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„Bazooka“ auch bezahlbar?

Betrieb & Markt
„Bazooka“ auch bezahlbar?

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Foto: Florian Kunde / Adobe Stock

„Bazooka“, eigentlich eine amerikanische Abwehrwaffe, steht schon seit Beginn der Pandemie im politischen Sprachgebrauch für die Abwehr von Unbill. Dr. Hugo Müller-Vogg, lange Jahre Mitherausgeber der FAZ und jetzt freier Publizist, berichtet im letzten seiner periodisch erscheinenden Kommentare, wie breit „Vater Staat“ – er nennt diesen Begriff typisch deutsch – inzwischen mit „Bazooka“ streut und bezeichnet das zutreffend mit „Vollkaskoversicherung“. Als nur einige der vielen Beispiele nennt er die Coronahilfen auch für Firmen, die vorher schon nicht überlebensfähig waren und befürchtet, dass wir uns an temporär gedachte Unterstützung wie die Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitsgeldes oder die Übernahme der Wohnkosten für Hartz-IV-Empfänger, ohne Berücksichtigung von Größe, Ausstattung und ggf. vorhandener Vermögen, gewöhnen und dass ständig neue Forderungen dazukommen, wie zuletzt die nach Befreiung von den Rundfunkgebühren für alle. Sein Fazit: „Vater Staat“ ist zu fürsorglich und gibt mehr aus als er hat. Gute Väter, so sagt er, bringen ihren Kindern früh bei, dass das nicht gut geht und sie irgendwann dafür bezahlen müssen. Stellt sich die Frage: Ist „Vater Staat“ ein guter oder ist er ein zu gutmütiger?

Nachtrag: Fix und fertig? Nein, hier noch die neueste Ausgabe des Arbeitsministers: Ein jährliches „Klimageld“ als Ausgleich für Preissteigerungen. Auch das sicher noch steigerungsfähig.

Ins Schwarze getroffen

Reparierer ohne Reputation – so könnte man das Image des Handwerks beschreiben. Das ist nicht nur für die Gewinnung von Nachwuchs fatal. Aber einige aktuelle Aktionen machen Hoffnung: Unübersehbare kreative Werbeaktionen neuer Art, interessante Ausstellungen, zum Beispiel derzeit in Frankfurt „Mythos Handwerk“ und Veranstaltungen auf hohem Niveau zu gesellschaftlich relevanten Fragen, wie zuletzt von „Handwerk trifft …,“ eine Live-Talkshow der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main zur Frage, ob unsere Gesellschaft noch Religion braucht. Das diskutierten in ganz großem Rahmen der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing und Michael Friedmann. Noch ist unsere Reputation imaginär – aber gezielte Aktionen wie „Handwerk trifft …“ treffen ins Schwarze.

Sanierungsführerschein

Nachweisen muss man ihn natürlich nicht, den Sanierungsführerschein, aber vorzeigen, zum Beispiel im Rahmen der betrieblichen Werbung, kann man ihn schon. Und als Geschenk an Kunden kann ich ihn mir auch vorstellen. Der Sanierungsführerschein ist ein neues kostenpflichtiges Produkt, das die überregionale Frankfurter Volksbank im Rahmen einer „Mehrwert-Initiative“ anbietet und über die Bankomaten unübersehbar bewirbt. Die virtuellen Bausteine Finanzierung, Förderung, Recht, Energieberatung, werden mit vielen Tipps und nützlichen Empfehlungen rund um die Immobilie durch Interviews mit Experten und Checklisten vermittelt – und einen Abschlusstest gibt es natürlich auch. Das Bankangebot richtet sich zwar primär an Kunden – aber wir sollten in Sanierungsfragen nicht weniger kundig sein als diese.

Es ist zu erwarten, dass weitere Institutionen mit ähnlichen Aktionen nachziehen. Und wir dürfen mit unserem Know- how keine Nachzügler sein.

Radio für Renovierer

Da ist sie schon, die nächste Initiative: „Colour your life“, das Radioprogramm von Brillux, mit Beiträgen zum Renovieren und Sanieren, dazu rund um die Uhr Nachrichten aus aller Welt und Musik. Kunden werden’s hören. Hören Sie mit!

Schäden vorhersehen

Was für eine Idee, die Andreas Bechmann, Zehnkampf-Europameister der Junioren, da an den Start gebracht hat: „Preventino“, ein Unternehmen, das Schäden an Gebäuden voraussagt, sodass prophylaktisch gehandelt werden kann und Schäden erst gar nicht entstehen. Und das allein mithilfe von Immobiliendaten, Algorithmen und künstlicher Intelligenz, also ohne eigene Sensorentechnik. Schon haben Investoren das Start-up in Millionenhöhe unterstützt, und Deutschlands größtes Immobilienunternehmen zählt bereits zu seinen Kunden. Auch Betrieben, die energetisch modernisieren, könnten ein paar „Trainingseinheiten“ mit diesem Mehrkämpfer sicher nicht schaden. Algorithmen und künstliche Intelligenz als künftige „Werkzeuge“ am Bau – auch das lässt sich nämlich vorhersehen.

Montagsmaler ausgezeichnet

Ausgezeichnet sind sie ausnahmslos alle, die jungen Malerinnen und Maler, einige noch in der Lehre, andere schon mit Gesellenbrief, die montags nach Feierabend den Förderlehrgang der Innung Rhein-Main besuchen. Und ganz ausgezeichnet auch die kreativen Arbeiten, die sie unter Anleitung von Norbert Dehmel dort machen. Jetzt waren erstmals einige davon für eine Dauerausstellung bei den Einkaufsgenossenschaften auszuwählen. Für die vierköpfige Jury keine leichte Aufgabe. Alle Arbeiten beeindruckten durch hohe gestalterische und technische Qualität, auf andere traf darüber hinaus schon zu, dass Kunst bisweilen gesteigertes Handwerk ist. Auch wenn’s nur für die ausgewählten Arbeiten Geldpreise gab, preiswürdig waren sie alle. Diese Montagsmaler sind spitze – leider nicht die Spitze eines Eisbergs.

Keiner will Chef

Es fehlt nicht nur Nachwuchs – es fehlen auch Nachfolger. Nicht nur bei uns. Auf die Frage: „Wäre Chef ein Job für Dich?“ antworten immer mehr: Danke, ohne mich“. Nach der neuesten Umfrage der „Initiative Chefsache“ streben nicht mal mehr 30 Prozent der Beschäftigten und Studierenden eine Führungsposition an. So wenige waren es noch nie. Um Verantwortung zu übernehmen, Mitarbeiter zu führen und Risiko zu tragen, fehlt zu vielen der Mut. Das endet nicht gut.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de

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