Untergründe vor Schäden durch Sprayerattacken schützen

Graffiti entfernen: Diese Möglichkeiten gibt es

Durch illegale Graffiti, also durch die mutwillige Beschädigung von öffentlichem und privatem Eigentum durch Beschmierung, entstehen jährlich Schäden in Millionenhöhe. Wie lassen sich Graffiti schnell und rückstandslos entfernen? Und welche Möglichkeiten gibt es, Untergründe vor Schäden durch Sprayerattacken zu schützen?

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Besonders für Eigentümer von Wohn- und Gewerberäumen in Großstädten ist es keine Seltenheit, dass ihre Hauswände über Nacht durch aufgesprühte Schriftzüge, Bilder oder Namenskürzel „verziert“ werden. Und ist eine Wand erst einmal beschmiert, zieht sie erfahrungsgemäß alsbald Nachahmer an. Zu schneller Beseitigung ist daher geraten.

Erste Hilfe bei einer Sprayattacke

Graffiti entfernen, gilt gemeinhin als aufwendig und kostenintensiv. Eine schnelle und relativ unkomplizierte Lösung, Graffiti schnell zu beseitigen, ist, sie einfach farbtongenau zu überstreichen. Mit einem mobilen Farbmessgerät (z.B. „MF 100“ von Brillux) wird der Farbton der Fassade eingemessen, nachgestellt und ausschließlich die beschmierte Fläche überarbeitet. Das Farbmessgerät berücksichtigt dabei automatisch den Verschmutzungsgrad und die Struktur des Untergrundes wie glatte Metalloberflächen, Feinputz oder groben Putz. Eine Grundierung sorgt für eine optimale Haftung der Schlussbeschichtung und verhindert, dass Graffiti oder Flecken durchschlagen. Mit dem per Spezialsoftware nachgemischten Fassadenfarbton wird das Graffiti schließlich überstrichen.

Doch nicht immer ist das einfache Überstreichen möglich, wie etwa auf Natursteinuntergründen. Dann hilft nur eines: die Graffiti entfernen. Auf dem Markt sind hierfür verschiedene Produkte erhältlich, die auf die jeweiligen Anwendungsgebiete abgestimmt sind.

Graffiti entfernen

Graffitientferner (z.B. „Anti Graffity Reiniger“ von Geiger Chemie, „AGE Abbeizer & Graffiti-Entferner“ von Remmers, „C6 Gel“ von Scheidel) lösen oder unterwandern die aufgesprühten Farben und Lacke, sodass diese anschließend entfernt werden können. Hierfür streicht oder sprüht man, je nach Konsistenz des Entferners, diesen auf die betroffene Fläche und lässt ihn einige Minuten einwirken. Durch Abdecken mit PE-Folie kann die Reaktionszeit des Reinigers gegebenenfalls verlängert bzw. seine Wirkung intensiviert werden. Die Entfernung der gelösten Farbschichten erfolgt in der Regel mit Wasser. Damit darunterliegende Flächen durch die Reinigungsflüssigkeit bzw. die gelösten Farbschichten nicht beschmutzt werden, empfiehlt es sich, diese vor dem Entfernen des Graffitis vorzunässen oder, bei kleinen Flächen, unterhalb der zu entfernenden Farbschmiererei ein weiches Tuch zu halten. Der Auftrag des Entferners als auch die Reinigung sollte immer von unten nach oben erfolgen. Auch wenn die Entfernungsprodukte in der Regel biologisch abbaubar sind, müssen die Abwässer aufgefangen und gemäß den örtlichen Bestimmungen einer Entsorgung bzw. der Schmutzwasserkanalisation zugeführt werden. In den meisten Fällen lösen sich auf gestrichenen Fassaden das Graffiti und die Fassadenfarbe. Ein anschließender Neuanstrich ist auf diesen Untergründen daher meistens unumgänglich.

Graffitischutzbeschichtungen

Um ein Graffiti leichter entfernbar zu machen, kann ein Graffitischutz auf die Oberfläche aufgetragen werden. Grundsätzlich unterscheidet man dauerhafte (permanente) und nicht dauerhafte (temporäre oder semipermanente) Schutzsysteme. Jedes System besitzt Vor- und Nachteile, das passende System sollte aufgrund seiner Eigenschaften auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmt sein.

