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Holzimitation – aber natürlich

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Holzimitation – aber natürlich

Holzanstriche mit Leinölfarbe haben viele Vorzüge, insbesondere hinsichtlich des Holzschutzes und der Langlebigkeit. Doch auch für kreative Gestaltungen bringen sie Vorteile: Strichlacke oder Imitationen sind durch die langen Offenzeiten des Öls gut auszuführen und auch an frequentierten Flächen sehr stabil. In der 20. Folge der Dekorationsmalerei-Serie zeigt Friederike Schulz eine Leinöl-Eichenholzimitation.

Autorin: Friederike Schulz | Fotos: Lars Krüger

Wenn Sie mit Leinöl arbeiten möchten, entscheiden Sie sich am besten für kaltgepresstes Leinöl. Dieses dringt im Gegensatz zu Leinölfirnis bis zu zwei Zentimeter ins Holz ein und kann bis zu 24 Stunden auf der Oberfläche stehen und einwirken. Leinölfirnis hingegen dringt nur einige Millimeter ins Holz und überschüssiges Material muss spätestens nach einer Stunde entfernt werden.

Leinöl nimmt beim Trocknen Sauerstoff aus der Luft auf und dehnt sich um 20 Prozent beim Trocknen aus. Das bedeutet für die Leinölfarbe, dass der Farbauftrag dünn ausfallen muss, damit das Material die Möglichkeit hat, sich auszubreiten. Der Farbverbrauch ist dadurch um ein erhebliches geringer als bei anderen Beschichtungssystemen wie Alkydharz- oder Acryllacken. Ein Liter Leinölfarbe reicht für etwa 15 Quadratmeter Fläche aus, bei bereits gesättigten Oberflächen schafft man mit einem Liter Leinöl gar 20 Quadratmeter.

Eigenschaften von Leinöl

Der Anstrich sollte immer mit Naturborstenpinseln ausgeführt werden, da die Farbe sehr gleichmäßig und dünn aufgetragen werden muss. Je dünner der Farbauftrag, desto geringer ist der Pinselstrich sichtbar. Ist der Anstrich zu dick, erhöht sich die Trocknungszeit erheblich oder es kommt dazu, dass die Farbe nicht richtig durchhärten kann und runzelig wird. Leinölfarben lassen sich nicht spritzen oder rollen. In der peniblen Handhabung und den langen Trocknungszeiten liegen die Nachteile des Materials. Ein großes Plus ist aber, dass Leinölfarbe ein reines Naturprodukt und extrem umweltfreundlich ist sowie langfristig den besseren Schutz für Hölzer darstellt. Auch hinsichtlich der Renovierung bietet Leinöl Vorteile: Wenn über die Jahre der Leinölanstrich matt wirkt und das Pigment anfängt auszukreiden, muss die Fläche lediglich einmalig mit einer Leinölfarbe nachgestrichen werden.

Eichholzimitation mit Leinöl

Sehr gut lässt sich die lange Offenzeit von Leinöl für eine Holzimitation – z. B. von Eichenholz – nutzen. Die Materialliste hierfür ist überschaubar: kaltgepresstes Leinöl, reine Leinölfarbe, Terpentin, ein Sikkativ (Trocknungsmittel) sowie ein braunes Erdpigment reichen aus. An Werkzeugen sollten ein Naturborstenpinsel, ein Lasurpinsel, ein Modler, ein Gummischaber, ein Gummi- oder Korkkamm, ein feiner Stahlkamm sowie ein Jutesack bereit liegen.

Zunächst wird das rohe Holz mit kaltgepresstem Leinöl grundiert. Überschüssiges Leinöl sollte spätestens nach 24 Stunden abgewischt werden. Nach frühestens 24 Stunden kann der erste Anstrich mit Leinölfarbe beginnen. Dafür verwendet man einen Pinsel mit Naturhaaren, damit wird die Leinölfarbe gleichmäßig dünn aufgestrichen. Befindet sich auf dem Holz ein lösemittelhaltiger Anstrich, kann auch dieser nach einem guten vorherigen Anschleifen mit Leinölfarbe gestrichen werden. Der Farbauftrag des Leinöls sollte gleichmäßig und sparsam erfolgen. Da Leinöl sich beim Trocknen ausdehnt muss auf eine geringe Materialmenge geachtet werden.

