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Dämmaspekte: PU-Schaum-Dämmung für unebene Oberflächen

Teil 8
Dämmaspekte: PU-Schaum-Dämmung für unebene Oberflächen

Teil 8: Die Dämmung unbequemer Oberflächen an Kellerabgängen, in Kriechkellern oder bei zweischaligem Mauerwerk wird wegen des großen Aufwands oft nicht angegangen. Als praktikable Lösung bietet sich die PU-Schaum Dämmung an.

Kerstin Paschko, Arnold Drewer

Unebene Oberflächen sind an mehreren Stellen im Haus zu finden. Deren Dämmung mit Matten, Platten und Einblasdämmstoffen ist entweder nicht möglich oder mit einem sehr großen Aufwand verbunden. Die einfachste und effektivste Lösung ist die Dämmung mit einem Sprühschaum. Der am besten geeignete Schaum mit sehr guten Dämmwerten ist der Polyurethan-Sprühschaum. Eine Alternative stellt die Steinwolle-Sprühdämmung dar, welche insbesondere bei sehr hohen Anforderungen an den Brandschutz Anwendung findet.
Der Kellerabgang mit seiner unebenen Oberfläche, die Kellerdecke mit vielen Rohren und Unebenheiten sowie Trapezbleche stellen Herausforderungen für die Dämmtechniker da.

Geeigente Materialien

Polyurethan-Sprühschaum eignet sich gut für einen Spezialfall: die Dämmung zweischaliger Mauerwerke. Diese lassen sich häufig auch mit ausgewählten Einblasstoffen dämmen. Der Schaum stellt aber dann die erste Wahl dar, wenn die äußere Fassade bröckelt und somit die Dämmung nicht nur isoliert, sondern auch das Mauerwerk miteinander verklebt und damit stabilisiert.
Polyurethan ist ein Zweikomponentenschaum, bestehend aus Isocyanaten und Polyolen. Diese werden erst beim Auftragen gemischt und härten sofort aus. Bezüglich der Wärmeleistung gehört der Schaum mit Wärmeleitfähigkeiten von 0,027 und 0,030 W/(m2K) zu den besten Dämmstoffen und ist damit auch in geringen Dämmstärken wirkungsvoll. In Deutschland ist er aber unbeliebt, da er als Chemieprodukt und toxisch bedenklich betitelt wird. Isocyanate sind nach den Richtlinien 67/548/EWG bzw. 2008/58/EG in mehrerer Hinsicht als gesundheitsschädlich eingestuft. Ähnliches gilt für die verwendeten Flammschutzmittel TCEP und TCPP. Der Rohstoff Isocyanat reagiert beim Aufbringen jedoch vollständig mit den Polyolen, so dass keine Gesundheitsgefährdung vorliegt. Das Flammschutzmittel ist in der Matrix eingeschlossen und kann ebenfalls nicht entweichen. Zudem findet sich Polyurethan in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens, mit denen man viel häufiger, länger und intensiver in Kontakt kommt als mit einer Kellerdeckendämmung. So gibt es Matratzen aus Polyurethan, Autoinnenausstattungen, Polstermöbel, künstliche Herzklappen usw.
Was aber bleibt, ist, dass nach der Aufbringung eine „krüsselige“ Oberfläche entsteht. Bei Anwendungsfällen wie dem Kriechkeller ist dies unerheblich, da die Dämmung für die Bewohner nicht sichtbar ist. Bei anderen Bauteilen, wie dem Kellerabgang, kann dies hingegen störend sein. Polyurethan-Sprühschaum lässt sich nicht absolut eben aufbringen.
Eine Alternative zum PUR-Schaum ist die Steinwolle-Sprühdämmung. Es handelt sich um ein Gemisch aus Steinwollegranulat, Zement und Wasser. Die Steinwolle wird ebenso wie der PUR- Sprühschaum an das Bauteil gesprüht und bleibt dort kleben.
Da das Material jedoch nicht sofort aushärtet, kann sie – anders als der Polyurethanschaum – nach dem Aufbringen geglättet werden. Dies stellt jedoch gleichzeitig auch einen Nachteil dar, weil die Trocknungszeiten entsprechend lange sind, und in dieser Zeit eine ausreichende Belüftung sichergestellt sein muss, um Feuchtigkeitsschäden zu verhindern. Die absolut unbrennbare Steinwolle-Sprühdämmung wird in Bereichen eingesetzt, bei denen hohe Anforderungen an den Brandschutz gelten, beispielsweise bei Flughäfen oder in Parkhäusern beziehungsweise in Tiefgaragen.

