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Studien- und Ausbildungswege für das Maler- und Ausbauhandwerk

Studien- und Ausbildungswege
Karriereleitern im Handwerk

Studien- und Ausbildungswege für das Maler- und Ausbauhandwerk
Nach dem Abitur geht es im Handwerk auf verschiedenen Wegen hoch hinaus. Foto: Amelie Hauser

Studien- und Ausbildungswege für das Maler- und Ausbauhandwerk: Auch das Handwerk bietet Schulabgängern mit Abitur oder Fachhochschulreife attraktive Studien- und Ausbildungswege. Drei der aufs Maler- und Ausbauhandwerk zugeschnittenen Möglichkeiten stellen wir vor.

Autorin I Fotos: Susanne Wierse

Die Zukunftsaussichten einer Ausbildung oder eines Studiums im Handwerk halten der kritischen Betrachtung unter dem Blickwinkel aktueller Krisen stand. Neue attraktive Ausbildungsangebote gewinnen das Interesse junger Leute und lenken dabei den Blick auf die immer anspruchsvolleren Berufsbilder im Handwerk. Hinzu kommt der bereits jahrelange Mangel an Facharbeitskräften und nicht zuletzt der angestrebte notwendige Ausbau des energieeffizienten Neubaus und die nachträgliche Wärmedämmung im Altbau, vorangetrieben durch die Preissteigerungen im Energiesektor und unterstützt vom politischen Willen. Für all diese Zukunftsaufgaben werden gut ausgebildete Fachkräfte auf allen Arbeitsebenen gebraucht. Gerade das Maler- und Ausbauhandwerk kann hier profitieren und bietet für junge Leute mit Fachhochschulreife oder Abitur viele unterschiedliche Karrierewege.

Der Ausbau-Manager

Eine attraktive Ausbildungsmöglichkeit für SchulabsolventInnen mit Abitur oder Fachhochschulreife bietet der „Ausbau-Manager“. Ein Abschluss, der von der Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks (Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade – die Ausbau-Akademie) mit mehreren Kooperationspartnern aus der Taufe gehoben wurde. „In den letzten drei Jahren hatten wir immer über 20 TeilnehmerInnen pro Jahrgang, im aktuellen Jahrgang sind es sogar 25,“ erläutert dazu Frank Schweizer, Leiter des Ausbildungszentrums. Was als Ausbildungsmodell für Betriebsnachfolger begann, hat sich inzwischen etabliert. Mittlerweile kommt nur noch rund ein Viertel von ihnen aus einem bestehenden Unternehmen.

Die TeilnehmerInnen nehmen den Ausbau-Manager als Alternative zum Studium wahr. Sie sehen den Bedarf für Nachwuchsführungskräfte und die damit verbundenen Entwicklungschancen. „Unternehmerin oder Unternehmer zu werden, wird hier als einzigartige Chance erkannt. Und als eine Möglichkeit, in einem nachhaltigen Bereich zu arbeiten, der Aufträge für die nächsten Jahrzehnte bereithält. Außerdem beinhaltet die Begrifflichkeit Manager das, was wir für die Zukunft mit ihren komplexen Aufgaben brauchen: Menschen, die etwas bewegen, die etwas draufhaben“, so Frank Schweizer weiter.

Wer sich für diese Ausbildung entscheidet, erhält Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb und ein Rundumpaket für die Unterbringung während der Schulzeiten in Leonberg und Rutesheim. „Mit dem Ausbildungsvertrag werden über das Umlageverfahren von der Soka Bau die Fahrtkosten, die Übernachtungs- und Verpflegungskosten zu hundert Prozent übernommen.“ Insgesamt 3,5 Jahre dauert der Weg zum Ausbau-Manager. „Da durch Abitur oder Fachhochschulreife keine allgemeinbildenden Fächer mehr unterrichtet werden müssen, können wir bei der Fachtechnologie früh einsteigen und starten hier auf Meisterniveau. In der Fachpraxis werden von der Pike auf alle handwerklichen Techniken unterrichtet. Es wird aber auch hier darauf geschaut, dass man so schnell wie möglich vorankommt und die Anforderungen steigert“, erläutert Frank Schweizer das Konzept.

