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Blitzableiter

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Blitzableiter

Gabi Mezger
Ihren guten Job als Büroleiterin des Ministerialdirigenten im Finanzministerium gab Gabi Mezger auf, als sie ihren Mann Rolf Mezger, Malermeister und Unternehmer, kennen lernte.

Gabi Mezger war zuerst für die Kinder, dann für den Malerbetrieb präsent. Letztes Jahr im November ist ihr Mann Rolf Mezger nach schwerer Krankheit verstorben. Seinen Ruhestand nach dem Verkauf seines Betriebs vor zwei Jahren, zusammen mit seiner Frau zu genießen, dazu ist er nicht mehr gekommen. Dennoch bleibt Gabi Mezger dem Malerhandwerk verbunden und setzt sich weiterhin für die Meisterfrauen ein.

Das Malerblatt besuchte Gabi Mezger, die Vorsitzende des Arbeitskreises für Unternehmerfrauen im Maler- und Lackiererhandwerk in Stuttgart.
Liebe Gabi Mezger, Sie sind Gründungsmitglied des Arbeitskreises der Unternehmerfrauen im Maler- und Lackierhandwerk Stuttgart und seit vielen Jahren die Vorsitzende, wie kam es dazu?
Dazu muss ich meine Vorgeschichte erzählen. Mein Mann und ich haben uns in einer schweren Lebensphase kennen gelernt. Wir waren beide frisch verwitwet. Die Frau meines Mannes ist mit 36 Jahren gestorben. Plötzlich stand er mit seinem Betrieb und zwei kleinen Kindern alleine da. Um die Leistung seiner verstorbenen Frau aufzufangen, musste er drei Arbeitskräfte einstellen. Eine Sekretärin, eine Haushälterin und eine Putzfrau – rund 100.000 DM mehr Personalkosten, die er nun zusätzlich zu erwirtschaften hatte. Als ich mich später bei Seminaren mit den Malerfrauen unterhalten habe und sie fragte was sie in ihren Betrieben so machen, kam häufig die Antwort: „Ich helfe meinem Mann!“ Ich war erschüttert wie wenig die Frauen sich ihrer Leistung bewusst waren. Die Frauen waren sich überhaupt nicht im Klaren – Sie schmeißen den Laden! Ihre Männer waren bei der Kundschaft. Viele wussten nicht einmal wie man einen Scheck ausstellt. Dieses Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken, war meine Intention als ich später den Vorsitz im Arbeitskreis übernahm.
Hat sich denn in der Zwischenzeit die Arbeit des Arbeitskreises auf das Selbstbewusstsein der Frauen ausgewirkt?
Auf jeden Fall! Die jungen Frauen von heute sind sich bewusst – sie sind die Stütze des Betriebs. Nicht nur für den Mann, die Familie, die Kunden auch für die Mitarbeiter. Früher wurden die Frauen für ihre Leistung nicht einmal bezahlt, haben kein Gehalt bekommen. Der Betriebswirtschaftsausschuss der Innung hat einmal eine Umfrage in den Malerbetrieben gemacht: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie? Da haben viele geschrieben: Null! Das war für mich ein Unding und ein weiterer Beweggrund für mein ehrenamtliches Engagement.
Welche Rolle spielt denn die Meisterfrau bei den Mitarbeitern?
Eine Mitarbeiterin hat das einmal sehr nett formuliert. Sie sagte: „Wenn mir etwas Schlimmes passiert ist und ich musste bei meinem Gang zum Chef bei Frau Mezger vorbei, der ich vorher schon beichten konnte, was vorgefallen war, war das Ganze gar nicht mehr so schlimm!“ Wir Frauen fungieren halt doch als Blitzableiter zwischen Mitarbeiter und Chef. Frauen haben emotional einfach mehr auf dem Kasten. Wir sehen vieles aus der menschlichen und nicht nur aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive.
