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Marktchance WDVS

Wir haben Branchenplayer gefragt wie eine Marktbearbeitung des Dämmstoffmarktes zukünftig aussehen kann. Hier ihre Antworten.

Die Dämmbranche leidet unter Rückgängen. Grund dafür ist nicht nur kurzfristiges Denken aufgrund des momentan günstigen Ölpreises. Besonders die nicht immer sachlich geführte Diskussion um mangelnden Brandschutz bei WDVS hat Bauherren sensibler gemacht. Ein direktes Resultat dieser Entwicklung ist die Hervorhebung der Qualitätssicherung im Handwerk. Wie sich auf der FAF in München gezeigt hat, gibt es darüber hinaus Vorstöße in weitere Richtungen, Bauherren eine Fassadendämmung mit WDVS wieder näher zu bringen. Denn nach wie vor bietet dieses Marktsegment viel Potenzial, sowohl in der Sanierung wie auch im Neubau. Hier die Statements wichtiger Marktteilnehmer zu dieser Thematik.


Argumentation versachlichen

Die lange und oft unfair geführte Negativdiskussion in den Medien beginnt langsam, sich zu versachlichen. Was nicht heißt, dass es die kritischen Stimmen zum Thema WDVS nun nicht mehr gibt. Mit sachlicher und unaufgeregter Argumentation ist es Herstellern, Verbänden oder dem „Qualitätsgedämmt e.V.“ gelungen, viele Vorurteile zu widerlegen und wichtige Themen zu besetzen.
Ein Beispiel ist der Vorbehalt, gedämmte Fassaden im Wohnbereich führten zu Schimmel. Längst ist erwiesen: Die beste Maßnahme zur Vermeidung von Schimmel und Tauwasser ist oft eine genügende Wärmedämmung. Ähnlich beim Thema Brandschutz: Bilder von brennenden Häusern machen uns Angst. Man muss wissen: WDV-Systeme wurden immer schon streng geprüft und haben als Baustoff stets die vorgeschriebenen Zulassungen erhalten – auch beim Brandschutz. Neue europäische Klassifizierungen haben hier neue Verfahren mit sich gebracht. Und auch national gibt es heute noch strengere Bewertungen und Prüfungen. Unabhängig davon ist der beste Brandschutz bei einem WDV-System eine fachgerechte Montage sowie eine unversehrte Putzschicht. Ein langfristiger Wartungsvertrag hilft, Schäden an der Fassade rechtzeitig zu entdecken und damit das Brandrisiko nachhaltig zu senken.


 

Gestaltungsvielfalt darstellen

Material, Oberfläche und Farbe bestimmen die Wirkung einer Fassadenoberfläche und prägen damit den Charakter des gesamten Gebäudes entscheidend mit. So auch bei wärmegedämmten Fassaden. Mit WDV-Systemen vereinheitlicht man nicht die Baukultur. Vielmehr eröffnen sich neue Gestaltungsmöglichkeiten mit Form, Farbe und Struktur. Von Fassadenprofilen, Flachverblendern und Putzstrukturen bis hin zu WDVS Bossenplatten und keramischen Belägen stehen dem Verarbeiter systemseitig vielfältige Schlussbeschichtungen und Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung.


 

Nachwachsendes verwenden

Das neue Hanf-Fassadendämmsystem hat viele gute Eigenschaften, die das Wohnen behaglicher, wärmer, energiesparender und gesünder machen. Neben besten bauphysikalischen Eigenschaften und einer effektiven Wärmedämmung überzeugen vor allem die regionale, ökologische Produktion und die positive Kohlendioxidbilanz. Schon auf dem Feld entzieht die Pflanze der Atmosphäre deutlich mehr Kohlendioxid, als im Zuge ihres Anbaus, der Ernte, der Verarbeitung und auf dem Transportweg freigesetzt werden. Mit seinen hervorragenden Eigenschaften bietet Capatect Natur+ eine überzeugende Alternative zu konventionellen Produkten. Viele Menschen wollen verantwortungsvoll bauen und suchen nach intelligenten Lösungen. Hier besitzt Caparol mit der Hanfdämmung eine Alleinstellung im Markt, um diesem Anliegen gerecht zu werden. Als nachwachsender und wiederverwertbarer Dämmstoff ist Hanf einfach sympathisch und nachhaltig gefragt.


