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Spannende Entwicklung

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Spannende Entwicklung

Der Linzer Unternehmer und Malermeister Otto Hirsch ist ein Visionär. Er bewies, dass ein Malerbetrieb ganz außergewöhnliche Wege beschreiten und im harten Wettbewerb erstaunlich wachsen kann.

Ulrich Schweizer

Auch in der heutigen Zeit ist es noch möglich, unglaubliche Erfolge zu erzielen. Und dazu benötigt man noch nicht einmal andere Startbedingungen als der Wettbewerb – nur bessere Ideen. Banal hört sich das an, zugegeben, und es ist auch schnell geschrieben. Was aber alles dahinter steckt, das ist beim Erfolgsunternehmer und Malermeister Otto Hirsch im österreichischen Leonding bei Linz zu erfahren. Das Malerblatt hatte Gelegenheit, Otto Hirsch einen kompletten Tag lang zu begleiten. Aber zuerst noch einen kurzen Rückblick: Dass Otto Hirsch anders ist als die andern, das wurde schon im Frühjahr 2008 klar, als sich die Jury des Deutschen Marketingpreises für Maler und Stuckateure, Horizonte 21, mit seinen zum Wettbewerb eingereichten Unterlagen befasste. Das Konzept, das nicht nur auf dem Papier zu bewundern war, sondern auch bereits erfolgreich umgesetzt wurde, begeisterte spontan. Und deshalb kam der österreichische Unternehmer auf Platz eins des von Brillux ausgelobten Wettbewerbs.
Internationale Strategie
Im Malerblatt 6/2008 war auf Seite 56 aus der Begründung Folgendes zu lesen: „Der 1892 gegründete Malerbetrieb verfolgte eine internationale Expansionsstrategie und beeindruckte die Jury mit einem ausgefeilten Konzept für die Bearbeitung der „Baustelle Europa.“ Gemeint war hier vor allen Dingen Osteuropa: „Mit dem gezielten Aufbau lokaler Netzwerke im osteuropäischen Ausland hat sich die Malerwerkstätte Otto Hirsch den Weg für neue Projekte geebnet – und nutzt so die Chancen auf den sich international öffnenden Märkten.“ Zitiert wurde der außergewöhnliche Malermeister ebenfalls in besagtem Malerblatt: „Unternehmer sein heißt für mich, sich jeden Tag aufs Neue den wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Herausforderungen zu stellen.“ Kein philosophischer Satz ist das, sondern schlicht und einfach die Zusammenfassung dessen, was Otto Hirsch im Alltag umsetzt.
Optimierte Organisation
„Das Allerwichtigste ist die Terminplanung und die Kommunikation mit den Führungskräften.“ Was das jedoch für Otto Hirsch bedeutet, das dämmert jedem, der einen Blick in den Kalender werfen darf. An einem einzigen Tag hieß das Programm Prag – Warschau – Kattowitz. Nicht um eine „schöne Rundreise“ ging es, sondern um wichtige Besprechungen mit seinen Mitarbeitern in den von ihm aufgebauten Niederlassungen. Inzwischen baute er Standorte in Polen, Tschechien, Rumänien, Ungarn, Kroatien, in der Ukraine und in Russland auf, ohne blauäugig zu sein. Wenn er an einem Standort nicht den erwünschten Erfolg hat oder wenn ein Großprojekt abgeschlossen ist, zu dessen Betreuung vor Ort die Niederlassung gegründet wurde, dann wird eine Niederlassung durchaus auch wieder zugemacht. Eitelkeit kennt Otto Hirsch nicht, sondern nur Offenheit und Ehrlichkeit – auch sich selber gegenüber.
