Allgemein

Sicher saniert

Mit der Schimmelsanierung eröffnet sich ein neuer Markt für alle, die ein weiteres Geschäftsfeld eröffnen wollen. Damit ist es jedoch nicht getan. Das not- wendige Fachwissen ist Voraussetzung für den Erfolg.

Olaf Janotte, Anwendungstechniker Baumit

Auch – oder gerade – bei der Schimmelsanierung ist es wie überall: Von nichts kommt nichts. Die Verwendung von hervorragenden Materialien bedeutet nicht automatisch, dass eine Sanierung im Schimmelbereich auch das gewünschte Ergebnis liefert. So wie bei allen Dingen kommt es auch hier auf das notwendige Fachwissen an, damit aus dem Versuch einer Schimmelsanierung nicht nur eine kurzfristige Kosmetik wird. Calciumsilicatplatten können durch ihr sehr gutes Saugverhalten Feuchtigkeit sowohl von der Oberfläche als auch vom Untergrund schnell und in hohen Mengen aufnehmen. Nachdem Schimmel zum Überleben unbedingt Feuchtigkeit benötigt, ist die Platte somit in der Lage, die Wuchsbedingungen zu unterbinden, sodass allein durch den Einsatz dieser Platte eine Sanierung erfolgreich werden kann. Da sich Sporen aufgrund ihrer Feinheit sehr gut in den Räumlichkeiten verteilen können, sollte von vornherein darauf geachtet werden, einen übermäßigen Sporenflug zu unterbinden. Dies lässt sich z.B. durch Abkleben mit Folien, Einstreichen mit Dispersionsfarben oder einem Tiefengrund oder wenigstens durch das Befeuchten der Wände mit Wasser erreichen. Ein nasser Untergrund ist nicht in der Lage, seine Sporen abzugeben, sodass hier eine kostengünstige Möglichkeit gegeben ist, Sporenflug zu verhindern.
Bei der Schimmelsanierung ist es unumgänglich, zumindest die befallene Oberfläche zu entfernen. Liegt die Feuchtigkeitsquelle nicht an der Oberfläche (Kondensation), sondern wird z.B. durch ein defektes Fallrohr im Außenbereich verursacht, besteht die Möglichkeit, dass der Putz auf der gesamten Dicke befallen ist. Hier muss er vollständig entfernt werden.
Bei der Anbringung der Calciumsilicatplatten ist auf eine möglichst hohlraumfreie Verklebung zu achten. Der dafür verwendete Putz (hier Baumit AS 2 in 1 Putz) wird dazu in einer schlanken Konsistenz aufgebracht und mit einer Zahntraufel (10 bis 12 Millimeter Zahnung) durchgekämmt. Die schlanke Konsistenz lässt ein Ausgleichen der Fläche nicht zu. Aus diesem Grund ist vorher zu überprüfen, ob die Flächen ausreichend ebenflächig und damit direkt beschichtbar sind. Ist dies nicht der Fall, muss zuvor ausgeglichen werden. Bei der Verklebung der Platten sind auch die Stöße vollständig mit dem Putz zu schließen, um auch hier keine Kondensation zuzulassen. Auch kleinere Hohlräume im Untergrund können immer als Tauwasserfalle dienen, in denen sich Schimmel anlagert. Aus diesem Grund dürfen die Platten nicht nur als günstige Möglichkeit gesehen werden, gleichzeitig mit der Sanierung auch Unregelmäßigkeiten im Untergrund, wie es z.B. ein unverschlossener Elektroschlitz oder eine Steckdose darstellen kann, zu überbrücken. Erst eine saubere Vorarbeit kann Schäden verhindern. Auch wenn Calciumsilicatplatten zum Teil keine außergewöhnlich guten Dämmeigenschaften haben, wirken sie immer als leichte Innendämmung. Aus diesem Grund muss im Vorfeld geprüft werden, inwieweit die Belegung der Außenwände bauphysikalische Probleme nach sich ziehen kann. Bei der Planung sollte deshalb unbedingt der Wärmebrückenkatalog beachtet werden, um einbindende Wände, Fußboden und Decke nötigenfalls in die Sanierung mit einzubeziehen. Wird dies nicht, oder im nicht ausreichenden Maße gemacht, zeichnet sich an vormals unbelasteten