PU-Schaum Dämmung für den Kellerabgang

Der Kellerabgang bildet häufig die Grenze zwischen beheiztem Wohnraum und unbeheiztem Lagerraum. Dabei sind die einzigen Barrieren zwischen der aufgewärmten Wohnraumluft und der kalten Kellerluft die dünnen Holzbretter der Treppenstufen. Folglich kommt es hier zu hohen Wärmeverlusten. Gleichzeitig ist der Abgang durch die Treppenstruktur nur sehr aufwendig mit Platten dämmbar. Technisch perfekt und schnell von Fachkräften durchführbar ist hingegen die Dämmung mit einem Polyurethan-Sprühschaum. Dieser sorgt außerdem für eine Luftdichtung. Nachteil dieser Konstruktion ist jedoch die „krüsselige“ Oberfläche, welche, je nach den Vorlieben der Hausbesitzer, gegen eine Sprühdämmung spricht.

Kellerdecke

Die unterseitige Dämmung von Kellerdecken ist immer problematisch aufgrund unebener Untergründe, vorhandener Rohre oder Kabel. Dadurch sind Platten nur bedingt einsetzbar. Die Dämmung mit Sprühschaum hingegen kann schnell und fugenfrei durchgeführt werden. Dies wurde bereits im vorausgegangenen Artikel „Dämmaspekte Teil 7, Malerblatt 09/2016“ behandelt.

Kriechkeller

Einen Spezialfall der Kellerdecke stellt der Kriechkeller da. Dieser ist vor allem in den Niederlanden und in Norddeutschland nahe der niederländischen Grenze zu finden. Er zeichnet sich durch seine niedrige Höhe von bis zu 70 cm aus. Geringere Höhen (unter 40 cm) können als Hohlraum betrachtet werden und mit einem hydrophoben Dämmstoff, bspw. Steinwolle, ausgeblasen werden. Bei etwas höheren Kriechkellern bietet sich das Aufbringen des Polyurethan-Sprühschaums an. Dies ist in den Niederlanden verbreitet und wird neuerdings auch in Deutschland angewandt. Vorteil bei diesem Bauteil ist, dass keine Begehbarkeit gewährleistet werden muss, die Optik vernachlässigbar ist.

Trapezbleche

Neben unebenen Oberflächen in Wohnhäusern, sind diese auch in gewerblich genutzten Gebäuden zu finden. Hervorzuheben sind dabei Trapezblechdächer, welche beispielsweise in Lagerhallen oder Ställen verwendet werden. Ihre Dämmung mit Platten oder Matten ist nicht möglich, ebenso wenig wie mit Einblas- oder Schüttdämmstoffen. Deshalb bieten sich auch hier Sprühschaumdämmstoffe an. In Deutschland werden seit vielen Jahren Kartoffellager und Schweineställe mit Polyurethan-Ortschaum gedämmt. Dies wäre auch für andere Lager- und Produktionshallen möglich.

Zweischaliges Mauerwerk

Während bei den genannten Bauteilen eine Dämmung mit anderen Dämmstoffformen praktisch und/oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, kommen bei der Dämmung von zweischaligen Mauerwerken vorwiegend die klassischen, hydrophoben Einblasdämmstoffe zum Einsatz. Auch hier gibt es Situationen, bei der die Dämmung mit einem Sprühschaum vorteilhaft ist bspw. wenn die äußere Vorsatzschale bröckelt. Durch das Einbringen eines Polyurethan-Gießschaums können wackelige Vorsatzschalen dauerhaft und statisch belastbar an das Hintermauerwerk „geklebt“ werden. Neben der Dämmwirkung wird eine Stabilisierung der Vorsatzschale und damit des ganzen Mauerwerks bewirkt. Daneben hat der Polyurethanschaum mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,027 W/(m2K) einen erheblich besseren Dämmwert als die sonst verwendeten Kerndämmprodukte.
Die weiteren Teile der Serie

praxisplus
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Es gibt Bauteile, die nicht mit Matten-, Platten-, Einblas- oder Schüttdämmstoffen gedämmt werden können. Für einige ist die Dämmung mit Sprühschäumen die effektivste und oftmals einzige Möglichkeit. Die Mineralsprühdämmung, bestehend aus Mineralwolle und Zement, ruft bei den Verbrauchern zwar nur wenige Bedenken hervor, bietet sich aber aufgrund der langen Trocknungszeiten für Spezialfälle an, bei denen hohe Brandschutzvorschriften zu beachten sind. Polyurethanschäume besitzen in Deutschland aufgrund der Zusammensetzung nur eine geringe Akzeptanz, obgleich sie im täglichen Leben allgegenwärtig und als Endprodukt auch unbedenklich sind. In den Niederlanden und großen Teilen Europas wird das Produkt seit Jahren eingebaut. Weitere Informationen:
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