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Meisterzwang umgehen: In die Selbstständigkeit auch ohne Meistertitel

Meister
Selbstständigkeit ohne Meistertitel?

Foto: RomanR /stock.adobe.com

Wer sich als Maler selbständig machen möchte, muss die Anforderungen des Gewerkes erfüllen. Damit ist zunächst der Meisterzwang gemeint. Doch der Traum vom eigenen Betrieb muss nicht am fehlenden Meistertitel scheitern. In diesem Beitrag erfahren Maler und Interessierte aus verwandten Handwerksbereichen, wie sie auch ohne Meisterbrief ihr eigenes Gewerbe gründen können.

Der Meistertitel macht die Gründung leichter, ist aber nicht zwingend erforderlich

Selbständige Maler benötigen eine Erlaubnis für ihr Gewerbe, was bedeutet, der Beruf ist zulassungspflichtig und es ist der Meistertitel erforderlich. Wer den eigenen Betrieb gründen möchte, muss daher nach den Lehrjahren noch einmal auf die Meisterschule und seine Prüfung ablegen. Genau diese Meisterpflicht bietet in den letzten Jahren immer wieder Zündstoff in Diskussionen. Die Handwerkskammern möchten bei ihrer traditionellen Regulierung bleiben, um die Qualität der Arbeit sicherzustellen. Die Handwerksverbände hingegen fordern, die alten Vorschriften zu lockern, damit der Markt sich öffnen kann. Dabei sind die folgenden Argumente maßgeblich:

  • Die Ausbildung an der Meisterschule ist zeit- und kostenintensiv. Nicht jeder kann sich den Besuch leisten, vor allem dann nicht, wenn eine Familie zu versorgen ist.
  • Der Meisterzwang verursacht unnötig hohe Hürden beim Weg in die Selbständigkeit.
  • Bleiben die Regeln weiter so starr, leidet die Vielfalt des Malerhandwerks.
  • Qualifikation wird nicht nur allein über die Meisterschule erworben, Berufspraxis bringt ebenfalls Sachkunde im Malerhandwerk.

Seit 2004 ist es möglich, durch Sonderregelungen den Meisterzwang zu umgehen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Die erfordert neben den notwendigen Genehmigung auch eine exakte Planung, denn gerade in der heißen Gründungsphase ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten, damit der eigene Betrieb auf Erfolgskurs geht.

Einen Meister als Betriebsleiter einstellen

Es existiert weder eine gesetzliche Vorschrift noch eine Auflage der Handwerkskammer, dass der Meister der Inhaber des Malerbetriebs sein muss. Ausreichend ist, wenn der Unternehmer einen Malermeister anstellt, dem die Beaufsichtigung der Arbeiten obliegt und der somit für die Einhaltung der erforderlichen Qualitätsstandards sorgt. Wer jedoch denkt, den Malermeister nur pro forma einstellen zu können, begibt sich auf gefährliches Terrain. Denn die Handwerkskammer überprüft, ob die technische Leitung des Betriebes tatsächlich dem Meister untersteht. Erforderlich sind dabei die Betriebsleitererklärung und der Arbeitsvertrag des Meisters. Sind hier Zuständigkeiten, Verantwortungsbereiche und realistische Arbeitszeiten nicht klar definiert, kann die Handwerkskammer von einem Scheinarbeitsverhältnis ausgehen. Den Meister auf Minijob und nur wenige Stunden in der Woche zu beschäftigen funktioniert daher nicht. Kein Problem ist es hingegen, einen Meister, der selbst einen Betrieb führt, formal korrekt anzustellen. Auch ein bereits pensionierter Meister kann den Arbeitsvertrag als Betriebsleiter unterschreiben

