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Azubis hautnah

Aus- & Weiterbildung
Azubis hautnah

Was ich liebe und was ich hasse.

Lisa Gleichauf

Was glauben Sie, was Ihr Lehrling antwortet, wenn er nach seiner Ausbildung gefragt wird? Nein, natürlich nicht, wenn Sie als Chef fragen. Wenn ihn ein Freund oder ein Fremder fragt!
Wird er mit Wohlwollen reagieren? Werden seine Augen glücklich strahlen? Oder wird er eher abgeneigt das Gesicht verziehen und mit einem niederschmetternden Kommentar wie “Nie was Schlimmeres gemacht“ antworten?
Bei einem unangekündigten Besuch an einer Berufsschule in Süddeutschland wurden einige Maler- und Lackierer-Azubis verschiedener Lehrjahre interviewt. Ganz plump hat man sie bezüglich ihrer Ausbildung aufgefordert, in kürzester Zeit ein Statement zu der Frage „Was ich liebe und was ich hasse“ zu beantworten.
So blieb keine Zeit für lang erfundene Unwahrheiten!
Was ich liebe.
Gestalterische Abklebetechniken.
Nikolas T., 25, Backnang
Kundenbesuche.
Vicky D., 19, Backnang
Lackieren und Gerüstbauen.
Kai S., 18, Wendlingen
Mit Farben arbeiten und Räume gestalten.
Emre E., 20, Welzheim
Lasurtechniken.
Sedat T., 21, Waiblingen
Telefonanrufe entgegen nehmen.
Sabrina W., 18, Backnang
Spaß bei der Arbeit.
Assad E., 18, Walzbachtal
Streichen, spachteln und tapezieren.
Daniel S., 18, Murrhardt
Was ich hasse.
Im Team arbeiten .
Nikolas T., 25, Backnang
Draußen arbeiten.
Jasmin K., 18, Endersbach
Für andere Pinsel auswaschen.
Emre E., 20, Welzheim
Abkleben und spachteln.
Maria I., 20, Urbach
Der Geruch von Lösemittel.
Assad E., 18, Walzbachtal
Dispersionsbecken putzen.
Daniel S., 18, Murrhardt
Interessant!? Die eine liebt es, Telefonanrufe entgegen zu nehmen, der andere hasst es, im Team zu arbeiten! Bedenklich?
Bei einem darauf folgenden ausführlicheren Interview hatten die Azubis mehr Zeit, mussten aber auch mehr Fragen beantworten.
Was gefällt dir am besten an der Ausbildung?
Man kann so kreativ sein und Räume oder Objekte instand setzen und verschönern.
Sedat T., 21, Waiblingen
Dass ich einen sehr guten Lehrbetrieb habe und übernommen werde.
Emre E., 20, Welzheim
Sie macht Spaß und man kann viel Gelerntes ins Alltägliche umsetzten.
Assad E., 18, Walzbachtal
Die Teamarbeit. Man lernt so viele verschiedene Dinge, ist drinnen und draußen und hat Spaß bei der Arbeit.
Sabrina W., 18, Backnang
Ich finde die Ausbildung ist der Hammer. Ich liebe das Kreative und die Baustellen.
Marcel B., 19, Göppingen
Bei solchen Bilderbuchantworten könnte einem doch spontan das Wort „Traumberuf“ einfallen!
Die Jugend scheint sehr positiv gestimmt zu sein.
Jedoch… abwarten heißt die Devise!
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Die Ausbildung beenden und einen guten Job finden.
Marcel B., 19, Göppingen
Ich möchte auf jeden Fall Maler- meister werden.
Sedat T., 21, Waiblingen
Selbstständig arbeiten. Meinen Meisterbrief mit guten Noten zu absolvieren.
Emre E., 20, Welzheim
Meisterin werden.
Sabrina W., 18, Backnang
Einen reichen Mann heiraten!
Maria I., 20, Urbach
Wenn man hier ein Fazit ziehen würde, dann wäre dieses wohl durchweg positiv. Die meisten haben vor, im Malerhandwerk zu bleiben. Manche möchten den Meisterbrief machen, andere wollen reiche Männer heiraten – auch keine schlechte Idee! Doch wie war das mit dem Abwarten nochmal?