Akribische Planung
Nein, „Billigarbeiten“ werden von den Malerwerkstätten Otto Hirsch nicht ausgeführt, auch wenn manch einer das durch die „Ost-Orientierung“ meinen könnte. Das Gegenteil ist der Fall: „Früher dachte ich auch, wir holen uns im östlichen Ausland billige Subunternehmer. Aber es lief alles anders und mir wurde klar, dass wir damit selber die ganze Preisspirale noch weiter nach unten bringen.“ Für den kreativen Malermeister muss alles stimmen, auch die angemessene Bezahlung seiner Mitarbeiter: „Wir wollen, dass die Mitarbeiter lange bleiben.“ Um sein Führungsteam dauerhaft zu motivieren, bekommen die Geschäftsführer der neu gegründeten Niederlassungen einen Anteil von zehn Prozent. Entwickelt sich das Unternehmen gut, können die Geschäftsführer sich noch bis zu 14 Prozent dazu kaufen. Läuft es weiter bestens und werden Tochtergesellschaften gegründet, dann kann der Chef der Niederlassung seine Anteile bis auf 48 Prozent erhöhen. Otto Hirsch weiß auch, welche Auftragsgrößen für seine Unternehmens-Struktur die besten sind: „Die ideale Größenordnung für uns sind Aufträge mit Umsätzen von 40.000 bis 120.000 Euro, nicht größer.“ Durch den offenen Umgang mit Zahlen und durch die Einbindung seiner Mitarbeiter in Kalkulationen und Kostenentwicklungen herrscht immer eine Transparenz, allgemein und vor allem auch mit Blick auf die einzelne Baustelle: „Wir besprechen und diskutieren das offen, vor allen Mitarbeitern. Und wenn wir bei einem Objekt nicht sicher sind, dass wir Geld daran verdienen, machen wir sofort Rückstellungen dafür.“ Die Atmosphäre bei Gesprächen am großen Tisch in der Zentrale in Leonding könnte nicht angenehmer sein. Begleitet werden die Informationsrunden oft von einem externen Unternehmens- und Steuer-Experten, der das Geschehen durch die Brille des Außenstehenden betrachtet und manches anders wertet als die Insider.
Soziales Engagement
Nicht nur für sein Unternehmen engagiert sich Otto Hirsch. Viel Herzblut fließt in soziale Projekte: „Ich bin davon absolut überzeugt, dass jeder im Leben Eigenschaften mit auf den Weg bekommt, die es gilt, auch für andere zur Verfügung zu stellen.“ Der Linzer Malermeister initiiert regelmäßig soziale Projekte. In Rumänien startete er Anfang der 90er-Jahre eine Aktion für ein Kinderdorf für behinderte Kinder. Otto Hirsch hat auch einen guten Draht zu Politikern und zu anderen Menschen, die ihm helfen können, ein Hilfsprojekt nach vorne zu bringen. Er suchte beispielsweise auch Mitstreiter, um in Kroatien ein 2,8-Millionen-Euro-Projekt zu realisieren – ebenfalls ein Dorf für behinderte Kinder. Alle paar Monate reist Otto Hirsch nach Afrika, wo er direkt vor Ort hilft und die Menschen unterstützt: „Ich gebe da nur Hilfe zur Selbsthilfe und schaue, dass die Projekte nicht stillstehen.“ Insgesamt würden die reichen Länder viel zu wenig Hilfe leisten. Otto Hirsch äußert seine Meinung hierzu provokativ: „Jedes Kind, das verhungert, ist ein Tod, den wir verantworten müssen.“ Er realisiert nach jeder Hilfsaktion, wie gut es uns in Europa geht: „Wenn man eine Woche in den Slums unterwegs war, ist man sehr dankbar, dass man selber mit seinen Kindern in Österreich leben darf.“ Bei all seinen sozialen Aktivitäten weiß Otto Hirsch, dass sein Engagement in diesem Umfang nur möglich ist, wenn sein Betrieb rund läuft: „Mir ist durchaus bewusst, wenn ich mit dem Unternehmen nicht mehr erfolgreich bin, dann kann ich mir die Sache nicht mehr leisten.“
Offene Kommunikation
Um Kunden, Mitarbeiter und Freunde des Hauses regelmäßig zu informieren, was in der Hirsch-Unternehmensgruppe oder auch was bei den sozialen Engagements läuft, gibt Otto Hirsch eine Hauszeitung heraus, „hirsch & jetzt“. Ein weiteres wichtiges Kommunikations-Instrument ist die Homepage www.malerei-hirsch.com, die in verschiedenen Sprachen bereitsteht und so auch die Kommunikation in denjenigen Ländern ermöglicht, in denen eine Hirsch-Niederlassung sitzt. Auch außerhalb der Zeitung und der Website ist Otto Hirsch vor allem eines: ein in dieser Disziplin nicht zu schlagender Kommunikator. Sein Büro ist immer für jeden offen – und sogar strategische Sitzungen darf ein Mitarbeiter jederzeit „stören“, wenn er kurz eine Information oder eine Entscheidung vom Chef braucht.
