Interview Malerblatt Wissen

Felix Diemerling

Die Malerinnung Rhein-Main blickt auf ein spannendes Jahr 2016 zurück. Felix Diemerling zieht im Gespräch mit dem Malerblatt ein Fazit.

Er sprach über die Vielfältigkeit des Malerhandwerks und die Herausforderungen im Bereich Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung.

Felix Diemerling, Geschäftsführer Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main


Malerblatt: Herr Diemerling, was macht für Sie persönlich das Malerhandwerk aus?

Diemerling: Es ist äußerst vielfältig. Leider wird es von der Öffentlichkeit nicht immer so wahrgenommen. Es hat viel Potenzial für kreative Gestaltung, das wir allerdings deutlich besser nutzen sollten, als wir es bisher tun.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Potenzial besser zu nutzen?

Wir stellen fest, dass unsere Handwerker immer mehr zu Verarbeitern industrieller Fertigprodukte werden – diesen Trend müssen wir umkehren. Wir sollten uns wieder auf unsere handwerklichen Stärken besinnen. Es ist wichtig, dass der Maler beispielsweise eine Lasur in kleinen Mengen anrühren kann. Auch die unterschiedlichen Gestaltungstechniken bieten viel Raum für eigene Kreativität. Die Vorgesetzten haben dabei eine Vorbildfunktion gegenüber den Mitarbeitern. Erst wenn die Handwerksqualität stimmt, können die Betriebe diese Techniken anbieten und richtig umsetzen.

Wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken: Was waren die wichtigsten Aktionen?

Direkt am Anfang des Jahres haben wir unsere Ausbildungshilfen eingeführt. Hier lautet der Slogan „Von Unternehmern für Unternehmer“. In den Ordnern haben wir Themen zur Ausbildung zusammengefasst: Von „A“ wie „Auszubildende finden“ bis „Z“ wie „Zwischenprüfung“. Hier werden grundsätzliche Fragen beantwortet: z. B. „Wie finde ich den richtigen Azubi? Wie gestalte ich ein Praktikum oder den ersten Ausbildungstag? Wie kann ich Ausbildungsgespräche führen?“. Wir haben hier auch das Mittel der Lehrlingsbaustelle beschrieben und geben Hilfestellung, wie man diesen wichtigen Ausbildungsbaustein als Betrieb umsetzen kann (siehe Malerblatt Ausgabe 08/16 „Azubis bringen Farbe ins Spiel“). Der Ausbildungshilfe-Ordner soll auch zukünftig weiterentwickelt werden. Wir wollen die Maler dabei unterstützen, die Ausbildungsqualität in den Betrieben zu verbessern.

Die Malerinnung Rhein-Main ist 2016 verstärkt gegen Firmen vorgegangen, die Malerarbeiten anbieten, ohne eine entsprechende Eintragung in der Handwerksrolle des Maler und Lackierers zu haben. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Wir prüfen, wenn ein Verdacht besteht. Diese Fälle bekommen wir in der Regel von unseren Mitgliedern gemeldet. Darauf kontrollieren wir, ob der Betrieb in der Handwerksrolle eingetragen ist. Ist das nicht der Fall, wird dieser abgemahnt. Die entsprechenden Betriebe werden angeschrieben, sie müssen eine Unterlassungserklärung abgeben. Hiermit verpflichten sie sich bei erneuter Werbung oder für die Ausführung von Malerarbeiten 1.500 Euro Strafe zu bezahlen. Das führen wir sehr konsequent durch. Wir haben in diesem Jahr rund 140 Betriebe abgemahnt.

Was passiert, wenn die Betriebe nicht auf die Abmahnung reagieren?

Erstmalig haben wir in diesem Jahr drei größere nicht eingetragene Betriebe, die nicht auf unsere Abmahnung reagierten, verklagt und in erster Instanz gewonnen. Das war ein wichtiger Schritt, da es nicht wenige Leute in der Handwerkslobby gab, die uns von der Klage wegen angeblich schlechter Prozesschancen abrieten. Aber wir haben den Prozess durchgezogen und gewonnen. Ich sehe das als ein sehr gutes Zeichen für unser Handwerk und gegen die häufig anzutreffende Mutlosigkeit in der Handwerksorganisation.

Kommen wir zum Jahr 2017: Welche Aktionen sind geplant?

Der 16. Januar war für unsere Betriebe in der Rhein-Main-Region sicherlich ein Meilenstein, weil wir unser Aus- und Weiterbildungszentrum mit angeschlossener Geschäftsstelle in Frankfurt be-zogen haben. In Sachen Nachwuchswerbung ergeben sich damit ganz neue Möglichkeiten. Wir richten unter anderem einen Förderkurs ein: „Die Montagsmaler“. Dort bringen wir jungen Malern traditionelle Techniken bei – wie Vergolden, Illusionsmalerei, aber auch einfache Dinge wie gerade Striche ziehen. Die Maler werden ihren Beruf durch das (Wieder-)Erlernen alter Handwerkstechniken mit größerem Selbstbewusstsein ausüben – davon bin ich überzeugt.

Welche Maßnahmen haben Sie zur Nachwuchsgewinnung vorgesehen?

Wir veranstalten eine „Bewerberwoche“, bei der wir als Innung für Mitgliedsbetriebe potenzielle Bewerber testen – sowohl theoretisch als auch praktisch. Diese Veranstaltung dauert fünf Tage, am letzten Tag werden die geeigneten Bewerber mit teilnehmenden Betrieben im Rahmen eines Speed-Datings zusammengeführt und können Praktika vereinbaren. „Die Bewerberwoche“ möchten wir im März testen. Bewährt sich das Konzept, soll sie drei bis vier Mal im Jahr stattfinden. Wir versprechen uns von der Maßnahme qualifiziertere Bewerber. Hier arbeiten wir auch mit zwei Schulen aus der Umgebung zusammen sowie mit der Agentur für Arbeit und vielen anderen Anbietern aus dem Sektor Berufsberatung und -vermittlung.

Haben Sie auch Aktionen geplant, die speziell betriebswirtschaftliche Belange betreffen?

Ja, wir wollen die Betriebe vor allem bei der Optimierung ihrer Auftragsvorbereitung unterstützen. Letztes Jahr hatten wir dazu ein Seminar mit Olaf Ringeisen angeboten, der ein hilfreiches System entwickelt hat. Einige Betriebe setzten das System bereits erfolgreich um. Daher bieten wir dieses Seminar 2017 wieder an, um weiteren Betrieben die Möglichkeit zu geben, an diesen Erfahrungen teilzuhaben.

Sie sprachen gerade davon, dass sie Handwerksbetriebe auch bei der Auftragsvorbereitung unterstützen. Inwieweit greifen Sie hierbei Themen der Digitalisierung auf? Denken wir z. B. an Aufmaß-Apps, Farbkonfiguratoren, Social Media und digitale Ressourcenplanung.

Für die Ablaufoptimierung sind diese Elemente sehr hilfreich. Vor allem in puncto Ressourcenplanung gibt es bereits sehr gute Software. Wir planen als Innung keine besonderen Aktivitäten. Aber wir bieten Unterstützung und Beratung an. Daneben werden wir eine Kampagne für unser Duales Studium starten. Über verschiedene soziale Kanäle möchten wir die Kampagne, die zurzeit noch in Entwicklung ist, bewerben. Als Innung möchten wir dabei zuerst selbst mehr Erfahrung sammeln, die wir an unsere Betriebe weitergeben möchten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Carola Neydenbock.

Foto: Privat

Quelle: Malerblatt 3/2017

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