Flächen Schimmel ab. Heizungsnischen, die evtl. aus „Bequemlichkeitsgründen“ nicht in die Sanierung mit einbezogen werden, sind nachträglich massiv schimmelgefährdet. Auch das Fenster bzw. die Fensterleibung werden oftmals nicht ausreichend beachtet. Wenn aufgrund des verbleibend geringen Abstandes zwischen Leibung und Fensterflügel das Einstellen einer Calciumsilicatplatte nicht möglich ist, belässt man oftmals diesen Bereich, weil man das Abstemmen des Putzes in der Leibung scheut. Nachträgliche Schäden zeigen aber deutlich, dass sich dieser Aufwand doch gelohnt hätte. Wird eine Leibungsplatte verwendet, wird aus optischen Gründen oftmals eine Siliconfuge zwischen der Platte und dem Fensterrahmen eingebracht. Hier hat der Schimmel wieder optimale Möglichkeiten, um auf diesen Flächen zu wachsen. Aus diesem Grund muss man sich im Vorfeld bereits über die bauphysikalischen Probleme bei der Sanierung im Klaren sein, um durch entsprechende Vorarbeiten ein kontinuierliches Arbeiten bei der Verklebung der Calciumsilicatplatten zu ermöglichen. Bei der Entwicklung dieser Calciumsilicatplatten wurde bewusst ein kompakter Aufbau gewählt. Damit wird nicht nur die Gefahr von Kondensatproblemen aufgrund der höheren Wärmeleitung der Platten reduziert, sondern auch die Handhabbarkeit und die Verarbeitung verbessert. Da die Platten in sich stabil sind, lassen sie sich sehr leicht transportieren, ohne ständiges Brechen der Platten. Sind die Calciumsilicatplatten verklebt und evtl. vorhandene Stöße im Platten-Wand-Bereich beigeschliffen, können die Flächen mit einer Grundierung versehen werden, die ein Verputzen ermöglicht. Hier sollte darauf geachtet werden, welche Materialien und welche Verarbeitungsweise der Hersteller freigibt, da hier Unterschiede bei den jeweiligen Systemen auftreten. Sowohl Armierungsspachtelungen mit Oberputz als auch nur eine Oberputzlage findet man im Angebot. Die Plattenbeschichtung muss auf das gesamte System abgestimmt sein. Je nach Kundenwunsch kann zwischen gefilzten oder geglätteten Oberflächen ausgewählt werden, sodass nahe- zu sämtlichen Gestaltungswünschen Rechnung getragen werden kann. Ein Tapezieren der Fläche sollte möglichst vermieden werden. Ist dies aber unbedingt gewünscht, sollte darauf geachtet werden, dass die Tapezierarbeiten erst nach völliger Austrocknung der Konstruktion ausgeführt werden. Tapeten dürfen die Dampfdurchlässigkeit nicht verhindern, sodass Glasfasertapeten oder Ähnliches nicht verwendet werden sollten. Als Grundlage für die Schimmelsanierung dient die „Handlungsanleitung Gesundheitsgefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ der BG-Bau, die im Rahmen der BG-Information (BGI 858) erschienen ist.

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Literatur zum Thema:
Wärmebrückenkatalog für Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen zur Vermeidung von Schimmelpilzen. Bauforschung für die Praxis 74. Von H. Stiegel, G. Hauser. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart; € 35.
Gesundheitsgefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung. Die Handlungsanleitung wurde aufgenommen in das Berufsgenossenschaftliche Vorschriften- und Regelwerk für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit unter der Nr. BGI 858. BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, München. Tel.: (089) 8897-02 praev-m-t@bgbau.de www.bgbau.de
Ergänzend bietet Baumit den Leit- faden „6 Schritte zur fachgerechten Schimmelbeseitigung“ an. www.baumit.de

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