Malerblatt Wissen Unverdünnt aufgetragen

Farben, Fans und Fußball

Über Farben lässt sich trefflich streiten. Über die für eine neue Autobahnbrücke bei Darmstadt ist gerade eine regelrechte „Farbschlacht“ entbrannt, bei der inzwischen auch Politiker kräftig mitmischen:

Über den Brückenfarbton durfte die Bevölkerung online abstimmen. Eine deutliche Mehrheit entschied sich für Rot, danach folgte Blau. Rot, die Farbe von Eintracht Frankfurt, am Eingang zu Darmstadt? Das mochten die Darmstädter Kommunalpolitiker, die schon im Vorjahr für die Vereinsfarbe Blau von Darmstadt 98 votiert hatten, nicht hinnehmen, zumal inzwischen unterstellt wird, Fans der Eintracht seien animiert worden, das Abstimmungsergebnis zu manipulieren. Vielleicht endet die Geschichte ja damit, dass die Brücke trist und grau wird – wie so manches Spiel.

Guerilla-Marketing

Bei solch einem tristen Spiel war es auch, als der Fernsehkommentator spontan ausrief „Ja, bringt doch mal Farbe ins Spiel!“ und die Kamera in die Fankurve auf das unübersehbare Banner mit der Aufschrift „Maler und Lackierer bringen Farbe ins Spiel!“ schwenkte. Die Aktion war spektakulär: In allen Stadien hatten an diesem Spieltag jeweils vier Lehrlinge im „Weißen“ die Banner zu Spielbeginn entrollt und warben vor Tausenden für unseren Beruf. Dass wir es damit auch noch in die Sportschau schafften und kostenlose Fernsehwerbung bekamen, war natürlich ein unvorhergesehener „Freistoß“ zu dieser Aktion, bei der es natürlich nicht nur Banner-, sondern auch Bedenkenträger gab. Wir haben das damals mithilfe der Innungen einfach gemacht. Dass solche ungewöhnlichen Werbemaßnahmen Guerilla-Marketing genannt werden, erfuhren wir erst später. Auch, dass man für solche „strategischen Fouls“ schon mal ‘ne Gelbe oder gar Rote Karte riskieren muss. Dies vielleicht als Anstoß zum Anstoß am 10.Juni.

Könnte Schule machen

Noch ein Beispiel, das Schule machen könnte: Die Innung Rhein-Main hat in Kooperation mit einem Radiosender den Wettbewerb „Bringt Farbe in eure Schule!“ gestartet. Dabei werden Schüler und Lehrer weiterführender Schulen gemeinsam kreativ und machen Entwürfe für Klassenräume, Flure oder Wandflächen. Die Abstimmung erfolgt über die Facebook-Seite des Senders. Die drei Entwürfe mit den meisten Stimmen werden umgesetzt. Der Wettbewerb wird von Moderatoren begleitet, die auch von den Arbeitsstellen live berichten. Während dieser Aktion ist die Innung täglich auf Sendung. Das Beispiel könnte Schule machen.

Von wegen Stadtbildpflege

„Gar nicht schlecht“, denke ich und betrachte eine renovierte Fassade in Frankfurts belebtester und beliebtester Fußgängerzone, der „Zeil“. „Da war doch was“ überlege ich noch. Richtig: Die Fassade ist so renoviert, wie das vor Jahrzehnten ein Farbkonzept, an dem ich beteiligt war, für dieses aus historischen und neuen Bauten bestehende Ensemble vorsah. Jetzt wirkt die Fassade wie der einzige gesunde Zahn in einem schlechten Gebiss. Das beobachte ich oft: Bei der Renovierung von Fassaden, die bei der ersten Umsetzung eines Farbleitplanes für ein Ensemble bis ins Detail gut und angemessen gestaltet und auf‧einander abgestimmt waren, werden häufig diese Vorgaben ignoriert und zerstören so das engagierte Vorhaben. Stadtbildpflege – von wegen.

Nicht alltäglich

Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass ‧eine große Wirtschaftszeitschrift über ‧einen kleinen Malerbetrieb berichtet. Aber es ist in der Tat spannend, was ein Berliner Malermeister in „brand eins“ über seine Erfahrungen als Ausbilder ‧berichtet: Zu seinen Lehrlingen zählten unter anderem ein schwer erziehbarer junger Türke und ein gehörloser Palästinenser. Der Berliner bildet auch junge Leute aus, die keinen Schulabschluss ‧haben und die keiner haben will. Anstrengend sei das, sagt er. Aber auch: „Diese Kids sind Juwelen. Man muss sie nur ausgraben.“

Zuschauer zu Fans machen

Kunden sind viel zufriedener, wenn sie nicht nur bekommen, was sie bestellt haben, sondern auch beobachten können, wie die Leistung entsteht. „Arbeitsillu‧sion“ nennen die Forscher dieses Verhalten, das nicht nur Ergebnisse, sondern auch das Vorgehen belohnt, also nicht nur das Was, sondern auch das Wie. Klar, dass clevere Unternehmer solche Erkenntnisse sofort umsetzen: Bei der Kaffeekette Starbucks beispielsweisekönnen Kunden nun zuschauen, wie bei jeder bestellten Tasse die Milch aufgeschäumt wird. Was im ersten Moment wie bloße Schaumschlägerei aussieht, ist natürlich mehr: Aus dem Zuschauer soll ein Fan werden. Zugegeben, eine Übertragung auf unsere Malerleistungen ist nicht so einfach. Aber warum sollen wir einen Kunden zum Beispiel beim Tapezieren, wenn jeder Griff sitzt, nicht einladen, eine Weile zuzuschauen? Aber das bleibt wohl Illusion – oder?

Kahoolawe-Grau

In „Puchners Farblehre“, die jeweils in der Frankfurter Allgemeinen ganzseitig die typischen Farben von Städten und Ländern aufzählt und aufzeigt, ging es vor Kurzem um Hawaii. Ich fand in eben da unter anderem Kahoolawe-Grau, Molokini-Blau und Niihau-Weiß. Kenne ich alle nicht. Und weil es bekanntlich kein Bier auf Hawaii gibt, werde ich diese Farben wohl auch nie zu sehen kriegen.

Schöne Geschichte

Vor Kurzem habe ich empfohlen, mit Geschichten zu werben. Geschichten bleiben im Gedächtnis, sind die besten Verkäufer. Von den erfolgreichen Bestsellern hier ein bekanntes Beispiel: Der Mann kommt zu spät nach Hause und behauptet, er habe eine Panne gehabt. „Mit einem Mercedes?“ fragt die Frau und verpasst ihm eine Ohrfeige. Solche Geschichten können Sie auch schreiben. Wichtig dabei: Sie müssen glaubwürdig sein, das Happy End muss von Ihrer beworbenen Leistung abhängen. Ich bin gespannt.

Werner Schledt
Quelle: Malerblatt 07/2016

praxisplus
Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c
60388 Frankfurt /Main
Tel.: (06109) 34208
werner@schledt.de
www.treibs.de

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