Miriam Oeschger ist im zweiten Ausbildungsjahr und mit dem gewählten Weg sehr zufrieden. „Ich habe zuerst Industriekauffrau gelernt und bereits zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Dann habe ich gemerkt, dass ich etwas anderes machen will. Das Großartige am Handwerk ist die Kombination aus Theorie und Praxis.“ Warum sie sich für diesen Ausbildungsweg entschieden hat? „Mit diesem Modell findet man leicht in den Beruf und der Weg ist nicht so lang.“ Ein Pluspunkt, der ebenfalls für viele andere gilt, die hier einen zweiten Ausbildungsweg eingeschlagen haben. „Parallel wird auch noch die Zusatzausbildung zum Gebäudeenergieberater angeboten. Das Gesamtpaket bereitet uns darauf vor, in Zukunft einen Betrieb zu leiten.“

Duales Studium Bauingenieurwesen

Die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main hat 2013 ihre Initiative für den dualen Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen ins Leben gerufen und will damit das Beste aus zwei Welten verbinden: eine praxisorientierte Ausbildung zum Maler und Lackierer in einem zertifizierten Betrieb und ein zukunftssicheres Studium des Bauingenieurwesens mit dem Abschluss „Bachelor of Engineering an der Frankfurt University of Applied Sciences. „Wir haben ganz bewusst einen technischen Studiengang gewählt, da wir hier den größten Bedarf bei unseren Mitgliedsbetrieben sehen“, erklärt Felix Diemerling, Obermeister der Innung und Mitinitiator des dualen Studienangebots. „Gerade die größeren Unternehmen bieten heute Komplettsanierungen aus einer Hand an und da braucht es neben dem Malermeister oft schon einen Bauingenieur. Außerdem fehlen Bauleiter als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis auf der Baustelle, die auch Probleme gerade im Bestandsbau vor Ort lösen können.“ Die Initiative brachte einen weiteren Effekt: „Wir konnten unseren Beruf jetzt auch in den Gymnasien platzieren, ihn im richtigen Licht zeigen und signalisieren: Das ist ein Beruf, zu dem eine fundierte theoretische Ausbildung gehört, beispielsweise in Bauphysik oder Chemie. So konnten wir eine breitere Aufmerksamkeit für diesen Beruf gewinnen.“

Die ersten acht Monate verbringen die angehenden Studenten ab Herbst in ihren Betrieben, starten dann zum folgenden Sommersemester mit dem Studium. Während der vorlesungsfreien Zeiten sind die Studenten ebenfalls im Betrieb: „Weil sie nicht in die Berufsschule gehen, sind die dualen Studenten sogar etwas mehr im Betrieb als der klassische Auszubildende. Als Innung bieten wir als Ersatz an mehreren Samstagen eine Prüfungsvorbereitung für die Gesellenprüfung an.“

Tim Blumenauer absolviert sein duales Studium Bauingenieurwesen im Ausbildungsbetrieb Mensinger Malerwerkstätten in Frankfurt. Sein erstes Studium hat er abgebrochen: „Ich habe schnell festgestellt, dass das nicht das richtige für mich war. Während der Schulzeit habe ich schon in einem Malerbetrieb gejobbt. Diesen Beruf wollte ich mit dem Studium verknüpfen und habe von einem Kollegen von dem Angebot in meinem jetzigen Ausbildungsbetrieb erfahren.“ Der junge Student ist jetzt im dritten Ausbildungsjahr: „Dieses Frühjahr mache ich meine Gesellenprüfung. Danach läuft nur noch das Studium.“ Und wie empfindet er die Doppelbelastung? „Ich habe damit wenig Probleme, ich fand die Abwechslung von Praxis und Theorie eher cool. Außerdem hilft das praktische Wissen auch im Studium. Es gibt immer wieder Überschneidungen, man hat auf der Baustelle verschiedene Abläufe schon miterlebt, die dann in der Vorlesung theoretisch noch mal vorgetragen werden. Die Theorie wird greifbarer und man hat eine praktische Vorstellung davon, was der Professor meint.“ An der Hochschule in Frankfurt hat Blumenauer einen weiteren Vorteil dieses Studiengangs kennengelernt, den Austausch mit Studenten aus anderen Bauberufen. „Man kann Kontakte knüpfen und gewinnt Einblick, in welchen Bereichen man arbeiten kann.“ Welche Voraussetzungen sollte man aus seiner Sicht für dieses Studium mitbringen: „Auf jeden Fall Interesse am Handwerk. Mathematik und Physik sollten einem liegen und man braucht ein gewisses Durchhaltevermögen.“