Der Kommunikation dienen ebenfalls die „Altenburger Begegnungen“, eine Veranstaltung, die von Otto Hirsch und Partnern initiiert wird. Hochkarätige Referenten halten hochkarätige Vorträge – so kann die Veranstaltung im Stift Altenburg am besten beschrieben werden. Im letzten Herbst ging es um „Ökosoziale Marktwirtschaft. Chancen, Grenzen und Gefahren?“
ARGE „Die Maler“
Es versteht sich bei einem Menschen wie Otto Hirsch von selbst, dass er auch andere offene Menschen sucht und natürlich auch findet. Innerhalb der Linzer Malerbranche fanden sich noch andere Unternehmer, die den Begriff „Wettbewerb“ nicht mehr als „Selbstzerstörung“ verstehen. Freilich tritt man auf dem Markt gegeneinander an und buhlt auch täglich um dieselben Objekte – Großprojekte werden jedoch gemeinsam kalkuliert und am Markt angeboten – ganz einfach als Ges.b.R, Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Die allesamt zukunftsorientierten Manager schlossen sich zur Arbeitsgemeinschaft „Die Maler“ – Ges.b.R. zusammen. Und wer einmal bei einem der 14-täglichen Treffen dieser insgesamt vier namhaften Malerbetriebe dabei sein konnte, der saß mit soooooooo großen Augen und Ohren mit am Tisch. Mehr Offenheit geht nicht, auch wenn die mal „schmerzen“ sollte. Die ARGE „Die Maler“ formulierte für sich Ziele und Absichten, füllte diese auch mit Leben, so dass ihre Mitglieder einen Vorsprung erreichen können, wenn sie gegen die anderen oberösterreichischen Malerbetriebe antreten. „Wir lernen miteinander und voneinander. Und die sich ergebenden Synergien wirken sich zuverlässig beim Ergebnis aus.“ Otto Hirsch erzählt von diesem „Experiment“, das zuerst ein Versuch gewesen sei, ob und wie gut man zusammenarbeiten könne – der Test endete rundum positiv. Wichtig war, dass alle Beteiligten wirtschaftlich gesund sind. Um das zu beweisen, ließ sich jedes der vier Unternehmen von einem Wirtschaftsprüfer durchleuchten. Die ARGE hat insgesamt einen Pool mit rund 400 Mitarbeitern und kann somit auch Großaufträge termingetreu abwickeln oder sich gegenseitig unterstützen.
Qualitätsmaler
Die so genannten „OÖ Qualitätsmaler“, also „die Besten der Besten“, wie sie sich selbstbewusst nennen, sind ein Zusammenschluss von Malerbetrieben, die sich bestimmten Qualitätsvorgaben verpflichten und die harten Prüfkriterien erfüllen. Wichtige Themen sind beispielsweise die Aus- und Weiterbildung der Lehrlinge und weitere Qualifizierungs-Aktivitäten wie beispielsweise ein Vortrag über Farbe und Licht von Johannes Klinger. Vorträge halten auch einzelne Mitglieder für die andern. Otto Hirsch referierte zum Beispiel auf Einladung der Oberbank in Linz gerade zu Beginn der Bankenkrise über seine Strategien und Philosophien. Er betonte, dass es für ihn immer eine spannende Geschichte sei, wie sich sein Unternehmen und auch die gesamte Gesellschaft entwickelt. Nachdenklich kommentierte er die Wirtschaftslage: „Ich glaube, dass wir ganz knapp am Scheitern der Marktwirtschaft vorbei geschrammt sind.“ Würden die Unternehmen weltweit so innovativ agieren, so professionell planen und kontrollieren und dazu so sehr an sozial Benachteiligte denken wie Otto Hirsch, müsste keinem um unser Wirtschaftssystem bange sein.
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