Malerblatt Wissen Unverdünnt aufgetragen

Messies meistern’s nicht

Mit alten Zöpfen können wir die Zukunft nicht bewältigen. Das schreibt der meistgelesene Kolumnist zu Managementfragen, Reinhard K. Sprenger.

Er erläutert am Beispiel einer Studie über tödliche Unfälle von erfahrenen Feuerwehrleuten, die nur deshalb nicht überlebten, weil sie sich trotz erkannter Gefahr zu langsam vom Brandherd zurückzogen. Zu schwerfällig und deshalb tödlich, weil sie ihre bewährten Werkzeuge nicht rechtzeitig fallen ließen, sondern weiter als Ballast mit sich herumschleppten. Zur Frage nach dem Grund gibt der Autor mehrere Antworten zum Nachdenken über unser Verhalten in Krisen, also „wenn’s brennt“. Mit bislang bewährtem Instrumentarium fühlt man sich auch in existenzbedrohenden Situationen zunächst noch sicher. Das Festhalten an den „Werkzeugen“, sprich: „Das haben wir schon immer so gemacht“, hatten die Feuerwehrleute gelernt und verinnerlicht. Die Erfolgsinstrumente waren ihnen selbst in der bedrohlichen Situation „zum Wegwerfen zu schade“, denn schließlich: Sie hatten keinerlei Übung im Loslassen. Genau das aber sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für künftigen Erfolg. Dazu schrieb schon John Maynard Keynes, der wohl bedeutendste Ökonom des zwanzigsten Jahrhunderts: „Die Schwierigkeit ist nicht, neue Ideen zu finden, sondern den alten zu entkommen.“ Es geht darum loszulassen und allen Ballast abzuwerfen, den der Kunde nicht braucht und honoriert. Auch für den Handwerksbetrieb gilt: Messies meistern’s nicht!

Tendenz lustlos

Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland ist nicht mehr motiviert und liefert nur noch „Dienst nach Vorschrift“ ab. Damit liegen wir im internationalen Vergleich inzwischen hinten. Auch ein weiteres Ergebnis der repräsentativen Arbeitnehmerbefragung ist deprimierend: Nur jeder Zweite identifiziert sich noch mit dem Betrieb, in dem er beschäftigt ist. Zunehmend Frust statt Lust also, ausgerechnet bei uns, wo gesetzliche und tarifliche Arbeitsbedingungen, Unfallverhütungsvorschriften und Gesundheitsvorsorge so gut sind wie nirgendwo sonst. Inzwischen bringt schon die Sprache zum Ausdruck, dass es im Beruf immer weniger um Selbstverwirklichung und Zufriedenheit geht: Auch Politiker reden nicht mehr von Arbeitsplätzen, sondern nur noch von Jobs. Wer seinen Beruf nur als lästiges Übel und notwendiges Mittel zum Zweck sieht, nicht mehr motiviert ist, keine Leistung er-, sondern die Zeit im Betrieb nur noch verbringt, ist in der Tat übel dran. Dazu als Nachtrag zum Nachdenken noch ein Zitat von Alfred Herrhausen, dem 1989 von der RAF ermordeten früheren Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank: „Jedes Problem in einem Unternehmen ist letztlich ein Personalproblem.“

Äußerst bescheiden

Die renommierte „Wirtschaftswoche“, die unter diesem Namen jetzt rund fünfzig Jahre besteht und schon bei Gründung das Verständnis für ökonomische Zusammenhänge fördern wollte, hat bescheiden angefangen. 1966 hatten nur wenige Menschen wirtschaftliche Grundkenntnisse und das Thema Wirtschaft kam auch in den Schulen nicht vor. Dort hat sich dazu nicht allzu viel verändert – und die Wirtschaftskenntnisse der Schülerinnen und Schüler sind geblieben wie sie waren: bescheiden.

Ensembles statt Einzelstücke

Die ebenso aufwendig wie geschmackvoll renovierte Fassade wirkt im Straßenbild neben den bloß mal frisch gestrichenen Häusern wie ein Goldzahn in einer ansonsten vernachlässigten Zahnreihe. Nicht nur für historische Straßenzüge wären Farbleitpläne für Ensemblegestaltung, in die sich die Eigentümer nach und nach einreihen könnten, ein vorbildlicher Beitrag zur Stadtbildpflege. Entsprechende Initiativen, z.B. unserer Innungen, wären ebenso verdienstvoll wie öffentlichkeitswirksam. Und lukrative Aufträge für die Mitgliedsbetriebe brächte das auch. Warum also nicht im neuen Jahr eine Innungs-Initiative „Ensembles statt Einzelstücke“ starten? Bin neugierig, ob die Anregung jemand aufgreift. Wäre doch toll, wenn es beim nächsten großen „Fassadenpreis“ von Brillux viele Einreichungen für eine neue Kategorie „Ensembles“ gäbe.

Paul statt Pegida

„Paul“ heißt ein Qualifizierungsprogramm eines südhessischen Berufsbildungszentrums, ist Pate für ein Projekt namens „Ina“, das die Handwerkskammer Rhein-Main zum Jahresbeginn startet. Ina steht für Integration durch berufliche Bildung und soll helfen, Flüchtlinge über den Arbeitsmarkt hinaus in unsere Gesellschaft zu integrieren. Einer der Pioniere dieser Idee, Malermeister Torsten Scholz aus dem Kreis Bergstraße. Er hält zwar auch den Deutschunterricht für den ersten und wichtigsten Schritt, hat aber in seinem Betrieb die Erfahrung gemacht, dass die jungen Flüchtlinge auch nach Feierabend Kontakte zu Einheimischen brauchen und es Menschen bedarf, die sie in unsere Gesellschaft einführen. Und wenn das gestandene Handwerker wie Torsten Scholz machen, hat es auch Hand und Fuß.

Pfui für Tui

Hui, war das eine Epidemie bei Tui. Und so ansteckend. Die Malaise des Betriebes hat sich innerhalb weniger Stunden auf die Belegschaft übertragen und sie aufs Krankenlager geworfen. Hat früher einer krank gefeiert, wurde er gefeuert. Die rasch wieder Genesenen bei Tuifly haben gelogen – und sind nicht geflogen.

Weißheit aus Bayern

Nein, die Überschrift eines Artikels in Deutschlands größter Tageszeitung weist nicht auf besondere Stärken bayrischer Politiker hin. Schon die Schreibweise zeigt, dass es um Farbe geht. Um die Silikatfarben von Keim nämlich. Und die kommen nun mal aus Bayern und werden weltweit an prominenten Bauwerken eingesetzt. So z. B. am Weißen Haus. Und natürlich ist auch die Weißheit im Bundeskanzleramt aus Bayern.

Auch in 2017 gilt

„Qualität ist, was der Kunde dafür hält!“ Aber angesichts der vielen schrillen Fassaden auch: „Der langfristige Schaden für den Betrieb darf nicht größer sein als der kurzfristige Nutzen!“

praxisplus

Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.
Werner Schledt
Gangstraße 35 c
60388 Frankfurt /Main
Tel.: (06109) 34208

Werner Schledt
Malerblatt 12/2016

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