Aus- und Weiterbildung

Architektur- und Farbplanung

Teil 1: Der Architekt als Partner.

Prof. Matthias Gröne, HS Esslingen

Besprechungen in gestalterischen und technischen Fragen, die Aufmaß-Problematik und die Angebotserstellung, die Abrechnungsprüfungen und auch die Baustellenüberwachung – all dies sind Themen, die im Alltagsgeschäft einen wesentlichen Raum einnehmen. Für diese Bereiche ist der Architekt oder der Fachingenieur direkter Ansprechpartner des Unternehmers. In unserer neuen Serie „Architektur- und Farbplanung“ werden die Aufgaben und die Zuständigkeitsbereiche dieser Berufsgruppen in Bezug zum Maler- und Lackiererhandwerk hinterleuchtet und Klarheit in Begriffe und Formulierungen gebracht, die heute zum Fachvokabular im Umgang mit Architektur und deren Berührungsbereiche gehören.
Im Jahr 1967 gründete der Hochschullehrer Prof. Jürgen Jödicke an der Universität Stuttgart das Institut für Grundlagen der modernen Architektur. Dieses Institut war das erste Institut in Deutschland, welches sich mit der Thematik „Architekturtheorie“ auseinandersetzte. An seinem Institut wurden Erhebungen gemacht, welche Leistungen ein Architekt zu erbringen hat und wie sich das Berufsbild eines Architekten heute darstellt. Bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts sprach man eigentlich immer nur vom sogenannten Baumeister, einem Allround-Genie, welches alle Baugewerke kannte und ein Bauvorhaben planen und leiten konnte. In der Regel hatte der Baumeister den Beruf des Maurers oder Zimmermanns gelernt.
Heute ist der Architekt der Hauptansprechpartner des Malers und Lackierers auf der Baustelle, sei es bei neuen Bauvorhaben oder bei der Renovierung und der Erhaltung alter Bausubstanz. Wie aber gliedert sich der Bereich der Architektur in der Praxis, welche Aufgaben kommen wem zu und wer ist für welches Aufgabengebiet zuständig?
Drei Prinzipien
Der Begriff „architectura“ kommt aus dem lateinischen und heißt übersetzt Baukunst. Nach dem römischen Baumeister und Architekten Vitruv beruht die Architektur auf drei Prinzipien, nämlich der Stabiliät (Firmitas), der Nützlichkeit (Utilitas) und der Anmut (Venustas). All diesen drei Kategorien soll bei der Umsetzung eines Bauvorhabens gleichmäßig Rechnung getragen werden. Übersetzen wir diese Prinzipien auf die heutige Anwendung heißt das, ein Gebäude muss die statischen Grundvoraussetzungen erfüllen. Statik bedeutet Stabilität – ein Gebäude soll in erster Linie stabil und fest stehen! Weiterhin muss es für die Bedürfnisse des Nutzers funktional sein. Es stellt sich bei jedem Objekt immer die Frage nach Sinn und Zweck und somit nach der Funktion des zu erstellenden Objektes. Schließlich soll jedes Objekt einem besonderen ästhetischen Anspruch dienen, von Vitruv mit dem Begriff Anmut oder Schönheit bezeichnet. Die Aufgaben des Maler- und Lackiererhandwerks sind sicher in erster Linie im Bereich der Schönheit und Ästhetik zu definieren, denn Farbe hat immer mit dem Aspekt des Schönen und Ästhetischen zu tun. Nicht weniger aber liegen die Aufgaben im Bereich der Stabilität, denn eine besondere Aufgabe dieses Berufsbildes liegt im Sachwertschutz, beispielsweise im Bauten- und Korrosionsschutz. Beiträge zur Funktionalität erfolgen durch Leitsysteme, Farbleitkonzepte und andere unterstützende Funktions- und Orientierungshilfen mit dem gestalterische Mittel Farbe.
Fünf Fachgebiete
Im Laufe der Geschichte hat sich das Berufsbild des Architekten sehr gewandelt. Sprach man früher von einem Baumeister, der sich für ein gesamtes Bauwerk verantwortlich zeigte, haben wir heute ein sehr differenziertes Berufsbild des Architekten, welches sich an den Architekturhochschulen durch verschiedene Studiengänge darstellt. Neben dem planenden und ausführenden Architekten stehen Städte- und Landschaftsplaner, wie auch Innenarchitekten und Tiefbauer und Statiker. Die Architektur gliedert sich heute in fünf Fachdisziplinen: Den Hochbau, den Tiefbau, den Städtebau, die Innenarchitektur und den Landschaftsbau. Disziplinen, die direkt mit dem Maler- und Lackiererhandwerk Berührung haben sind in erster Linie wohl der Hochbau, die Innenarchitektur und eventuell vereinzelt noch der Städtebau. Der Hochbau befasst sich mit der Planung und der Errichtung von Bauwerken, die an oder über der Erdoberfläche liegen (inklusive Kellerausbauten), der Tiefbau mit allem, was unter der Erdoberfläche liegt wie z. B. Kanalisation, Straßenbau, Tunnel- und Rohrleitungsbau. Der Städtebau befasst sich mit der Gliederung unserer Flächenressourcen und der Einrichtung von Siedlungen und Gebäudegruppen im öffentlichen Raum. Unter Innenarchitektur versteht man das Planen und das Umsetzen von Gestaltungsvorschlägen innerhalb eines Gebäudes. Die Landschaftsarchitektur schließlich ist eine Planung, die nicht die Gebäudearchitektur sondern die Freiraumplanung von sogenannten nicht bebautem Raum betrifft.
Gehen wir chronologisch vor, so steht vor der eigentlichen Gebäudeplanung und der Objektrealisierung zunächst eine Raumordnung auf städtebaulicher Ebene. So kann sich ein Betrieb nicht einfach auf der grünen Wiese ansiedeln. Städte und Gemeinden weisen bestimmte Flächen in einer Gemeinde oder Landschaftsflächen am Rande einer Gemeinde aus und legen für diese ganz bestimmte Nutzungen fest. Wir sprechen dann von einem Flächennutzungskonzept.
Stadtbaugeschichte und Raumordnung sind die ältesten historischen Baudisziplinen in allen Teilen der Welt, sei es in China, Ägypten, Mesopotamien und Rom oder auch in Südamerika. Viele unserer heutigen deutschen Städte beruhen auf römischen Stadtgründungen wie z.B die Städte Köln, Trier, Aachen oder Xanten am Rhein. Das Berufsbild des Städtebauers und Raumplaners ist ein erster fachspezifischer Teil der Architektur – ein Fachbereich, der in der nächsten Folge genauer betrachtet wird.

praxisplus
Auf dem Gelände der einstigen Römerstadt Colonia Ulpia Traiana lädt der LVR-Archäologische Park Xanten, Deutschlands größtes archäologisches Freilichtmuseum, zu einem anregenden Ausflug in die Geschichte ein und zeigt seinen Gästen auf anschauliche Weise die Welt der römischen Stadt. Zugleich ist der APX die bedeutenste Forschungseinrichtung zur römischen Archäologie nördlich der Alpen.

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