Allgemein

Nachwachsende Dämmung

Guido Kuphal ist seit dem 1. Juli 2013 als Geschäftsführer Marketing, Produktmanagement und Technik für Caparol tätig. Als Innovation aus diesem Bereich wurde auf der Messe BAU 2015 in München das neue Hanf-Fassadendämmsystem Capatect Natur+ zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das Malerblatt traf sich mit ihm vor Ort zum Interview.

Herr Kuphal, wann wurde die Idee zur Hanfdämmung bei Caparol geboren?

Die Idee für eine ökologische Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen ist bei uns schon sehr alt. Bereits seit dem Jahr 2001 werden von unserer Marke Inthermo Holzfaserdämmung WDVS für den Holzbau verkauft. Hier konnten wir uns eine marktführende Position erarbeiten. Parallel dazu realisiert unser Schwesterunternehmen Synthesa schon seit zehn Jahren in Österreich Gebäude mit Hanf- dämmung WDVS.
Warum hat es so lange gedauert, das Produkt auf den deutschen Markt zu bringen? Gab es Qualitätsprobleme?
Nein, die Qualität war schon immer sehr gut. Wir haben lange daran gearbeitet, bis wir einen Hersteller für die Hanfdämmplatten gefunden haben, der ausreichende Mengen zur Verfügung stellen kann. Das ist uns im letzten Jahr durch die Partnerschaft zu dem Dämmstoffhersteller Naporo aus Österreich, an dem wir uns beteiligt haben, gelungen. Damit haben wir nun die Dämmstoffherstellung in unserer Hand, sodass wir nun unseren Kunden ein hochwertiges Produkt in ausreichender Menge mit gleichbleibend guten Qualitätseigenschaften zusichern können.
Wie bewähren sich die nachwachsenden Dämmstoffe im Langzeitversuch?
Die über zehn Jahre alten mit Hanf gedämmten Häuser in Österreich befinden sich in einem sehr guten Zustand. Im Bereich Holzfaser werden mittlerweile von der gesamten Branche jährlich mehr als 20.000 Häuser mit Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen gedämmt. Wir haben in diesem Zusammenhang in der Branche das größte Know-how, was die Konzeption der Details und die Verarbeitung selbst anbelangt.
Welchen Marktanteil streben Sie mit dem neuen Hanfdämmsystem intern an? Wenn ich noch einmal kurz auf die Historie eingehen darf. Wir haben mit der Holzfaser selbst Markt gemacht. Als wir im Jahr 2001 in diesen Markt ein- gestiegen sind, gab es quasi kein WDVS in diesem Bereich. Wir haben also einen neuen Markt entwickelt. Das Gleiche hat die Synthesa in Österreich mit dem Thema Hanf gemacht. Ähnliches haben wir nun mit dem Hanf-WDVS im Mauerwerksbau in Deutschland vor. Wir streben mittelfristig ein Ziel von mindestens zehn Prozent unserer heutigen Dämmstoffmengen an.
Und welches Potenzial bietet der Markt insgesamt? Für Hanfdämmung kommen vor allem die Besitzer von Ein- bis Zweifamilienhäuser infrage. Da gibt es unterschiedliche Käuferschichten. Es gibt die Wohlhabenden, die sich für die Umwelt engagieren wollen und ein ökologisches Gewissen haben, die sogenannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), die Wert auf Gesundheit und Nachhaltigkeit legen; auf die zielen wir zunächst einmal ab.
Welche Rolle spielt der Architekt in Ihren Überlegungen? Bei Architekten laufen wir mit dem Thema Hanf offene Türen ein, denn auch diese sehen sich dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet. Wir, als Systemhersteller, unterstützen den Architekten bei der Ausschreibung und liefern Ideen für die Gestaltung der Fassade. In unseren bisherigen Gesprächen haben Architekten gesagt, dass ihnen das Thema Hanf die Chance gibt, in einer anderen Form über Wärme-dämmung zu sprechen, als das in der Vergangenheit mit den klassischen Materialien möglich war.
