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Tapezier-Tipps: Untergrundprüfung

Folge 3
Tapezier-Tipps: Untergrundprüfung

Das Gelingen einer Tapezierung, ihre Dauerhaftigkeit und Optik hängen wesentlich von der Beschaffenheit des Untergrunds ab. Deshalb muss dieser vor Beginn der Arbeit gewissenhaft geprüft werden. Wie, das lesen Sie in der dritten Folge unserer Tapezier-Serie.

Lothar Steinbrecher

Die Prüfung des Untergrunds beschränkt sich auf erkennbare Mängel der Oberfläche, wie sie durch Augenschein sowie Benetzungs- und Kratzproben festzustellen sind. Die Grundregel heißt: der Untergrund muss trocken, trag- und saugfähig, sauber und glatt sein. Folgende Punkte sind zu beachten.
Feuchtigkeit
Bei Beton und Putz lässt sich Feuchtigkeit schon durch Augenschein an dunklen Verfärbungen erkennen. Doch auch wenn Putzflächen (z.B. in Neubauten) trocken erscheinen, muss mit einer gewissen Restfeuchte gerechnet werden. Um diese zu ermitteln, empfiehlt sich eine Folienprobe. Restfeuchtigkeit zeigt sich am nächsten Tag in Form von Kondenswasser hinter dem Folienstück, das mit Klebeband auf den zu tapezierenden Untergrund geklebt wurde. In diesem Fall muss die Feuchtigkeit vollständig abtrocknen. Darüber hinaus gibt es durch bautechnische Mängel verursachte Feuchtigkeit im Untergrund, z.B. aufsteigende oder durchschlagende Feuchtigkeit. Solche Mängel machen eine ordnungsgemäße Tapezierung von vornherein unmöglich.
Oberflächenfestigkeit
Über die Oberflächenfestigkeit gibt eine Kratzprobe mit einem spitzen Gegenstand Aufschluss. Die Kratzstelle darf bei mäßigem Druck nicht ausplatzen. Ebenso sollte die Druckprobe mit dem Daumennagel keine Druckstellen hinterlassen. Auch beim Abreiben mit der Handfläche darf kein wesentlicher Abrieb entstehen.
Kreidende Altanstriche
Sofern kreidende Altanstriche reversibel sind, kann man sie mit Wasser gründlich abwaschen. Alte Dispersionsfarben-Anstriche prüft man mit dem Klebeband-Test auf ihre Tragfähigkeit und entfernt sie gegebenenfalls. Ist ein Entfernen nicht möglich, sollten kreidende Altanstriche, wie andere nicht tragfähige Untergründe auch, mit einem geeigneten Grundiermittel gefestigt werden.
Saugfähigkeit
Die Saugfähigkeit des Untergrunds lässt sich relativ einfach durch Benetzen mit Wasser prüfen. Auf nicht saugenden Untergründen perlt das Wasser ab. Diese Untergründe müssen, wenn möglich, vor dem Tapezieren angeschliffen werden. Bei höherwertigen Tapeten sollte man außerdem eine Rollenmakulatur kleben. Ist die Saugfähigkeit zu hoch, nimmt der Untergrund das Wasser schneller auf, und es zeigt sich sofort eine deutliche dunkle Verfärbung.
Schimmel und Ausblühungen
Bei Schimmelpilzbefall und weißen Salzausblühungen muss zunächst die Ursache für den Schaden geklärt und gegebenenfalls beseitigt werden. Erst dann sollte eine Tapezierung erfolgen.
Alte Tapeten
Tapeten und andere Beläge müssen vor einer Tapezierung restlos entfernt werden. Ein Zusatz von Tapetenablöser im Wasser erleichtert das Entfernen. Das Wasser-Tapetenablöser-Gemisch lässt man intensiv einwirken, eventuell sollte man die Flüssigkeit mehrmals auftragen. Ein Zusatz von fünf bis zehn Prozent Kleister zum Einweichwasser kann hilfreich sein, weil dadurch die Feuchtigkeit länger auf der Tapete einwirken kann. Waschbeständige Tapetenoberflächen sollte man anschleifen oder mit einem Perforator „lochen“, damit das Wasser besser eindringen kann. Bei spaltbaren Wandbekleidungen darf das zurückgebliebene Trägerpapier nur übertapeziert werden, wenn es fest auf dem Untergrund haftet. Man prüft die Haftung, indem man das Trägerpapier an mehreren Stellen 10 bis 15 Minuten mit Wasser einweicht. Bilden sich keine Blasen, kann ohne Vorbehandlung darauf tapeziert werden.
