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Dämmaspekte: Dämmen von Geschossdecken

Teil 7
Dämmaspekte: Dämmen von Geschossdecken

Teil 7: Um Heizkosten zu sparen, bietet sich bei der Altbausanierung häufig die Dämmung der obersten Geschossdecke und der Kellerdecke an.

Hanne Paschko, Ipeg-Institut

Eine hohe Einsparung der Wärmekosten wird durch die Verkleinerung des beheizten Gebäudevolumens erzielt. Sowohl die Kellerdeckendämmung als auch die Dämmung der obersten Geschossdecke spielen eine zentrale Rolle in der nachträglichen Altbausanierung. Für die Dämmung dieser Bauteile gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Die Verkleinerung des Gebäudevolumens heißt im praktischen Sinne, dass die unbeheizten Bereiche des Gebäudes auch nicht gedämmt werden müssen. Dies führt zu einer kompakten thermischen Gebäudeform, bei der die Wärmeverlustflächen minimiert werden. Die Transmissionswärmeverluste und die Lüftungswärmeverluste lassen sich damit stark reduzieren. Nicht beheizte Stau- und Abstellräume sollten sich im Keller und/ oder auf dem Dachboden befinden, um das beheizte Gebäudevolumen möglichst kompakt zu belassen. Die Bereiche zwischen beheiztem und unbeheiztem Raum betreffen nicht nur die oberste Geschoss- und Kellerdecke, sondern auch deren Erschließung sowie eventuell das Treppenhaus und der Wintergarten.
Enorme Wärmeverluste im Bereich des oberen Abschlusses sind vor allem im Winter, bei Schneefall, augenfällig. Bei einigen Gebäuden mit Steildach schmilzt der Schnee auf den Dächerngleich, nachdem er gefallen ist. Grund dafür ist die unzureichende beziehungsweise nicht vorhandene Dämmung des oberen Abschlusses. Häufig wird der Dachboden nicht genutzt, daher ist es nicht sinnvoll eine aufwendige und teure Dachdämmung durchzuführen. Seit 2002 ist in der EnEV (Energie-EinsparVerordnung) vorgeschrieben, dass die oberste Geschossdecke für nicht selbstgenutzte Häuser über zwei Wohneinheiten gedämmt sein muss. Die Anforderung der EnEV an die Höchstwerte des Wärmedurchgangskoeffizienten bei Einbau, Ersatz und Erneuerung von Bauteilen liegt bei 0,24 W/m²K. Die Anforderung gilt als erfüllt, wenn bei vorhandenen Hohlschichten diese vollständig verfüllt werden.

Drei verschiedene Situationen

Mögliche nachträgliche Dämmungen richten sich nach der vorhandenen Einbausituation. Bei obersten Geschossdecken gibt es drei verschiedene Situationen: die massive Betondecke, die Nagelbinderkonstruktion sowie die Kehlbalkenlage.
    • Betondecke: Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren besitzen eine nicht- oder sehr spärlich gedämmte Betondecke als oberste Geschossdecke. Der U-Wert dieses Bauteils liegt bei 3,0-3,8 W/m²K. Die nachträgliche Dämmung ist einfach und effizient durchführbar. Durchdringungen wie Luftkanäle, Kabel oder Rohrleitungen müssen luftdicht verschlossen werden. Die Dämmung kann in begehbarer oder nicht begehbarer Form erfolgen. Die nicht begehbare Dämmung ist äußerst wirtschaftlich, da sich der Dämmstoff aufgrund fehlender Begrenzung sehr dick aufbringen lässt und sich preiswerte Dämmstoffe wie Zellulose beziehungsweise Supafil einsetzen lassen. Bei einer Langzeitbetrachtung von 30 Jahren zeigt sich, dass eine 40 Zentimeter starke Dämmung die wirtschaftlichste ist. Bei Nutzung eines Dämmstoffes mit der Wärmeleitzahl (WLZ) 040 wird bei 40 Zentimetr starker Dämmung ein U-Wert von 0,1 W/m²K (Passivhausstandard) erreicht. Soll der Dachboden als Wohnraum genutzt werden, bietet sich eine Konstruktion aus Abstandhaltern, Holzwerkstoffplatten und Einblasdämmstoff an. Diese ist kostengünstiger als die Verlegung druckbelastbarer Dämmplatten.
    • Nagelbinderkonstruktion: Diese besteht aus vielen Quer- und Längsbalken, die eine Dämmung mit Matten oder Platten erschweren. Sinnvoller ist die Verwendung von Einblas- oder Schüttdämmstoffen, um die Decke fugenfrei zu dämmen.
    • Kehlbalkenlage: Bei diesen Decken ist zwischen Kehlbalkendecken mit und ohne Einschub zu unterscheiden. Häufig sind diese in alten Gebäuden nicht oder nur mit einer dünnen Schicht Mineralwolle versehen. Der U-Wert dieser Bauteile liegt zwischen 0,5 und 1,2 W/m²K. Durch eine reine Verfüllung der Hohlräume mit Dämmstoff lässt sich der Wärmedurchgangskoeffizient auf unter 0,3 W/m²K reduzieren. Ist ein Einschub vorhanden, liegt auf diesem meist eine Lage aus Asche oder Schlacke, die guten sommerlichen Wärmeschutz bietet und nicht entfernt werden sollte. Die Hohlräume unter- und oberhalb des Einschubes sind geringer als sechs Zentimeter und daher nicht mit faserförmigen Dämmstoffen befüllbar. Nur stark rieselfähiges EPS-Granulat kommt hier zum Einsatz.

