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Arbeits- und Gesundheitsschutz: Eigenverantwortung fördern

Arbeits- und Gesundheitsschutz
Eigenverantwortung fördern

Arbeits- und Gesundheitsschutz
Die systemintegrierte, vorlaufende Geländermontage Fassadengerüst bietet hier hohe Sicherheit. Die integrierten Gerüstknoten ermöglichen eine einfache Umbauung der Balkonvorsprünge und den Anschluss der Treppenaufgänge. Foto:Peri
Effektiver Arbeits- und Gesundheitsschutz braucht sowohl technische als auch organisatorische und personelle Maßnahmen, um Arbeitsunfälle bei der Höhenarbeit zu reduzieren.

Fotos: Peri

Die seit letztem Jahr aktualisierte TRBS 2121–1 sieht vor, dass jeder Arbeitgeber vor dem Gerüstgebrauch durch seine Beschäftigten eine Inaugenscheinnahme und erforderlichenfalls eine Funktionskontrolle durchzuführen hat bzw. durchführen lässt. Dies gilt auch, wenn das Gerüst von mehreren Unternehmern (Gewerken) gleichzeitig oder nacheinander genutzt wird. Dennoch lässt sich auf Baustellen immer wieder beobachten, wie riskant mit der Arbeitssicherheit auf Gerüsten umgegangen wird, um z. B. eine Fassade neu zu streichen oder eine Wärmedämmung aufzubringen. Oft werden am Gerüst für den Materialtransport oder für den Zugang zu bestimmten Fassadenbereichen die Gerüstverankerungen demontiert, Beläge ausgehoben oder Teile des Seitenschutzes geöffnet. Das birgt nicht nur statische Risiken sondern erhöht vor allem die Absturzgefahr. Ein unachtsamer Umgang mit dem Thema Arbeitsschutz resultiert leider nicht selten in schweren Verletzungen oder gar Todesfällen.

Arbeits- und Gesundheitsschutz: verhaltensbasierte Arbeitssicherheit

Nach Feststellung von Prof. Dr. Christoph Bördlein, Allgemeine und Klinische Psychologie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), liegt der prozentuale Anteil „verhaltensbedingter“ Unfälle mittlerweile zwischen 76 % und 90 %. (1) „Je mehr man sich um die technischen Aspekte der Arbeitssicherheit bemüht, desto geringer wird die Gesamtzahl der Unfälle. Desto höher wird aber auch der relative Anteil, den menschliches Verhalten am Zustandekommen eines Unfalls hat. Die Ursache eines Unfalls ist heutzutage fast immer das Verhalten eines oder mehrerer Mitarbeiter, unabhängig davon, ob nun die Bedingungen unter denen gearbeitet wurde, eher sicherheitsfördernd oder eher unsicher waren“, schreibt Prof. Dr. Bördlein in seinem Buch ‚Verhaltensbasierte Arbeitssicherheit – Behavior Based Saftey‘. Nach seinen Ausführungen gehen Menschen im Arbeitsalltag bewusst Risiken ein. Sichere Verhaltensweisen haben oft unmittelbar negative Konsequenzen, sind zum Beispiel aufwändiger für die Betroffenen, und führen erst langfristig zu positiven Ergebnissen durch die Vermeidung von Unfällen. Während auf Fehlverhalten bis heute viel zu häufig mit Kontrollen, Belehrungen und Bestrafungen reagiert wird, propagiert Bördlein den „Behavior Based Saftey“-Ansatz, kurz BBS. Dabei geht es nicht mehr um das Bestrafen von riskantem Verhalten, sondern darum, dass sich sicheres Verhalten für die Betroffenen lohnt: „Menschen verhalten sich dann freiwillig und gerne sicher, wenn sie erleben, dass dies anerkannt wird.“ Definieren von Verhalten und / oder Ergebnissen (Zuständen), Beobachten, Feedback geben, Ziele setzen und die sicheren Verhaltensregeln positiv verstärken sind die Kernbestandteile dieses Konzeptes, dass sich in der Praxis auch so bewährt hat. In der betrieblichen Umsetzung eines Gerüstbauunternehmens liegen die Vorteile von „Behaviour Based Safety“ auf der Hand. Alle notwendigen Methoden und Instrumente zur Erhöhung der eigenverantwortlichen Sicherheit im Unternehmen bzw. bei Auf- und Abbau sowie Nutzung von Gerüsten können selbst entwickelt werden. Dabei lassen sich die betriebsspezifischen Gegebenheiten unter Einbeziehung der Mitarbeiter berücksichtigen und führen zu erhöhter Motivation durch Teambildung. Das gegenseitige aufeinander Achten unterstützt kontinuierliche Verbesserungsprozesse im Unternehmen und kann die Unfallrate dauerhaft senken. Der Return on Investment (ROI) zeigt sich durch geringeren Krankenstand, besseres Betriebsklima und in einer höheren Wirtschaftlichkeit des Malerbetriebs.

Sicherheit integrieren

Sicherheitsprobleme sollen wo und wann immer möglich direkt an der Gefahrenquelle gelöst werden. Deshalb haben technischem Sicherheitsmaßnahmen stets Vorrang vor organisatorischen oder persönlichen Schutzmaßnahmen. Drei sicherheitstechnische Aspekte standen bei der Entwicklung des Peri Up Gerüstsystems besonders im Vordergrund, da bei ihnen konstruktive Schwächen schnell zu Unfällen oder Gesundheitsschäden führen können: das Bauteilgewicht, der Seitenschutz und die Gerüstbeläge. Im Zusammenspiel mit achtsamer Eigenverantwortung der Gerüstnutzer in verantwortungsvollen Teams lassen sich mit dem Peri Up Gerüst auf diese Weise sichere Arbeitsplätze mit deutlich reduzierten Unfallgefahren schaffen. Um eine erfolgreiche Präventionskultur dauerhaft im Baustellenalltag und auf dem Gerüst zu implementieren gibt es inzwischen viele Ansätze von der regelmäßigen Schulung der Betroffenen, der Verschärfung von gesetzlichen Regeln, der technischen Optimierung von Gerüstbausystemen bis hin zur Androhung von Bestrafungen von Fehlverhalten. Dabei ist die einfachste Lösung doch die, welche erst gar nicht zu Unfällen führen kann.

Quelle: Prof. Dr. Christoph Bördlein, Einführung in die Verhaltensanalyse (behavior analysis), 2016


Prof. Dr. Christoph Bördlein

Die Ursache eines Unfalls ist heutzutage fast immer das Verhalten eines oder mehrerer Mitarbeiter.



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