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Malerwerkstätte Schmid, Nürtingen

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Malerwerkstätte Schmid, Nürtingen

Frühzeitig und mit Expertenhilfe plante man bei der Malerwerkstätte Schmid in Nürtingen die Betriebsübergabe an die nächste Generation.

Mehr Harmonie geht gar nicht. Genau diesen Eindruck bekommt jeder, der bei der Malerwerkstätte Schmid in Nürtingen-Ober-ensingen mit in einer Führungskräfte-Runde sitzen darf. Zu solch einer „Vollversammlung“ gehören die „Senioren“ Monika und Rudi Schmid, ihr Sohn Andreas mit seiner Frau Patricia und die angestellte Malermeisterin Marion Tichy, die sich altersmäßig genau in der Mitte befindet und so manchmal die Brücke zwischen der älteren und der jungen Unternehmergeneration schlagen kann.

Es scheint also alles lehrbuchmäßig gelaufen zu sein bei der Betriebsübergabe an die junge Generation, ohne Reibung, ohne Ruckeln und Knirschen? Fast! Weil: der Junior, Andreas Schmid, hatte zuerst andere Pläne. Er spielte mit dem Gedanken, zur Polizei zu gehen und dort seinen beruflichen Weg zu machen. Doch es kam anders, wie Rudi Schmid erzählt: „Wir hatten uns eigentlich schon darauf eingestellt, dass es keine vierte Generation in unserem Betrieb geben wird“, so Rudi Schmid. „Nachdem Andreas aber bei einem befreundeten Malerbetrieb ein paar Wochen arbeitete, erkannten wir ihn nicht wieder. Er war begeistert, allerdings auch, weil mein Kollege Burkhardt in Weilheim relativ viel Gerüstbau macht.“ Genau das war das Ding von Andreas Schmid: „Der Betrieb war eher technisch orientiert – das hat mir Spaß gemacht. Und so wurde der Gerüstbau quasi ein „Hobby“ von mir. Davor hatte mir der Malerberuf nicht rundum zugesagt – das Kreative liegt mir einfach nicht so.“ Da war es dann nur konsequent, dass er in der Ausbildung weiter in Richtung Technik marschierte. Nach seiner Malerlehre studierte er an der Hochschule Biberach und schloss mit dem Bachelor ab. Seine Bachelorarbeit schrieb er über „Kalkulation im mittelständischen Handwerksbetrieb“. Praktischerweise hatte er im elterlichen Betrieb gute und transparente Zahlen und konnte eine Menge daraus in die Abschlussarbeit einfließen lassen. Dass es sein Gewerk am Markt nicht einfach hat, das war für Andreas Schmid schon vor seiner Bachelorarbeit klar: „Der Maler hat ein bisschen das Problem, dass er erst am Ende des Geldes der Baumaßnahmen kommt…“.

Sein Vater, Rudi Schmid, hatte auch immer ein Faible für die Technik. Er ist mit Leib und Seele Malermeister, doch setzte er ebenfalls ein Studium drauf im Bereich Chemie, Lacke Farben, das er als Ingenieur abschloss. Für ihn war es auch immer klar, dass er in seinem Betrieb mit modernen Hilfsmitteln und Maschinen arbeiten will. Seine Frau, Monika Schmid, die nach ihrer Zeit bei der Deutschen Bank als klassische Unternehmerfrau den gesamten Bürobereich abdeckte, zeigte sich ebenfalls Neuerungen gegenüber immer offen: „Wir schafften uns schon 1980 einen Computer an, was für einen Malerbetrieb sehr früh war. Von Anfang an speicherten wir alle Aufmaße unserer Kunden.“ Mit dem Generationswechsel steht auch ein Wechsel der Software an, so Andreas Schmid: „Momentan sind wir beim Vergleichen verschiedener Softwarepakete und wir haben auch schon einen Favoriten.“

Ziel von Andreas Schmid war es seit seinem Einstieg in den Betrieb, das Leistungsspektrum des Betriebs noch zu erweitern: „Mir war es wichtig, dem Gerüstbau- und Trockenbaubereich mehr Aufmerksamkeit zu geben. Vorher war es ja eher so, dass beide Bereiche mitgemacht wurden, wenn es ein Auftrag mit anderem Schwerpunkt erforderte.“ Rudi Schmid sieht die Entwicklung sehr positiv: „Seit Andreas das vorantreibt, können wir technisch anspruchsvollere Arbeiten ausführen, qualifizierter Gerüstbau zum Beispiel, oder vorbeugender Brandschutz.“

Dass nicht nur das Rationale, das Technische genügend Raum bekommt, dafür sorgen die kreativen Malermeisterinnen Patricia Schmid und Marion Tichy. Rudi Schmid freut sich: „Das passt perfekt, dass Patricia kreativ ist und sich gerne um tolle Malertechniken kümmert. Das Gleiche gilt für Marion, die ebenfalls dieses Gebiet abdecken kann. Ich selber war ja nie der „Künstler“. Und Marion kam ja schon vor rund 20 Jahren als ideale Ergänzung auf diesem Gebiet zu uns.“ Ins Gehege kommen sich die beiden Frauen nicht, im Gegenteil, wie Patricia Schmid betont: „Wir brachten kürzlich gemeinsam eine klasse Lasurtechnik mit Ornament an die Wand – das hat Spaß gemacht.“ Marion Tichy pflichtet ihr bei: „Das funktionierte bestens, wir packten diese Aufgabe gerne gemeinsam an. Im übrigen brachte Patricia nicht nur hier, sondern auch insgesamt ins Unternehmen neue Impulse ein.“