Und wann wurde der Arbeitskreis ein Thema?
Die Malerinnung Stuttgart hat für die Meisterfrauen Seminare in Überlingen organisiert, die ich leidenschaftlich gerne besuchte. Jedes Mal wenn ich von dort kam, hätte ich in meiner Begeisterung am liebsten den ganzen Betrieb umgekrempelt. Mein Mann sagte einmal: „Früher, wenn ich meine Frau geküsst habe, war sie still. Heute, wenn sie vom Seminar kommt, schwätzt sie links und rechts weiter!“ Die Frauen dort hatten ähnliche Probleme und Sorgen. Das gab mir das Gefühl: Wir sitzen alle in einem Boot.
Ist das das größte Plus im Arbeitskreis? Die Gemeinsamkeit?
Genau das! Wir Frauen sprechen offener miteinander, können auch unsere Schwachpunkte zugeben und uns gegenseitig mit Erfahrungsaustausch und Problemlösungen zur Seite stehen. Aus diesen Seminaren heraus kamen wir 1991, zusammen mit Helga Hirth, auf die Idee, den Arbeitskreis zu gründen.
Wie schaut es mit der Resonanz der jungen Frauen im Arbeitskreis aus?
Verständlicherweise fehlt den jungen Frauen häufig die Zeit. Kinder,
Betrieb und Seminarangebote sind zeitlich schwer unter einen Hut zu bekommen. Die persönliche Präsenz im Betrieb ist heute wichtiger denn je. Das Büro muss besetzt sein! Der Preiskampf ist härter geworden, es gibt keine Kundentreue mehr, wer nicht sofort reagiert und agiert ist weg vom Fenster. Das macht es den jungen Frauen schwer sich für vier bis sechs Veranstaltungen im Jahr loszueisen.
Wo sollten sich Frauen noch mehr einmischen, wo sind sie noch zu zurückhaltend?
Männer sind zurückhaltend! Nämlich mit Informationen und die müssen die Frauen einfordern. Wie oft sagen Frauen im Arbeitskreis: „Da steh ich am Telefon da wie ein Depp, weil ich die Information von meinem Mann nicht bekam.“ Und die Kundschaft denkt, was ist denn das für eine unfähige Tussi!
Wünsche für den Arbeitskreis?
Der Arbeitskreis muss weitergehen! Wir brauchen unbedingt eine bessere Lobby im Malerhandwerk, nein im gesamten Handwerk. Wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen, müssen uns wehren. Vor allem gegen die immer aufwändigere Verwaltungsarbeit vom Gesetzgeber. Den interessiert es nicht was er in den Betrieben mit seinen Beschlüssen anrichtet und irgendwie kriegen es die Meisterfrauen auch immer hin. Dabei wär`s besser wir gingen – wie bei der Abschaffung des Meisterbriefes – auf die Straße und demonstrieren!
Kann Gabi Mezger die Früchte ernten für ihr ehrenamtliches Engagement?
In jeder Hinsicht! Heute sagt kaum mehr eine Meisterfrau: Ich helfe meinem Mann. Und etwas Wunderbares durfte ich erfahren! Im Laufe der Jahre sind aus Kollegen Freunde geworden. Und so ist der Arbeitskreis und das Malerhandwerk für mich persönlich ein großer Zugewinn.
Vielen Dank, liebe Gabi Mezger, dass Sie sich die Zeit genommen haben.
Ihnen persönlich und dem Arbeitskreis wünscht das Malerblatt alles Gute.
Das Interview führte Sabine Schief.

kompakt
Meisterfrauen sollen sich im Betrieb engagieren und einmischen. Tipps für den Alltag und gegenseitige Hilfestellung finden die Partnerinnen der Unternehmer im Arbeitskreis Frauen im Maler- und Lackiererhandwerk.
Arbeitskreis Frauen im Maler- und Lackiererhandwerk
1.Vorsitzende Gabi Mezger
Kupferstraße 21
70565 Stuttgart
Tel.: (0711) 78 88-512
Fax: (0711) 78 88 -55
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