Stichwort „richtige Ausführung“. Bieten Sie Hanfseminare für Handwerker an? Wir werden die Handwerker, die das Hanf-WDVS ausführen, speziell schulen. Konkrete Termine hierzu werden wir kurzfristig bekannt geben. Wir haben uns vorgenommen, dass wir vor allem in der Einführungsphase jedes Bauvorhaben selbst technisch begleiten wollen.
Hanfdämmung – das klingt doch irgendwie exotisch. Wie haben Sie das Projekt intern durchgesetzt? Das ist immer eine Teamleistung. Wir glauben fest daran, dass wir neue Antworten im Bereich der Wärmedämmung brauchen. Wir haben genügend Menschen in unserer Firma persönlich hinter diesem neuen Projekt stehen. Es bedarf eines Teams aus Überzeugungstätern, die an das Thema glauben. Nicht zuletzt gehört auch unser Firmeninhaber, Dr. Ralf Murjahn, dazu. Er hat großes Interesse an ökologischen Themen. Ohne ihn wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.
Was ist mit dem Fachhandel? Den müssen Sie ja auch noch von dem Produkt überzeugen. Der Fachhandel ist die leidige Diskussion, die von den Medien aktuell über das Thema WDVS geführt wird, auch satt. Er fiebert genauso nach Lösungen und nach neuen Themen wie die Industrie selbst. Mit der Hanfdämmung bieten wir dem Handel ebenfalls neue Perspektiven. Er gehört fest in unsere Leistungskette bis zum Handwerker. Damit ist er natürlich integraler Bestandteil des Projektes.
Wie wird man künftig über Wärme-dämmung sprechen, und wie positionieren Sie sich mit WDVS in der Öffentlichkeit? Wir sind davon überzeugt, dass wir als Branche in Sachen WDVS in der Vergangenheit zu technisch argumentiert haben. Wir werden uns diesbezüglich neu positionieren, insbesondere in der Frage, wie wir über Wärmedämmung sprechen. Mir ist es ein Herzensanliegen, dass wir es schaffen, über die Verschönerung und Individualisierung von Gebäuden das Thema Wärmedämmung so zu platzieren, dass der Hausbesitzer eine Sanierung nicht mehr als Last empfindet, die ihm – von wem auch immer – vorgeschrieben wird, sondern, dass er in Zukunft eine Lust verspürt, sein Haus zu verschönern: „Ich möchte investieren, ich möchte mein Haus so schön machen, damit ich mich darin wohlfühle“, sollte in Zukunft sein Credo sein. Wenn wir das schaffen, dadurch dass wir ihm neue Designs liefern und tolle Fassadengestaltungen bieten, dann verkaufen wir automatisch das Thema Wärmedämmung mit. Wir wollen also in Zukunft gegenüber dem Endkunden viel weniger über technische Eigenschaften oder die Wirtschaftlichkeit von WDVS sprechen, auch wenn beides aus unserer Sicht nicht infrage gestellt wird. Vielmehr müssen die persönliche, individuelle Gestaltung und Ausdrucksmöglichkeit sowie Aspekte wie Wohlbefinden und CO2-Einsparung im Fokus stehen. Lassen Sie sich überraschen.
Sie legen hier auf der Messe den Schwerpunkt auf Fassadengestaltung? Ja, genau. Wir wollen zeigen, was in Sachen Design möglich ist. Unser Ziel ist es, den Architekten, Handwerkern und Endkunden viel stärker als in der Vergangenheit zu demonstrieren, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich mit Wärmedämmung bieten. Der Endkunde kann damit sein Haus in sein persönliches Wunschhaus verwandeln und dadurch seiner Persönlichkeit Ausdruck verleihen.
Der Trend geht also hin in Richtung Individualisierung? Für uns gehört es selbstverständlich zur Pflicht, dass wir technisch funktionierende Produkte liefern. Das steckt in den Genen von Caparol, ebenso wie in den Genen der Gründer- und Inhaberfamilie Murjahn. Als Kür werden wir uns jetzt der Gestaltung und Individualisierung von Gebäuden widmen, damit der Bauherr sich am Ende in der Reihenhaussiedlung nicht verirrt, wenn er mal ein Glas zu viel Hanfbier getrunken hat.
Herr Kuphal, herzlichen Dank für das Gespräch.

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