Gibt es bei der Malerwerkstätte Schmid mit dem Blick auf den Markt Trends und Zukunftspläne? „Derzeit ist unser Hauptding, für Kunden deren Schimmelprobleme zu lösen. Das hat unglaublich zugenommen, sozusagen Schimmel ohne Ende“. Monika Schmid berichtet das. „Unser Sohn Andreas beschäftigt sich deshalb auch mit einem neuen Produkt, einem mit 24 Volt heizbaren Vlies, das an den kritischen Stellen Schimmelbildung erst gar nicht zulässt.“ Auch hier ist immer mehr Technik im Spiel, Physik, Bau-Biologie, auch Bau-Chemie – die absolute Stärke des Schmid-Juniors.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass die Jungen sich auch bei den Materialien, die sie verarbeiten und somit bei den Lieferanten teilweise neu orientieren und anders gewichten. So stellten sie kürzlich eine neue Caparol-Mischanlage ins Lager. Der zuständige Verkaufsberater Simon Ramlow freute sich darüber, dass das zeitlich ziemlich genau mit dem 30sten Geburtstag des Caparol-Spitzenprodukts Indeko-plus zusammenfiel (siehe Seite 10, Artikel „Behutsamer Wechsel“).

Zukünftig soll die Kooperation mit anderen Betrieben noch intensiviert werden, mit denen die Schmids das Koopeerationsmodell „Die Komplett-Renovierer“ gründeten, darüber sind sich alle einig. „Das läuft sehr gut und hat sich für uns bewährt“, so Rudi Schmid. Und Monika Schmid ergänzt: „Wir können jeden der Kollegen aus anderen Gewerken absolut empfehlen. Bei so einer Kooperation muss es menschlich stimmen. Und das passt momentan bestens.“

Bereits im letzten Jahr konnte man bei der Malerwerkstätte Schmid das 100-jährige Jubiläum feiern, was in der Nürtinger und in der Wendlinger Zeitung auf einer Doppelseite gewürdigt wurde. Im Artikel „Farbige Dienstleistungen“ gab Rudi Schmid eine Geschichte von früher zum besten: „Als mein Großvater den Betrieb gründete, fuhr er noch mit dem Handkarren zur Kundschaft und mischte seine Farben selbst aus Zutaten wie Kalk, Öl oder Ochsenblut an.“ Ob es sonst noch außergewöhnliche Geschichten gibt? „Mehr als genug“, so Rudi Schmid. „Mein Großvater war zum Beispiel in der kalten Jahreszeit auch noch Tanzlehrer.“ Monika Schmid fällt aus der jüngeren Vergangenheit eine Geschichte ein: „Wir hatten während der Kriesgzeiten in Ex-Jugoslawien einen Lehrling, der an Wochenenden große Autos dorthin brachte. Manchmal kam er montags nicht, weil er zu müde war. Aber er verdiente an ein paar Wochenenden mehr als wir in einem Monat.“

Mit dieser ganzen Erfahrung, die sich bei Monika und Rudi Schmid ansammelte und mit den frischen Ideen der jungen Generation waren die Weichen für einen fließenden Übergang bestens gestellt. Und doch empfehlen die Schmids, sich externe Hilfe zu holen. Monika Schmid sieht es so: „Nur alleine mit dem Steuerberater geht es schief oder wird es schwierig. Ich nahm frühzeitig mit einem Berater des BWHT, Baden-Württembergischen Handwerkstag, Kontakt auf. Da bekamen wir wichtige Tipps.“ Rudi Schmid betont, dass alles passen muss: „Nachdem wir uns in der Familie einigten, haben wir den Vertrag vom Steuerberater aufsetzen lassen. Der wurde dann geprüft von einem Rechtsanwalt und von einem Unternehmensberater. Am Schluss hatte der Notar noch eine kleine Änderung – erst dann war alles perfekt.“ Andreas Schmid ergänzt: „Der Berater hat uns auch darauf eingeschworen, dass es nicht ohne die Bank geht und dass man gemeinsam mit ihr Pläne erstellt. Das machten wir ebenfalls. Und so erst lief alles rund.“

Das Führungsteam der Malerwerkstätte Schmid (v.r.): Monika, Andreas, Rudi, Patricia (mit Tochter Mia) Schmid und Malermeisterin Marion Tichy.

Marion Tichy und Andreas Schmid an der neuen Mischanlage im Lager des Betriebs.

Ulrich Schweizer
Fotos: Andrea Nuding

praxisplus

Malerwerkstätte Schmid GmbH
Wendlinger Straße 80
72622 Nürtingen-Oberensingen
Tel.: (07022) 50914/Fax: 50780
Chronik der Firmengeschichte:
  • 1914: Gründung durch Paul Griebl
  • 1926: Kauf eines Hauses beim Lindenplatz in Oberensingen
  • 1928: Zukauf eines Anwesens in der Kornbeckstraße
  • 1948: Übernahme des Betriebs durch Karl Schmid
  • 1976: Rudi Schmid übernimmt den Betrieb
  • 1986: Neubau in der Wendlinger Straße
  • 2014: 100-jähriges Jubiläum
  • 2015: Andreas Schmid übernimmt den Betrieb, Umfirmierung in Malerwerkstätte Schmid GmbH

Quelle: Malerblatt 06/2015

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