Duales Studium BWL-Handwerk

Seit über 40 Jahren vertritt das Unternehmen Heinrich Schmid die Auffassung, dass Handwerk und Studium zusammenpassen. Das Unternehmen bietet Ausbildungsplätze für eine Vielzahl unterschiedlicher Studiengänge an verschiedenen Hochschulen an. Die Ausbildung beginnt mit einem Traineeprogramm, einer auf zwei Jahre verkürzten handwerklichen Lehre zum Maler- und Lackierergesellen, bei der die Berufsschulausbildung in einer für Abiturienten exklusiven Klasse stattfindet. Parallel dazu finden Weiterbildungsprogramme statt. Dazu Tim Friedrich von
der Führungsakademie bei Heinrich Schmid: „Die Abiturienten steigen direkt in das zweite Lehrjahr ein. Das Besondere bei uns ist, dass sämtliche Abiturienten mit einem Traineeprogramm starten. Sie werden in einer gesonderten Klasse in Reutlingen in Unterrichtsblöcken unterrichtet. So können wir sie parallel zur Ausbildung aufs Studium vorbereiten, bspw. mit speziellen Kursen in Mathematik. Außerdem fließen weitere Inhalte ein, die die jungen Leute später im Studium brauchen. Am Ende der zweijährigen Traineezeit schließen sie mit der klassischen Gesellenprüfung ab.“ Das duale Studium erfolgt direkt im Anschluss und findet über sechs Semester in wechselnden Theorie- und Praxisphasen an einer Partnerhochschule statt. „Zum Abschluss gibt es bei uns die Möglichkeit, einen Meisterbrief zu erwerben. Im Prinzip haben wir inzwischen sogar zwei Möglichkeiten in petto: Wenn jemand nicht gleich studieren will, kann er zuerst den Meisterbrief machen und dann ins Studium gehen.“

Laura Wiese hat sich direkt nach dem Abitur für das duale Studium BWL-Handwerk entschieden. „Neben dem Studium wollte ich auch Geld verdienen und Betriebswirtschaftslehre ist in jedem Unternehmen wichtig, das ist ein guter Grundstein“, waren ihre damaligen Überlegungen. Nach einem Praktikum bei Heinrich Schmid hatte sie sich schnell entschieden. „Mir hat es auf der Baustelle gut gefallen und ich bekam das Angebot für einen Ausbildungs- und Studienvertrag.“ Die verkürzte Gesellenausbildung hat sie bereits absolviert und im Oktober 2021 mit dem Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg angefangen. Sie profitiert von ihren praktischen Kenntnissen. „Für die betriebswirtschaftlichen Themen bringt man nicht direkt etwas mit, aber man kann vieles besser verstehen, da man weiß, wo es herkommt. Ohne die Praxiserfahrung wären viele Themen extrem trocken.“ Wiese würde sich wieder für diesen Studiengang entscheiden. „Es stehen einem viele Türen offen und man kann mit Betriebswirtschaftslehre in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten. In anderen Studiengängen ist ja meistens schon eine Richtung vorgegeben.“ Eine Änderung des Weges ist bei Laura Wiese nicht geplant. „Ich bleibe bei Heinrich Schmid, denn ich schätze meine Niederlassung und mein Unternehmen sehr und dass es auch Pläne für mich gibt. Mein Nahziel ist mein Studium fertig zu machen.“


PraxisPlus

Ausbau-Managerin/Ausbau-Manager Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade

Dualer Bachelor-Studiengang
Bauingenieurwesen

Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main

Duales Studium bei Heinrich Schmid


Laura Wiese, duale Studentin BWL-Handwerk

„Neben dem Studium wollte ich Geld verdienen und Betriebswirtschaftslehre ist in jedem Unternehmen wichtig“


Miriam Oeschger, auf dem Weg zur Ausbau-Managerin

„Das Gesamtpaket bereitet
uns darauf vor, in Zukunft
einen Betrieb zu leiten“


Tim Blumenauer, dualer Student Bauingenieurwesen

„Das praktische Wissen hilft
im Studium“

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