Nach dem ersten Anstrich sollte ein kurzer Zwischenschliff erfolgen, um evtl. Schmutz oder aufgestellte Fasern glatt zu schleifen. Auch hier muss die Trocknungszeit von 24 Stunden beachtet werden. Der zweite Anstrich wird wieder dünn aufgetragen und gut ausgestrichen. Man kann nach dem zweiten Anstrich sehr gut erkennen, wo das Holz bereits gesättigt ist und wo nicht. Dort, wo es glänzt, ist das Holz gesättigt. Insgesamt sollten drei Farbanstriche erfolgen.

Für die Holzimitation wird die Fläche gleichmäßig mit einer Öllasur gestrichen. Diese setzt sich zusammen aus Leinöl, Terpentin und etwas Sikkativ.

Mit dem Lasurpinsel wird das Leinöl auf der Oberfläche mit Pigment von der Palette gleichmäßig eingefärbt. Dabei kann man die Pigmente und Farben dezent variieren. Danach wird die Öllasur mit einem Modler auf der Fläche gleichmäßig verteilt und weich ausgestrichen.

Mit einem Gummischaber kann nun die Maserung in die Lasur eingemalt werden. Dabei wischt man mit dem Schaber die Maserringe frei und schiebt die Lasur nach oben und unten weg. Wenn man den unteren Kern fertig hat, beginnt man mit der gleichen Arbeit von oben und verbindet die Kerne in der Mitte miteinander.

Anschließend kann mit dem Gummikamm die Splintmaserung eingezogen werden. Für eine weichere Maserung am Splint eignet sich auch ein Stück Jutesack. Man kann beide Techniken gut im Wechsel kombinieren. Mit einem fein gezinkten Stahlkamm wird die Maserung im Kern gerade durchgezogen, am Rand fährt man leicht schräg durch die Linien.

Die fertige Maserung ist durch die Bearbeitung des Untergrundes mit Leinölfarbe lange haltbar. Allerdings vergilbt sie im Innenraum, wenn kein Tageslicht einfällt.

Weitere Folgen der Dekorationsmalerei-Serie gibt es auf www.malerblatt.de


Foto: Lars Krüger

24 Stunden nach der Grundierung des rohen Holzes mit kaltgepresstem Leinöl kann der erste Farbanstrich erfolgen. Mit einem Naturhaar-Pinsel wird die Farbe dünn aufgestrichen.


Foto: Lars Krüger

Befindet sich auf dem Holz ein lösemittelhaltiger Anstrich, kann auch dieser nach einem guten vorherigen Anschleifen mit Leinölfarbe überarbeitet werden.


Foto: Lars Krüger

Frühestens 24 Stunden nach dem ersten Farbanstrich und nachdem ein kurzer Zwischenschliff erfolgt ist, wird der zweite Anstrich wiederum dünn aufgetragen und gut ausgestrichen.


Foto: Lars Krüger

Man kann nach dem zweiten Anstrich sehr gut erkennen, wo das Holz bereits gesättigt ist und wo nicht. Dort, wo es glänzt, ist das Holz gesättigt. Insgesamt sollten drei Farbanstriche erfolgen.


Foto: Lars Krüger

Für die Holzimitation wird zunächst eine farblose Öllasur aufgestrichen, die auf der Oberfläche mit Pigment von der Palette gleichmäßig eingefärbt und mit dem Modler auf der Fläche verteilt wird.


Foto: Lars Krüger

Mit einem Gummischaber kann nun die Maserung in die Lasur eingemalt werden. Dabei wischt man mit dem Schaber die Maserringe frei und schiebt die Lasur nach oben und unten weg.


Foto: Lars Krüger

Wenn man den unteren Kern fertiggestellt hat, beginnt man mit der gleichen Arbeit von oben und verbindet anschließend die beiden Kerne in der Mitte miteinander.


Foto: Lars Krüger

Mit dem Gummikamm kann man nun die Splintmaserung um die Holzkerne herum einziehen. Die Zahnung sollte dabei auf das gewünschte Ergebnis abgestimmt sein.


Foto: Lars Krüger

Für eine weichere Maserung im Splintholz eignet sich statt des Gummikamms auch ein Stück Jutesack. Man kann beide Techniken auch gut im Wechsel kombinieren.


Foto: Lars Krüger

Mit einem fein gezinkten Stahlkamm wird die Maserung im Kern gerade durchgezogen. In den Randbereichen kämmt man leicht schräg durch die Linien.

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