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Farbrat Beck zum Konzept seiner Ausstellung in Dettingen

Betrieb & Markt
Dem Bedeutungsverlust entgegenwirken

Dem Kunden den Eindruck zu geben, er betrete „seine“ individuelle Ausstellung – das ist das Ziel von Wolfram Beck: „Alles zu zeigen, halte ich für nicht sinnvoll. Das kann den Kunden überfordern.“ Deshalb sind die Räumlichkeiten in Dettingen/Erms bewusst reduziert gehalten.

Andreas Ehrfeld

Da Becks Malerbetrieb unterschiedliche Kundengruppen wie Bauherren, Architekten oder Möbelaussteller bedient, erhält jeder dieser potenziellen Auftraggeber eine direkt auf ihn zugeschnittene Ausstellung – mit jeweils ausgewählten Farbmustern und unterschiedlichen Oberflächen. Darüber hinaus befinden sich in der Ausstellung auch die sogenannten „Stimmungsbilder“, die die Farb- und Materialvorlieben jeden Kundentyps einfangen sollen. Jederzeit lassen sich weitere Muster ergänzend zeigen: In Schränken versteckt finden sich weitere Beispielarbeiten sowie die technische Beratung.
Seit etwa zwei Jahren verfährt Malermeister Wolfram Beck in seinem Showroom nach dem Motto „weniger ist mehr“. Und das mit einem klaren Konzept. So spielt in den jeweiligen Ausstellungräumen sowohl die Akustik als auch die sensorische Haptik eine wichtige Rolle. Genau auf die ausgestellten Flächen abgestimmt ist auch der Lichteinsatz. „Bei Farben spielen Licht und Schatten eine wichtige Rolle. Der Schatten darf dabei nicht bedrohlich, düster oder schwer wirken.“ Dunkle Töne an der Decke? Farbrat Beck sagt dazu „Ja“: Dunkle Farben würden Räume höher wirken lassen. Ein Effekt, den der Schwabe in seinem Showroom auch beweisen kann. „Allerdings“, schränkt er ein, „funktioniert dieser Effekt nur bis zu einem gewissen Sättigungsgrad der Farbe.“ Pigmentstrukturen, das lässt sich im Dettinger Ausstellungsraum nachvollziehen, beeinflussen auch den Reflexionsgrad des Lichtes, das Licht bricht weicher.
Auch um dem Bedeutungsverlust des Malerberufs entgegenzutreten, gründete Beck im Jahr 1999 den Farbrat mit. In jedem Jahr wird vom Farbrat, einem Zusammenschluss von Malermeistern und Wohnraum-Gestaltern in Deutschland, der Schweiz und Österreich, ein Thema ermittelt, zu dem jedes der Farbrat Mitglieder einen Beitrag leisten muss.
Wand 17
„Porzellan“ lautete der Oberbegriff in diesem Jahr, der unter dem Oberbegriff „Wand 17“ vermarktet wird. Feine Strukturen und Flächen, die mit Licht spielen, machen die mit der „Wand 17“ ausgestatteten Räume laut Beck neu erlebbar. Anforderung an die Oberfläche des Jahres 2017 ist, ebenso wie bei den Vorgängerprojekten, das jeder Mitgliedsbetrieb die jeweilige Oberfläche gestalten kann. Um das zu gewährleisten, hinterlegen die Betriebe Rezeptur, Arbeitsanleitung und ein Muster. Wolfram Beck hat aus den vielen unter dem Motto „Porzellan“ hergestellten Oberflächen 17 ausgesucht, die er mit seinem Team für realisierbar hält und seinen Kunden künftig anbieten will. „Wir sehen uns als Gegenpol zu den großen Unternehmen.“ Um dies zu unterstreichen, hat Beck für die Zukunft des Farbrats große Pläne: „Wir wollen einen eigenen Preis verleihen, einen Preis der nicht aus der Industrie sondern dem Handwerk selbst kommt.“ Auch der Farbrat selbst, so der Wunsch, soll künftig zu einer Marke werden, das Label „Farbrat Oberfläche“ in der Branche bekannt gemacht werden.
Pigmente sind ein Thema, die dem Malermeister am Herzen liegen. Um zu verdeutlichen, was Farben mit hohem Pigmentanteil von denen mit geringerem unterscheidet, greift er zu einen bildhaften Vergleich: „Es ist wie mit dem Kochen mit Geschmacksverstärkern. Natürlich kann ich daraus auch ein schmackhaftes Essen kochen, ein mit echten Gewürzen zubereitetes Essen hat aber einen wesentlich besseren, intensiveren Geschmack.
„Es fehlt das Stoffliche“
Anders ausgedrückt: „Bei Industriefarben fehlt mir das Stoffliche. Die Pigmentvolumenkonzentration bei solchen Farben liegt bei maximal zehn Prozent. Wir arbeiten hier mit Farben, deren Pigmentvolumenkonzentration um ein Vielfaches höher ist.“ Zudem gebe es Pigmente, die sich schwerer als andere reproduzieren ließen, die eine höhere kristalline Verteilung hätten, grober seien. Damit könne die Industrie nicht arbeiten. Der staatlich geprüfte technische Fachwirt mit dem Schwerpunkt Gestaltung, arbeitet mit solchen Pigmenten, räumt auch gerne ein, dass diese Farben dann teurer als industriell gefertigte Produkte seien. Das liegt auch daran, dass die Schweizer Manufaktur kt.Color, von denen Beck seine Materialien bezieht, seltene Pigmente von Kreidefelsen, Ockergruben oder aus Steinbrüchen gewinnt. Daraus entstehen einzigartige Farbtöne. Beck ärgert, dass der Maler vielfach nur als Anstreicher gesehen werde, nicht als der kreative Handwerker, der er in früheren Zeiten war. Ähnlich wie der Malerberuf hätten auch die Farben an Wert verloren: „Eine Materialsprache der Farbe gibt es kaum mehr.“ Zeit, dass sich das wieder ändert. In Dettingen wurde dafür schon ein Grundstein gelegt.

praxisplus
Beck GmbH Farbrat
Vogelsangstraße 30
72581 Dettingen
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