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Experimentelle Kalligrafie - Wie Schrift zur Wandgestaltung führt

Experimentelle Kalligrafie
Inspiration Schrift

Experimentelle Kalligrafie: Schrift als Kunstform wählte Jessica Preis als Thema für ihre Facharbeit an der Fachschule für Gestaltung in Stuttgart mit dem Abschluss als staatlich geprüfter Gestalter und Malermeister. Im Gespräch mit Malerblatt-Redakteurin Susanne Wierse sprach sie über ihre Arbeit mit dieser Gestaltungsform. Im nächsten Heft folgt eine Schritt-für-Schritt-Erklärung der Umsetzung.

Fotos: Jessica Preis

Was hat Sie beim Thema „Experimentelle Kalligrafie“ inspiriert?

In der Findungsphase hatte ich geplant, verschieden Schriftarten vorzustellen und zu zeigen, wie man mit unterschiedlichen Materialien wie bspw. Nägeln oder Moos Schrift gestalten kann. Bei Internetrecherchen bin ich dann auf ein Bild gestoßen, welches mich tagelang verfolgte: ein Mix aus Schöngeschriebenem und trotzdem Abstraktem. Vor lauter Gedanken an das Bild verlor ich mein eigentliches Thema völlig aus den Augen. Den letzten Kick für das Thema gab mir dann eine andere Art von Schriftgestaltung, auf die ich bei meinen Recherchen stieß. Es nennt sich Calligraffiti und enthielt alles, was ich machen wollte: Graffiti, Schrift, Abstraktheit und Kalligrafie. Weil ich diese Gestaltungsform nicht kannte, wollte ich sie unbedingt weitergeben und zeigen, was man aus Buchstaben machen kann, vielleicht sogar ohne, dass man es lesen kann.

Was ist das Besondere an Experimenteller Kalligrafie?

Für mich ist diese Art von Kalligrafie Kunst, es gibt hier nicht die klassischen Regeln wie Abstand, Höhe oder Breite, die man einhalten muss. Kalligrafie nennt man ja nicht umsonst ,,die Kunst des Schönschreibens‘‘. Hier kann man seine eigene Handschrift zum Kunstwerk gestalten, seine Emotionen mit einbringen, ohne dass es direkt zum Ausdruck gebracht wird. Hier muss man sich einmal keine Gedanken darüber machen, worauf zu achten ist. Das bedeutet: Einfach losschreiben mit dem, was man grad zur Hand hat, dabei ist es völlig irrelevant, ob man eine schöne Handschrift hat.

Was passiert, wenn Schrift und Bild aufeinandertreffen?

In diesem Moment passiert etwas Wunderbares. Die experimentelle Kalligrafie zeigt eigene Emotionen, deine Persönlichkeit, sie fusionieren zusammen zu einem ganz persönlichen Kunstwerk. Die Schrift bekommt durch ein Bild eine ganz andere Ausdrucksweise. Die Bildelemente unterstreichen die Buchstaben, ohne dass man zwingend lesen muss. So passiert es, dass man nur einen einzigen Buchstaben aufs Papier bringen muss um zu erkennen, was der Schreiber aussagen möchte.

Welche Gestaltungskriterien haben Sie für Ihre Entwürfe eingesetzt?

Ganz ehrlich? Ich habe eine furchtbare Handschrift, deswegen setzte ich auf Abstraktion. Diese „Kritzel-Kratzel-Schrift“ auf meinen Entwürfen kann niemand lesen, muss aber auch niemand, denn die Form und Schwingungen von Buchstaben bringen das Bild zum Leben. An leserlichen Akzenten wie den gotischen Buchstaben lässt sich erkennen, um was es ungefähr geht. Außerdem setzte ich darauf, dass sich Gegensätze anziehen, wie Schreibschriften vs. Druckschriften oder Farbkontraste, Dinge also,die man so nicht kombinieren würde.

Der Kunde ist in diesem Fall Berufsmusiker, vor Ort haben mich die im Raum befindlichen Gegenstände wie Gitarren und Bässe, CDs und Schallplatten inspiriert.

Welche Materialien haben Sie für Ihre Entwürfe verwendet und wie gelang die Übertragung auf die Wandfläche?

Für die Entwürfe auf dem Papier griff ich zu den ,,klassischen‘‘ Werkzeugen, den Pinsel in verschiedenen Größen, eine Kalligrafiefeder oder -stift, Acrylfarbe und viele verschiedene Fasermaler, Filz- und Effektstifte. Es kam sogar ein Korrekturstift zum Einsatz, mit welchem man hervorragend schreiben und Akzente setzen kann.

Als die Entwürfe für die experimentelle Kalligrafie fertig waren, konnte ich natürlich nicht mit einer Kalligrafiefeder an der Wand weitermachen, somit musste ich mir alternative Schreibgegenstände überlegen. Je nachdem wie groß die Buchstaben werden, kann man hier große Pinsel verwenden. Ich habe auch selber gebastelt und bspw. einen Korrekturstift mit einer breiten Spitze mit Acrylfarbe gefüllt. Die Übertragung auf die Wand geschah über ein Raster, welches ich über den Entwurf legte. Bei der Übertragung muss man immer vom Hintergrund aus arbeiten und bis ins kleinste Detail gehen, um unpassende Überlappungen zu vermeiden. Anfangs habe ich mir das einfacher vorgestellt, aber man muss doch einige Dinge im Voraus bedenken, wie z. B. die Beschaffenheit des Untergrunds und die Proportionen. Der Entwurf gibt viele Anhaltspunkte, aber eine 100-prozentige Gleichheit bekommt man bei so einer Gestaltung nicht hin.


PraxisPlus

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Die Fachschule für Gestaltung bildet zu Führungs- und Fachkräften im Bereich der Raumgestaltung weiter. Schwerpunkte liegen bei der Entwicklung gestalterischer Konzepte sowie wirtschaftlicher und handwerklicher Kompetenzen. Weitere Informationen:

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