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Gestaltung durch Gliederung

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Gestaltung durch Gliederung

Gestaltung durch Gliederung
Foto/Skizzen: Prof. Klaus Friesch
Teil 10 der Serie Farbe und Architektur: Die Strukturen von Baukörper und Fassade nehmen Einfluss auf die Fassadengestaltung.

Autor | Fotos: Prof. Klaus Friesch

Das Wort Fassade wird zur Bezeichnung der Gebäudehülle verwendet und verweist mit seinem lateinischen Wortursprung „facies“ auf die Bedeutung Gesicht. In der traditionellen Architektur zeigt sich dieser Bezug deutlich. Mit dem Bild des Gesichts ist die Front- oder Hauptansichtsseite gemeint, welche meist mit dem Haupteingang verbunden ist

Typologisch lassen sich zwei Ausbildungen unterscheiden. Zunächst gibt es den Fassadentyp, der die innere Gliederung, Konstruktion oder den Querschnitt des dahinterliegenden Baukörpers aufnimmt und damit auf eine enge Verbindung der inneren Struktur und der äußeren Erscheinung eines Bauwerks setzt. Demgegenüber steht die Blendfassade, die weder in der Form, den Abmessungen, den Proportionen oder auch dem Material auf das zugehörige Bauwerk eingeht, sondern eine eigenständige Komposition bildet, die eher eine Kulisse darstellt. Die großen Fassadenflächen werden mit Fassadenelementen nach klassischen Ordnungsprinzipien und Proportionen bespielt und lassen sich entsprechend der Bedeutung der Gliederungselemente in Ebenen unterscheiden.

Die Grundgliederung

Sie ergibt sich aus dem Baukörper und den Fassadenzonen Sockel, Wand und Dach, wobei Letzteres auf der Traufseite dominant sichtbar ist und auf der Giebelseite formbildend für die Wandfläche wirkt. Das Prinzip der Farbstatik (siehe Artikelserie Folge 3) ist zu beachten. Die farbliche Absetzung einzelner Stockwerke kommt eher selten vor.

Zweite Gliederungsebene

Durch die Anordnung der Öffnungen wird eine zweite Gliederungsebene bestimmt. Traditionelle Bauwerke sind in Massivbauweise erstellt. Die Außenwand hat hier eine wichtige tragende Funktion und die Gesamtzahl, Einzelgröße und Anordnung der Öffnungen sind von der Statik des Bauwerks abhängig. Diese Fassaden werden als Lochfassaden bezeichnet und ihr Charakteristikum sind klar abgegrenzte Fenster- und Türöffnungen, die in vertikaler und horizontaler Beziehung zueinander stehen. Meist sind die Gebäudeecken massiv ohne Öffnungen. Demgegenüber stehen Fachwerkkonstruktionen als Skelettbauten. Ihre Statik benötigt ebenfalls zwingend tragende Außenwände, die als konstruktive Elemente jedoch das Holzfachwerk besitzen. Durch dessen Anordnung wird die Lage und Größe von Öffnungen beeinflusst und stark beschränkt.

Dritte Gliederungsebene

Eine dritte Gliederungsebene entsteht durch die Aufnahme vertikaler und/oder horizontaler Bauteile, die in direktem Bezug zur Architektur des Bauwerks stehen, z. B. Pilaster, Lisenen oder Gesimse. Durch Vor- und Rücksprünge von Gebäudeteilen und Fassadenelementen ist eine Gliederung in der Dreidimensionalität möglich. Wenige Zentimeter reichen aus, um durch Licht und Schattenwirkungen Plastizität zu erzeugen. Durch die Farbgebung entstehen optische Beziehungen, welche eine eher horizontale oder vertikale Wahrnehmung von Gliederungselementen stark beeinflussen. Hier sollte sich die Farbigkeit an den architektonischen Vorgaben orientieren und diese entsprechend interpretieren.

Vierte Gliederungsebene

Eine vierte Ebene ist durch das Anbringen zusätzlicher Schmuckelemente ohne direkten Bezug zur Gebäude- und Tragstruktur des Bauwerks denkbar. Hierzu gehören auch Putzstrukturen.

Die hier beschriebene Gliederung durch Schmuckformen wird häufig durch Materialwechsel betont, wie zum Beispiel Naturstein gegen Putzflächen oder Lackbeschichtungen von Holzkonstruktionen (Fenster, Fensterläden und Türen) gegen Farben auf mineralischen Untergründen.

So ergibt sich oftmals eine Farbgebung durch unterschiedliche Materialeigenfarben. Zusätzlich entsteht über die Licht- und Schattenwirkung der räumlichen Ausbildung einer Fassade – durch Hell-Dunkel-Abstufungen – eine feinnuancierte Farbigkeit (siehe Artikelserie Folge Nr. 5).

Sind weitere Farben notwendig, ist es häufig ausreichend, zusammenhängende Baukörpergliederungen in leisen Tonwertsprüngen gegeneinander abzusetzen. Zu intensive Sprünge im Aktiv-Passiv-, Kalt-Warm- oder im Hell-Dunkelbereich sind zu vermeiden. Liegt kein historischer Befund zu Schmuckformen vor, ist es ratsam, auf zusätzliche farbige Gliederungen zu verzichten.

Generell richtet sich die Farbigkeit bei historischen Bauwerken nach der Form. Aus der zeitlichen Einordnung ergibt sich eine Bezugnahme zur grundsätzlichen Farbigkeit. Kalkfarben und Silikatfarben besitzen eine charakteristische Farbigkeit. Die leicht vergrauten, eher hellen Nuancen der sogenannten „Erdfarben“ sind die richtige Farbpalette, um den architektonischen Zusammenhang der Teile und des Ganzen an einer traditionellen Fassade zu betonen und dem architektonischen Charakter eines Bauwerks zu entsprechen.

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