Bei der nächsten Frage sollten die Auszubildenden einen weiten Blick in die Zukunft werfen.
Angenommen, du blickst als Rentner auf dein Leben zurück, was hättest du in deinem Leben gerne erreicht und erlebt?
Ich habe meine Ausbildung geschafft, vielen Kunden gezeigt was ich kann und dass ich meine Arbeit immer gut gemacht habe.
Marcel B., 19, Göppingen
Ein Haus in Griechenland. Dort wäre ich Barkeeperin geworden, hätte eine schöne Familie gegründet und ein bisschen mehr Geld verdient als jetzt.
Vicky D., 19, Backnang
Mein Meisterbrief hängt an der Wand und ich habe einen eigenen Betrieb gehabt, in dem meine Gesellen und Azubis weiterarbeiten, während mein Sohn ihn als Geschäftsführer leitet.
Emre E., 20, Welzheim
Ich hätte ein Haus und ein Auto und wäre Schlosser geworden.
Kai S., 18, Wendlingen
Ich habe schon Enkelkinder. Habe Jamaika bereist. Von Beruf war ich Lkw-Fahrer, bin jetzt in Rente und besitze einen eigenen großen Lkw. Nun werde ich mit meiner Frau alt.
Patrick K., 21, Neustadt
Ich hätte gerne Abitur gemacht und studiert, um damit einen besseren Job zu bekommen.
Maria I., 20, Urbach
Ich wäre ein Fußballstar geworden.
Daniel S., 18, Murrhardt
Naja, hier wären nur noch zwei Kandidaten, welche eindeutig auch zukünftig Maler bleiben wollen. Aber wer würde bei dieser Frage auch nicht ins Träumen verfallen?
Jedoch, aller anfänglicher Euphorie zum Trotz, bei folgender Frage trennte sich die Spreu vom Weizen:
Wenn du dich nochmal entscheiden könntest, würdest du wieder eine Ausbildung als Maler/in- und Lackierer/in beginnen?
Ja.
Daniel S., 18, Murrhardt
Nein, ich hätte etwas anderes gemacht.
Maria I., 20, Urbach
Ja, wieso nicht.
Sabrina W., 18, Backnang
Dann aber als Lackierer.
Patrick K., 21, Neustadt
Nein, ich würde lieber Schlosser werden .
Kai S., 18, Wendlingen
Ich würde studieren und Architekt werden.
Sedat T., 21, Waiblingen
Nein, ich würde etwas anderes ausprobieren.
Vicky D., 19, Backnang
Vernichtenderweise beantworteten wieder nur zwei unserer Branchenküken diese Frage eindeutig mit „Ja!“.
Trotz allem ist das Fazit der Bildungsmentalität der „Kleinen“ nicht pauschal pessimistisch zu betrachten. Die meisten sind sehr zufrieden und erkennen bereits in diesen jungen Jahren, wie vielseitig der Beruf des Malers ist. Ausbildende Betriebe sollten sich diese Aussagen jedoch zu Herzen nehmen. Wer will denn schon drei lange Lehrjahre lang nur schleifen, abkleben und leidige Dispersionsbecken putzen? Ist es nicht menschlich, ständig von einem „besseren Leben“ mit mehr Geld, vielfältigeren Arbeiten und herausfordernden Aufgaben zu träumen? Klar sind Auszubildende Neulinge, die nicht umsonst Lehrlinge genannt werden. Doch auch sie haben es verdient, dass man ihnen ab und zu verantwortungsbewusste und schöne Arbeiten zuteilt. Sie sind unsere Zukunft! Ein guter und motivierter Mitarbeiterstamm ist genauso wichtig wie immer wieder an der Optimierung von betriebswirtschaftlichen Systemen zu arbeiten. Von unten nach oben geht die Karriereleiter – helfen wir unseren Azubis dabei, diese zu besteigen, um irgendwann in den Genuss zu kommen, unseren „goldenen Boden“ betreten zu dürfen!
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