Bodenarbeiten

  • Ist ein besserer Wärmeschutz gewünscht, sollten Bodendielen zunächst entfernt und aufgedoppelt werden, um den Hohlraum zu vergrößern. In diesem Fall und bei Kehlbalkenlagen ohne Einschub können statt EPS-Granulat die günstigeren faserförmigen Einblasdämmstoffe Zellulose oder Supafil verwendet werden. Wird der Dachraum genutzt, werden die Dielen anschließend wieder verlegt. Bei Hohlräumen unter drei Zentimetern ist eine Verfüllung mit Dämmstoff nicht möglich, es kann allerdings nur die Oberseite der Decke gedämmt werden. Um Hinterlüftungseffekte unterhalb der Dielenbretter zu vermeiden, müssen die Hohlräume zunächst an den offenen Enden mit Dämmstoff verschlossen werden. Der verwendete Dämmstoff muss kapillaraktiv sein.

Unterer Abschluss

Auch bei der Kellerdecke sind verschiedene Szenarien möglich: Wurden Holzfußböden auf Lagerhölzern verlegt, gibt es die Möglichkeit der Einblasdämmung dieser Hohlräume. Bei Kellerdecken ohne Hohlräume lassen sich diese von unten dämmen. Hier wird in folgende Verfahren unterschieden
  • Einblasdämmung von Hohlräumen
  • unterseitige Dämmung mit Platten
  • unterseitige Dämmung mit Sprühschaum
Hohlraumdämmung: Der Hohlraum zwischen Bodendielen und massiver Kellerdecke ist etwa fünf bis zehn Zentimeter hoch. Die EnEV schreibt die vollständige Verfüllung dieses Bauteils vor, unabhängig vom erreichten U-Wert. Die Hohlraumdämmung von oben ist einfacher durchführbar als die von unten, bei der die massive Kellerdecke angebohrt werden müsste. Wird die Maßnahme von oben durchgeführt, müssen nur die Bodendielen teilweise entfernt oder angebohrt werden. Das Verfahren eignet sich besonders dann, wenn eine Renovierung des Fußbodens ausgeführt wird.
Hier bestimmt, wie bei den Hohlräumen der obersten Geschossdecke, die Hohlschichtdicke über die verwendbaren Dämmstoffe. EPS-Granulat mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,033 W/mK stellt häufig die beste Lösung dar. Das rieselfähige Granulat lässt sich leicht in horizontalen Hohlräumen verteilen, hat eine höhere Dämmwirkung als Mineralwolle oder Zellulose, auch schmale Hohlräume werden ausreichend gedämmt.
Unterseitige Dämmung mit Platten: Neben der Trennung des beheizten Wohnraumes vom unbeheizten Keller hat die unterseitige Kellerdeckendämmung den Vorteil, dass sich gleichzeitig der Wärmeschutz der Heizungsrohre verbesseren lässt, was als Nachrüstpflicht in der EnEV vorgeschrieben ist. Um Wärmebrücken zu vermeiden, sollten bei dieser Maßnahme die Innen- und Außenwände des Kellers im oberen Bereich etwa 80 Zentimeter hoch gedämmt werden. Die Montage der Dämmplatten erfolgt mit Dübeln oder Klebstoff. Wird Klebstoff verwendet, muss der Untergrund im Vorfeld sorgfältig gereinigt werden, auch eine Vorbehandlung des oft kalkigen Untergrundes mit geeigneten Grundierungen ist zu empfehlen. Aufgrund der vielen Kabel und Rohre an der Unterseite der Kellerdecke, gestaltet sich die Dämmung mit Platten oft aufwendig. Die Platten erhalten Aussparungen für die Rohre, die äußerst sorgfältig zugeschnitten werden müssen, damit so wenig Hohlraum wie möglich zwischen Platte und Rohren entsteht. Bei vielen Fugen und Auslassungen entstehen Hinterlüftungseffekte, welche die Dämmwirkung vermindern. Auch die unterseitige Dämmung von Kappendecken gestaltet sich als aufwändig. Zunächst müssen die Höhlungen mit weichen Dämmmaterialien ausgeglichen werden, bevor sich Dämmstoffplatten montieren lassen. Bei dieser Dämmmaßnahme muss die Verminderung der Deckenhöhe in Kauf genommen werden.
Die EnEV schreibt einen maximalen U-Wert von 0,30 W/m²K vor. Ungedämmte Kellerdecken liegen in etwa bei 1,7 W/m²K. Um den von der EnEV vorgeschriebenen Wärmedurchgang zu erreichen, sollten Hochleistungsdämmplatten wie Phenolharz (WLS 022) eine Dicke von etwa acht Zentimetern aufweisen.
Unterseitige Dämmung mit Sprühschaum: Ein auf dem deutschen Markt verfügbarer PUR-Ortschaum mit der WLS 030 eignet sich besonders gut für diese Maßnahme, da er Unebenheiten im Beton ausgleicht und Leitungen oder Rohre fugenfrei mit dämmt. Außerdem ist die Dämmung von Flankenbereichen und gewölbten Decken einfacher ausführbar als mit Platten. Allerdings lässt sich der PUR-Ortschaum aufgrund der Baustoffklasse B2 nicht in Heizungskellern, öffentlichen Gebäuden und bei Fluchtwegen im Mietwohnungsbereich einsetzen. Als Alternative bietet sich in diesen Situationen die sprühbare Mineralwolle (Brandschutzklasse A1) an. Die Mineralwolle ist mit Zement versetzt und lässt sich durch Zugabe von Wasser aufsprühen. Sie hat die WLS 040.
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