Bei einem temporären System wird außer dem Graffiti auch die Schutzbeschichtung entfernt. Sie dient als „Opferschicht“. Das System schützt also nur einmalig gegen eine Sprühattacke und muss nach der Graffitientfernung neu aufgebracht werden. Der entscheidende Vorteil temporärer Systeme ist die 100-prozentige Reversibilität. Graffiti können auf diesen Systemen meist ohne Chemiezusatz entfernt werden, da sie sich beim Heißwasser-Hochdruckstrahlen einfach vom Untergrund ablösen. Temporäre Systeme sind lösemittelfrei und hoch wasserdampfdiffusionsfähig. Anwendungsbereiche sind mineralische Untergründe ohne Farbanstrich (wie z.B. Klinker, Ziegel oder Beton) und Natursteine (Marmor, Granit, Sandstein etc.). Einige Beispiele für temporäre Systeme: „Anti Graffity Finish“ von Geiger, „Sikagard-180 TAGS“ von Sika, „SPS 40 Polysaccharid“ von Scheidel.

(Semi-)Permanent

Bei einem semipermanenten System werden die zu schützenden Flächen zunächst mit einer Imprägnierung versehen. Diese verhindert ein tiefes Eindringen von Farben und Lacken in den Untergrund und verbleibt dauerhaft auf diesem. Anschließend wird eine Opferschicht aufgetragen, die beim Entfernen des Graffitis mit entfernt wird. Auch die Reinigung von semipermanent geschützten Flächen erfolgt umweltschonend mit Heißwasser-Hochdruck meist ohne Einsatz von chemischen Graffiti-Entfernern. Semipermanente Systeme eignen sich ideal für Naturstein-Flächen und werden vor allem im Denkmalschutz eingesetzt. Beispiele: „Graffiti Schutz“ von Remmers, „Fluoromer Graffiti-Imprägnierung semi-permanent“ von Scheidel.

Permanente Graffitischutzsysteme (häufig zweikomponentige Beschichtungen) sind für mehrmalige Graffiti-Entfernungen entwickelt worden. Deshalb sind diese Systeme immer dann die erste Wahl, wenn Flächen oft von Sprayern heimgesucht werden. Farbschmierereien können auf permanenten Systemen z.B. mittels Reiniger und saugfähigem Tuch entfernt werden. Entscheidender Vorteil: Die Graffitientfernung kann einfach, kostengünstig und vor allem zeitnah ausgeführt werden. Die aufgebrachte Schutzschicht bleibt erhalten und muss nach der Reinigung nicht erneuert werden. Fassaden mit Dispersions- oder Silikonharzfarbanstichen oder lackierte Flächen können mit permanenten Sytemen effektiv vor Sprühattacken geschützt werden, weil ein Durchschlagen von Graffitisprühlacken vollständig ausgeschlossen werden kann. Die darunterliegende Farb- oder Lackschicht bleibt unbeschädigt. Bei entsprechender Wasserdampfdurchlässigkeit der Schutzsysteme ist ihr Einsatz auch auf WDVS möglich. Beispiele für permanente Systeme: „Anti Graffity Schutzlack“ von Geiger Chemie, „MC-Color Flair vision“ und „MC-Color Proof vision“ von MC Bauchemie, „Eposilan Plus 2K-Schutzlack“ und „Hydro PUR Silan 2K-Schutzlack“ von Scheidel.

Gelungene Kombination

Relativ neu ist die Kombination von Hydrophobierung und Graffitischutz in einem Produkt. Da das Aufbringen einer wässrigen trennschichtbildenden Imprägnierung zur Graffitiprophylaxe auf einer Hydrophobierung aufgrund mangelnder Saugfähigkeit nicht möglich ist, haben sich Hydrophobierung und permanenter Graffitischutz bislang ausgeschlossen. Scheidel hat mit „HydroGraff“ ein Produkt entwickelt, das diese Lücke schließt.

Weitere Informationen zum Thema:

Fachgerechte Ausschreibungen für Anti-Graffiti-Leistungen


PraxisPlus

Antigraffiti

Weitere Informationen zu den
genannten Produkten:

www.brillux.de
www.geiger-chemie.de
www.mc-bauchemie.de
www.remmers.de
www.scheidel.com
www.sika.com