzstrukturen mit Krokodilleder-Optik von Sto – klassische Muster werden durch die Oberfläche beeinflusst und der Putz experimentiert mit verschiedenen Gestaltungsmitteln.
Die eigene Handschrift
Die neuen Oberflächen lassen einen künstlerischen Ansatz spüren. Drehen, spiegeln und schwingen – jede Bewegung bildet eine Momentaufnahme, die als Ausgangspunkt für die Muster dient. Mit Schnelligkeit und dem Zufall wird gespielt. Der Boden verwandelt sich bei Atriafloor zur Leinwand, indem die Farbe kreativ und instinktiv auf dem Untergrund verteilt wird. Es entsteht ein expressives Bild, dass dem Boden eine persönliche und individuelle Note verleiht. Der Pinselstrich ist sichtbar und die Fläche wird ein exklusives Einzelstück. Die eigene Handschrift hat ihren persönlichen Duktus – sie kann abgerundet, zackig dynamisch oder filigran sein.
Auf den Spuren der Strukturen
Ein Abdruck hinterlässt die Form eines Objektes. Der Untergrund wird verändert und erhält ein Muster. Diese Technik hat sich Sto zur Hilfe genommen und eine feine, filigrane Oberfläche mittels eines Seiles aufgebrochen. Mit dieser Technik lassen sich geschwungene, Verzierungen wie aus einer Feder zaubern. Ebenso können Bilder von Ornamenten fantasievoll aus der Oberfläche herausgekratzt oder gefräst werden – es entsteht ein lebendiges, ungewöhnliches Design. Beide experimentellen Ansätze geben dem Putz im Innen- und Außenbereich ein außergewöhnliches Aussehen.
Ob futuristisch oder klassisch – 3-D-Oberflächen spielen in allen Stilen eine wichtige Rolle und bilden immer einen Blickfang in der Raumgestaltung. Haptik und Optik überschlagen sich in der räumlichen Darstellung. Ein überdimensionales Stuckelement von AH Stuck aus Ranken und Blumenornamenten verziert den Raum und setzt einen hochwertigen sinnlichen Akzent mit Wow-Effekt. Die Arstyl Wall Tiles von nmc aus Kunststoff setzen durch das vielfältige Farbspiel die Dimension anhand geometrischer Muster poppig in Szene und vereinen Technik mit Design. Auch in der Tapete sind 3-D Elemente zu entdecken. Ein schönes Beispiel ist die Kollektion „Daniel Hechter 4“ von Living Walls. Hier trifft Betonoptik auf bildhafte Geometrie und verbindet sich zu einer kristallinen Oberfläche mit einem Patina-Effekt.
Wie wird die Fassade der Zukunft aussehen und welchen Anforderungen muss sie gerecht werden? Mit dieser Thematik setzten sich Hoch- und Meisterschulen an verschiedenen Stellen auf der FAF 16 auseinander. So beschäftigten sich Studenten der Hochschule für Technik Stuttgart in Kooperation mit dem Berufsbildungszentrum Leonberg im Projekt „Design trifft Funktion“ mit der Gestaltung von dreidimensionalen WDVS-Fassaden. Marietta Scheider von der Hochschule Darmstadt stellte in Kooperation mit der Berufsfachschule für Stuckateure Heilbronn das „schnelle und kostengünstige Bauen“ mittels des „Hanf-Hauses“ dar. Hier entstand ein modulares und erweiterbares Stecksystem aus Hanfdämmplatten.
Zukunftspotenzial des Putzes
Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim betrachtet in ihrem Projekt „rendering/CODES“ unter der Leitung von Prof. Markus Schlegel den Putz der Zukunft. In dem gemeinsamen Forschungsprojekt des Institute International Trendscouting IIT der HAWK und DETAIL research wurde sich mit der Frage „Wo liegt das Zukunftspotenzial des Werkstoffes Putz in der Architektur?“ beschäftigt. Dabei wurde der Werkstoff in einer Vergangenheits- und Gegenwartsbetrachtung ab dem Jahr 1800 genau untersucht. Klar erkennbar war hierbei, dass in den letzten 25 Jahren neue Werkstoffe wie Beton, Kunststoff, Glas und Metall vermehrt den Putz ablösten. Eine Bewegung „weg vom Putz“ war sichtbar. Die Fachgruppe Putz & Dekor im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. stellte sich gemeinsam mit den Experten dem Thema und will das Produkt Putz „neu und zukunftsfähig denken und einstellen“. Wo spielte Putz als Gestaltungselement eine Rolle und wann oder warum wurde er von anderen Baustoffen abgelöst? Aus den gesammelten Informationen zu den vergangenen Strömungen und Trends können Zukunftsszenarien für den Putz der Zukunft entwickelt werden.
Neben dieser Betrachtung stellte das WorkLAB auf der FAF, ein mobiles Workshop-Labor, einen weiteren Fokus der Studie dar. Hier konnten angehende Architekten zukunftsfähige Materialien und Oberflächen testen und Szenarien zu den Themen Lebensmilieu und Lebensumstände, Architektur und Fassade sowie Material und Farbe entwickeln.
Fazit
Die diesjährige FAF war geprägt durch vielfältige Inspirationen für die kreative Arbeit des Malers, Stuckateurs oder Raumausstatters. Mit neuartigen Techniken können verschiedene Ideen, wie die Verbindung von klassischen und neuen Mustern, schneller und einfacher umgesetzt werden. Handwerkliche Experimente mit Strukturen zeigen die eigene Sprache und legen Wert auf den persönlichen Duktus des Malers. Die Wertschätzung des Handwerks rückt in den Vordergrund.

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