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Ohne Verfalldatum

Unverdünnt aufgetragen Mattes und Glänzendes aus dem Malerhandwerk
Ohne Verfalldatum

„Die Erfolgreichen unserer Branche verfügen über kein besonderes Know-how. Deren Erfolgsrezepte sind ausnahmslos bekannt und jedem zugänglich.“ Das gilt sicher unverändert. Aber die „Gebrauchsanweisungen“, die vor Jahrzehnten in einer kleinen Broschüre des Malerblattes „Probieren statt Diskutieren“ erschienen, sind inzwischen doch „Olle Kamellen“ – oder?

Ich habe einige davon unter die Notizen aus den letzten Tagen gemischt. Gar nicht so leicht zu unterscheiden, was alt und was aktuell ist. Finden Sie’s raus:
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Das Tagewerk von Jugendlichen, ob in Ausbildung oder Studium, wird durchschnittlich 115 mal, also fast alle 10 Minuten durch eine eingehende SMS unterbrochen. (Un)reife Leistung.
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Mit dem Handy können wir Zeit und Geld sparen. Unvorhergesehenes lässt sich schneller bewältigen, Vergessenes rasch nachholen. Teuer wird’s, wenn durchs Handy die Arbeitsvorbereitung vernachlässigt wird – noch teurer, wenn die Kosten für privates Gequassel die betrieblich notwendigen übersteigen. Deshalb werden wir die Handy-Kosten jetzt budgetieren. Damit kriegen wir das Handy wieder in die Hand.
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Kamele und Schafe lassen sich treiben. Wir formulieren messbare Jahresziele und legen konkret die Wege, Streckenabschnitte und Messpunkte fest. Damit wir dahin kommen, wo wir wollen.
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Ein Drittel aller in Deutschland zuletzt neu eingeführten Medikamente hat keinerlei Nutzen. Wer weiß, vielleicht wird ein ebenso großer Anteil wirksamer Medizin nutzlos vertan, weil die verschriebenen Medikamente nicht oder nicht wie verordnet eingenommen werden. Ein Vergleich von Arznei mit Betriebsberatungen ist sicher nicht ganz abwegig.
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Reklamationen sind auch kostenlose Betriebsberatungen. Sie zeigen Schwachstellen auf, die wir ausmerzen können. Deshalb bedanken wir uns für jede Beschwerde mit einem kleinen Geschenk. Das ist ein preiswertes Beraterhonorar.
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Nach Meinung der EU-Kommission ist der Meisterbrief als Zulassungsvoraussetzung für Handwerksberufe eine un-gerechtfertigte Marktzugangsschranke. Gleichzeitig empfiehlt dieselbe Kommission den Krisenländern unser duales Ausbildungssystem. So richtig begriffen haben die das Ganze wohl immer noch nicht.
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Es gibt nur eine richtige Einstellung zum Nachwuchs: Einstellen! Deshalb bilden wir stetig aus.
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Werbung machen wir für uns. Deshalb kommt sie auch von uns – und nicht von einem Hersteller. Der weiß, warum er uns so preiswert Gerüstplanen mit seinem Logo anbietet. Wir auch.
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Der durchschnittliche Arbeitnehmer verbringt pro Jahr die Arbeitszeit von eineinhalb Wochen in Telefonwarteschleifen. Das sind 15 Wochen im Zehn-Mann-Betrieb. Entspannung bei leiser Musik oder eher Horror?
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Ein Gutstundenpolster von einem Monat pro Mann macht uns unabhängig von tariflichen oder gesetzlichen Kündigungs- und Überbrückungsregelungen für die Winterzeit. Das ist für den Betrieb so gut wie für die Mitarbeiter. Deshalb arbeiten wir im Sommer länger.
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Ich behaupte unverändert, dass der Nutzen von sozialen Netzwerken in vielen Betrieben überschätzt wird – und rechne dazu fest mit Widerspruch.
Jetzt lese ich, dass positive Bewertungen immer häufiger von Unternehmen gekauft werden. So sollen für Facebook 1.500 „Gefällt-mir“-Klicks für knapp 100 Dollar zu haben sein. Gut zu wissen.
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Zu den Betrieben, die der Kunde im Internet erst suchen muss, möchten wir nicht gehören. Wir wollen bereits in seinem Kopf sein, wenn er an Malerarbeiten denkt. Deshalb pflegen wir unsere Stammkunden.
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Der Markt macht, was er will. Er folgt keiner Verordnung – auch nicht der Handwerksordnung. Marktmacht gewinnt, wer beherrschend ist, sich neue Märkte schafft oder schnell auf Trends reagiert. Wer nicht vom Markt verschwinden will, muss sich für eine dieser drei Möglichkeiten entscheiden.
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Eine schwache Fachorganisation könnten sich nur die ganz Starken leisten. Es sind unsere Rahmenbedingungen, die dort gestaltet werden.
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Was nützt das routinemäßige „Hat’s geschmeckt?“, wenn’s schon runtergeschluckt ist? Deshalb fragen wir den Kunden ab sofort schon während der Auftragsabwicklung, ob er zufrieden ist.
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Den Dienstleistern gehört die Zukunft. Deshalb ist bei uns auch samstags Dienst-Tag – wenn der Kunde das will.
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„Schärfe die Säge“ empfiehlt der amerikanische Autor Steven Covey. Wer immer nur pausenlos sägt, obwohl die Säge längst stumpf ist, plagt sich nur noch. Besser mal innehalten und die Säge wieder schärfen.
In diesem Sinne: Auf einen „Sägeblatt-Sommer“!
Werner Schledt
Den Dienstleistern gehört die Zukunft.
Es gibt nur eine richtige Einstellung zum Nachwuchs: Einstellen!

PRAXISPLUS

Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk. Jetzt ist er Geschäftsführer der Schledt & Schledt GmbH.
Werner Schledt
TREIBS Bau GmbH
Heinrichstraße 9-11
60327 Frankfurt/Main
Tel.: (069) 750010-310
Fax: (069) 750010-340
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