Grundlagen Malerblatt Wissen

Nachunternehmer

Welche Chancen und Risiken birgt der Einsatz von Nachunternehmern?

Es ist heute im Handwerk weit verbreitet, dass für bestimmte Auftragspositionen oder Teilleistungen andere Unternehmer beauftragt werden.

Für den Einsatz von Nachunternehmern spricht eine ganze Reihe von Gründen:

1. Das Unternehmen verfügt nicht über die notwendigen Fach- oder Spezialkenntnisse.

2. Das Unternehmen verfügt kurzfristig nicht über die nötigen Kapazitäten.

3. Das Unternehmen will sich mittelfristig seine Flexibilität erhalten, beispielsweise um weitere Aufträge annehmen zu können.

4. Durch den Nachunternehmereinsatz können Kostenvorteile entstehen.

Beim Einsatz von Nachunternehmern sind jedoch nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken zu beachten. Nachfolgend werden die wesentlichsten Risiken kurz skizziert1).

1. Schwarzarbeit: Nachunternehmer, die ein stehendes Gewerbe nach Anlage A der Handwerksordnung (HWO) ausüben, müssen beim Gewerbeamt gemeldet und in die Handwerksrolle eingetragen sein. Tipp: Immer Kopie der Handwerkskarte bzw. des Gewerbeausweises vorlegen lassen. Für zulassungsfreie Handwerke wie Fliesenleger und handwerksähnliche Gewerbe reicht die Gewerbeanmeldung (Gewerbeausweis).

2. Es besteht kein Nachunternehmerverhältnis: Ein echtes Nachunternehmerverhältnis liegt nur dann vor, wenn ein eigenständiger Werkvertrag mit konkret umrissenem Leistungsumfang sowie Gewährleistungsansprüchen besteht. Die Mitarbeiter des Nachunternehmers dürfen auch nicht in die Organisation des Hauptunternehmers eingebunden sein und von diesem keine Weisungen erhalten.

3. Haftung des Handwerkers für Mängel und für Schäden seines Nachunternehmers

4. Selbstausführungspflicht des Auftragnehmers nach § 4 Abs. 8 VOB/B: Bei einem VOB-Vertrag ist die Weitergabe von Leistungen an Nachunternehmer nur mit schriftlicher Zustimmung des Auftraggebers möglich.

5. Haftung für Mindestlöhne und Mindestarbeitsbedingungen: Der Hauptunternehmer (Auftraggeber) haftet wie ein Bürge (selbstschuldnerisch) für die Einhaltung der entsprechenden Mindestlöhne durch seine Nachunternehmer.

6. Haftung für Sozialversicherungsbeiträge: Für die Abführung der Sozialversicherungsbeiträge durch den Nachunternehmer (NU) haftet der Hauptunternehmer immer selbstschuldnerisch, wenn der geschätzte Gesamtwert aller für ein Bauwerk in Auftrag gegebenen Bauleistungen mindestens 275.000,00 € beträgt. Er ist jedoch von der Haftung befreit, wenn er nachweist, dass er ohne eigenes Verschulden davon ausgehen konnte, dass der Nachunternehmer seine Zahlungspflicht erfüllt (§ 28e SGB IV).

7. Haftung für Beiträge zur SOKA-BAU: Für alle Unternehmen des Baugewerbes bzw. für Unternehmen, die überwiegend Leistungen aus dem Bauhauptgewerbe erbringen (z. B. Stuckateure, Trockenbauer) besteht eine Pflichtmitgliedschaft bei der SOKA-BAU. Hauptunternehmer aus dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe haften selbstschuldnerisch für die korrekte und vollständige Abführung der Sozialkassenbeiträge ihrer SOKA-BAU-pflichtigen Nachunternehmer, auch für ausländische. Allerdings verzichtet die SOKA-BAU auf die Inanspruchnahme des Auftraggebers, wenn sein Nachunternehmer präqualifiziert ist.

1) Eine ausführliche Darstellung aller wesentlichen Risiken und Maßnahmen zu deren Reduzierung in Eberhard Schilling, Auftragsabwicklung, DVA München 2018, zu beziehen beim malerblatt-medienservice.

Quelle: Malerblatt 10/2018

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