 

Beratungskompetenz stärken

Es hat auch sein Gutes, wenn eine Branche ab und an innehält und ihr Handeln auf den Prüfstand stellt. Das gibt Raum für neue Ideen und bringt Veränderung in die bestehenden Märkte. Vielleicht zwingt es uns, künftig noch stärker zu fragen: „Was, lieber Kunde, brauchst oder willst Du?“
In dieser Frage steckt sicher auch ein Großteil der Lösung. Natürlich reagieren als erstes die Preise, wenn ein Markt sich derart rückläufig entwickelt und das Vertrauen in ein Produkt beschädigt ist. Wärmedämmung scheint vielen gerade kurz vor dem Ausverkauf.
Aber es gibt sehr gute Gründe für ein WDVS und es gibt auch ganz unterschiedliche Systeme, je nach Anforderung und Wunsch.
Anliegen der Systemhersteller wird es sein, sich zukünftig deutlicher durch zusätzlichen Nutzen und andere Aspekte, wie Biozidfreiheit, Nichtbrennbarkeit, Behaglichkeit oder Langlebigkeit, voneinander zu differenzieren.
Chance für die Handwerker wird es sein, über diese bestehenden Möglichkeiten aufzuklären, zu beraten, das eigene Angebot aufzuwerten und mit Kompetenz zu punkten.
So bekommt auch WDVS wieder Wert und Akzeptanz.


 

Aktiv Markt gestalten

Aus unserer Sicht ist bereits genug über den schrumpfenden WDVS-Markt und die ungerechte Medienberichterstattung geklagt worden. Die Devise der Stunde heißt nicht jammern, sondern aktiv gestalten! WDV-Systeme, auch auf EPS-Basis, werden weiterhin sowohl in der Sanierung als auch im Neubau eingesetzt werden. Sie werden sich jedoch stärker als bislang als eine von mehreren möglichen Alternativen behaupten müssen.
Dies ist – nach Jahren, in denen WDVS nahezu eine Selbstverständlichkeit waren – nicht angenehm, aber letztlich Normalität auf den meisten Märkten. Fachhandwerker sollten ihren Beratungsauftrag ernst nehmen, indem sie transparent und sachlich über WDV-Systeme informieren. Der Brandschutz, bei WDVS auf EPS-Basis, wurde aktuell neu geregelt. Dies sollten sie Bauherren gegenüber offensiv kommunizieren, um diffuse Ängste zum Thema Brandgefahr zu zerstreuen. Die Argumente pro WDVS von Komfortzuwachs über Werterhalt bis Energieeinsparung sind bekannt, die entsprechenden Systeme von EPS bis Mineralwolle vorhanden. Nun heißt es: Raus aus der Komfortzone, aktiv beraten und verkaufen. Fachhandwerker, die dies umsetzen, können mit Dämmung weiterhin gutes Geld verdienen.


 

Investition in die Zukunft

Die energetische Gebäudemodernisierung in Deutschland ist eine Zukunftsinvestition für unsere Nachkommen. Sie löst die Probleme, die seit der ersten Energiekrise und dem Ende des Sorglos-Öls auf unserer Gebäudesubstanz lasten. Dennoch hat die Kritik in den Medien zu einer Verunsicherung der Bauherren geführt. Es galt und gilt stets, dass Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) nie das einzige Mittel zur energetischen Ertüchtigung des Gebäudebestandes waren und sind. Denn jedes Haus ist aufgrund seiner Architektur, seines Baujahrs und seiner Nutzung stets individuell zu betrachten – idealerweise von neutralen und hochqualifizierten Energieberatern. Gemeinsam mit dem Bauherrn planen sie sinnvolle Maßnahmen mit hochwertigen Systemen, die anschließend von einem qualifizierten Fachhandwerker umgesetzt werden. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird die Wärmedämmung alle Erwartungen erfüllen. Denn die Gesetze der Physik können nicht außer Kraft gesetzt werden: Unterschiedliche Temperaturniveaus gleichen sich immer aus.
Im Haus erzeugte Wärme findet stets ihren Weg nach draußen durch das energetisch schlechteste Bauteil. Um diese Gesetzmäßigkeit wissend, wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Teile des Immobilienbestandes energetisch saniert – fast immer auch durch den Einsatz eines WDVS. Statistisch betrachtet, wohnt heute bereits jeder dritte Deutsche in einer energetisch optimierten Haushülle und profitiert von gesteigerter Wohnannehmlichkeit und gesunkenem Energieverbrauch. Ich bin auch einer davon. Diese zahlreichen zufriedenen Kunden sind für uns der beste Beweis, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Handwerk auf dem richtigen Weg sind.

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