Von der Altgesellenregelung profitieren

Findet sich kein Betriebsleiter oder kommt diese Option aus finanziellen Gründen nicht infrage, kann die Gründung auch durch eine Ausübungsberechtigung erfolgen. Der Volksmund spricht hier von der sogenannten Altgesellenregelung. Die Ausübungsberechtigung nach § 7b Gesetz zur Ordnung des Handwerkes kann erteilt werden, wenn der Antragsteller ein ausgebildeter Maler mit Gesellenbrief ist und eine sechsjährige Berufspraxis im Angestelltenverhältnis nachweisen kann. Vier Jahre muss der Malergeselle eine leitende Funktion innegehabt haben. Nachweise können über den Arbeitsvertrag oder alte Arbeitszeugnisse erbracht werden. Die Handwerkskammer will außerdem davon überzeugt werden, dass der Altgeselle das notwendige Hintergrundwissen rund um Gründung und Betriebsführung hat. Dabei sind betriebswirtschaftliche, juristische und kaufmännische Kenntnisse, die über Basiswissen hinausgehen, Pflicht. Antragstellern muss klar sein, dass ohne Meisterbrief die Zulassung zur Betriebsgründen eine Ausnahme durch die Handwerkskammer darstellt. Oft werden Gründer verpflichtet, an zusätzlichen Lehrgängen und Seminaren teilzunehmen, um Kenntnisse nachzuweisen. Wer sicher ist, dass er die notwendigen Voraussetzungen mitbringt und auch vor vielen, teilweise langwierigen Formalitäten nicht zurückschreckt, kann den Schritt als Maler in das selbständige Unternehmertum jedoch durchaus wagen. EU-Bürger können ebenfalls von der Altgesellenregelung profitieren. Dabei muss einer dieser Punkte zutreffen:

  • Führen eines eigenen Betriebes über mindestens sechs Jahre
  • Tätigkeit als Betriebsleiter von mindestens sechs Jahren
  • Ausbildung von mindestens drei Jahren und danach drei Jahre Führen eines eigenen Betriebes oder Tätigkeit als Betriebsleiter
  • Ausbildungsdauer von drei Jahren und danach mindestens fünf Jahre leitende Tätigkeit im Handwerk
  • Fünf Jahre Anstellung im Handwerk plus drei Jahre Führen eines eigenen Handwerksbetriebes

Eine Ausnahmeregelung von der Handwerkskammer erhalten

Eine weitere Möglichkeit, die ebenfalls mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden ist, stellt die Nutzung der Sonderregelung nach § 8 des Gesetzes zur Ordnung des Handwerks dar. Diese Vorschrift wird auch als „Leipziger Beschlüsse“ bezeichnet. Maler ohne Meisterbrief können gemäß dieser Sonderregelung die Zulassung beantragen, wenn sie nachweislich über Kenntnisse in ihrem Beruf verfügen und ihre Berufstätigkeit auf einfache Malerdienstleistungen beschränken möchten. Die Bewilligung kann ebenfalls erteilt werden, wenn die Meisterausbildung und das Ablegen der Prüfung für den Antragsteller unzumutbar erscheint. Das wäre der Fall bei extrem langen Wartefristen für die Meisterprüfung, bei bestehender oder drohender Arbeitslosigkeit oder aus gesundheitlichen Gründen. Maler, die nachweisen können, dass sie einen bestehenden Betrieb kurzfristig übernehmen können, haben die Möglichkeit, von dieser Regelung Gebrauch zu machen. Ein fortgeschrittenes Lebensalter ab 47 Jahren erlaubt ebenfalls, den Malerbetrieb ohne Meistertitel zu eröffnen. Die Handwerkskammern sind jedoch zögerlich mit dem Erteilen von Ausnahmebewilligungen. Oft wird ein erfolgreiches Bestehen einer sogenannten Sachkundeprüfung neben aussagekräftigen Unterlagen gefordert. Da das Antragsverfahren mit einigen Kosten verbunden sein kann, müssen die eigenen Voraussetzungen exakt geprüft werden. Sind jedoch die Bedingungen erfüllt und die Handwerkskammer verweigert trotzdem die Genehmigung, gibt es die Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten.

Die Gründung des eigenen Malerbetriebs ohne Meistertitel sorgfältig vorbereiten

Die Handwerkskammer hat nicht auf dem Meisterzwang bestanden und die Genehmigung erteilt? Dann kann die eigentliche Gründungsphase starten. Neben einigen finanziellen Überlegungen ist vor allem die Entscheidung für eine Rechtsform grundlegend. Während eine GmbH ein gewisses Startkapital erfordert, kann die UG als „kleine Gmbh“ mit recht wenig Geldmitteln gegründet werden. Daneben kann ein Maler auch als Einzelunternehmer tätig sein oder eine andere Rechtsform im Handwerk wählen. Die Auswahl sollte sorgfältig erfolgen, da bezüglich Steuern und Abgaben große Unterschiede bestehen. Daneben sind weitere Genehmigungen wie Gewerbeanmeldung oder Eintragung in das Handelsregister erforderlich. Eine Anlaufstelle, bei der es kompakt erste Informationen für Gründer im Handwerk gibt, ist die jeweils zuständige Handwerkskammer.

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