Öl- und Lackfarbenanstriche
Alte Öl- oder Lackfarbenanstriche eignen sich ebenso wenig als Tapezier-Untergrund wie Schalöl auf Beton. Gerade bei spannungsstarken Tapeten können sich die Bahnkanten lösen, selbst dann, wenn zur Verklebung Dispersionsklebstoff verwendet wurde. Derartige Oberflächen sollten daher durch ein Anlaugemittel angeraut und anschließend mit klarem Wasser nachgewaschen werden. So erhält man eine griffige, saubere Oberfläche. Bei glatten, tragfähigen, aber sehr saugfähigen Untergründen wird mit verdünntem Normal- oder Spezialkleister vorgekleistert. Das Vorkleistern eignet sich nicht für sandende Putze.
Streichmakulatur
Bei leicht rauen Putzen kann eine Streichmakulatur die Putzstruktur sowie die Saugfähigkeit egalisieren. Das gilt jedoch nur, wenn leichte bis mittlere Papiertapeten geklebt werden sollen. Die Streichmakulatur wird in einen trockenen Eimer gegeben, mit der vorgeschriebenen Wassermenge gleichmäßig vermischt und nach etwa 20 Minuten Quellzeit mit der Deckenbürste gleichmäßig auf den Untergrund aufgetragen.
Tapetenwechselgrund
Ein Tapetenwechselgrund ermöglicht, dass die Tapete bei späteren Renovierungen mühelos und trocken, bahnenweise oder zumindest in großen Stücken, abgezogen werden kann. Das Grundieren mit einem Tapetenwechselgrund erweist sich – gerade bei wasser- bzw. waschbeständigen und hochwaschbeständigen Tapeten – als sinnvoll und kostensparend, zumal diese Vorbehandlung auch nach mehrmaligem Tapetenwechsel ihre Wirkung behält.
Grundiermittel
Grundiermittel werden zur Verfestigung der Oberfläche, z.B. bei sandenden Putzen, eingesetzt. Wasserbasierte Grundiermittel eignen sich für fast alle Untergründe; lediglich Holzwerkstoffe sollten mit lösungsmittelhaltigen Grundierungen behandelt werden.
Grundiermittel sollen
  • in den Untergrund eindringen, starke Saugfähigkeit mindern, unterschiedliche Saugfähigkeit egalisieren,
  • für nachfolgende Tapezier- und Klebearbeiten eine gute Haftung gewährleisten,
  • leicht sandende Putze festigen,
  • auf Gipskartonplatten ein Aufweichen der Kartonoberfläche verhindern, damit sich später die Tapete leichter ablösen lässt,
  • den Untergrund jedoch nicht absperren.
Absperrmittel
Das Durchschlagen löslicher Bestandteile des Untergrunds auf die Tapete verhindern Absperrmittel. Sie nehmen dem Untergrund die Saugfähigkeit und werden deshalb nur bei kleineren Flächen eingesetzt. Punktuell kann man bei Flecken oder Metallteilen in der Wand alternativ durch das Verkleben von Alufolie den gleichen Effekt erzielen. Großflächig ist das Problem nur mit spaltbaren Rollenmakulaturen zu lösen.
Haftbrücken
Haftbrücken bestehen aus einem gefüllten, streichfähig eingestellten Dispersionsklebstoff, bei dem durch spezielle Zuschlagstoffe die Griffigkeit erhöht ist. Haftbrücken verbessern die Tapezierfähigkeit sehr glatter Untergründe, wie z.B. glatter Untertapeten. Bei farblich stark unterschiedlichen Untergründen verwendet man pigmentierte Tapeten-Grundfarbe, die einen gleichmäßig hellen Untergrund schafft.
Spachtelungen
Bei rauen Untergründen müssen zunächst lose Sand- und Putzkörner abgeschabt werden. Das anschließende Spachteln ist eine wichtige Voraussetzung für die fachgerechte Tapezierung, vor allem bei sehr glatten und glänzenden Tapetenoberflächen. Dafür sind am besten gipshaltige, neutrale Spachtelmassen geeignet. Die Anzahl der Spachtelungen hängt von der Rauigkeit der Fläche ab. Durch seitliches Ausleuchten mit einer Handlampe kann geprüft werden, ob die gespachtelten Flächen noch Unebenheiten aufweisen.
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