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Ebert malt…

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Ebert malt…

Männer aufgepasst! Die Emanzipation hat das Malerhandwerk erreicht.

Lisa Gleichauf

Frauen sind als Führungspersonen in Malerbetrieben unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Malermeisterin Heike Merkert, geborene Ebert aus Rothenburg im wunderschönen Taubertal zeigt mit ihrem Malerbetrieb „Geschwister Ebert GmbH“ wie’s funktioniert.
„Sie sind die Chefin?“, ist oft die erste Frage. Und die Frage: „Hat die überhaupt Ahnung?“, die steht manchmal unausgesprochen im Raum. Und „Ob dieses zarte Fräulein am Bau richtig mit anpacken kann?“, das ist oft der erste Gedanke.
Sie kann’s und zwar schon seit vielen Jahren!
Frauenpower!
Heike Merkert räumt auf mit diesen lästigen Vorurteilen. Männer aufgepasst, geballte Frauenpower ist im Anmarsch!
„Das ist mein absoluter Traumberuf“, erzählt Heike Merkert in der Juniausgabe der Zeitung „Rotour“. In blitzsauberen weißen Malerhosen, den Zollstock griffbereit in der Seitentasche, darüber ein roter Pullover, sitzt sie am Schreibtisch. Die blonden Haare sind praktisch kurz geschnitten. Die leuchtend blauen Augen blicken ihr Gegenüber direkt an. „Als Frau musst du immer besser sein als ein Mann. Man muss sich durchsetzen, muss immer zwei Schritte voraus sein“, sagt sie mit einem schüchtern anmutenden Lady-Diana-Lächeln.
Vor elf Jahren machte sich Heike Merkert, geborene Ebert gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester selbständig. Zur Zeit beschäftigt sie in ihrem Malerbetrieb Ebert sieben Gesellen und ein Lehrmädchen.
Erste Schritte
1992 begann Heike Merkert ihre Ausbildung zur Malerin. Die Berufsidee stammte ursprünglich von ihrer Zwillingsschwester Martina. Heike Merkert wollte eigentlich Schauwerbegestalterin werden. Durch einen Ferienjob wurde sie auf den Beruf der Maler- und Lackiererin aufmerksam. Ihr machte die Arbeit so unheimlich viel Spaß, dass sie nichts anderes mehr erlernen wollte. Da ihre Zwillingsschwester zu diesem Zeitpunkt schon ihre Lehrstelle als Malerin begonnen hatte, erlernten sie schlussendlich beide, mit viel Ehrgeiz und Freude, den Beruf der Malerin.
Ihre Gesellenprüfungen absolvierten die Schwestern als Innungs- und Landessieger. Nach vier weiteren Gesellenjahren meldeten sie sich schließlich an der Meisterschule in Würzburg an und verwirklichten im Jahr 2000 ihren Traum der Selbständigkeit. In einem Alter von 24 Jahren ließen die beiden Eberttöchter sich von der Handwerkskammer beraten, besuchten ein Existenzgründerseminar und legten los.
„Über Ängste und Hoffnungen machten wir uns damals keine Gedanken“, erinnert sich Heike Merkert, „Wenn ich heute darüber nachdenke, bin ich mir sicher, dass uns damals die Unbeschwertheit der Jugend geholfen hat. Mit 20 Jahren macht man sich einfach weniger Gedanken als mit 30 und außerdem waren wir ja zu zweit“.
Steigender Bekanntheitsgrad
Anfangs wurden die beiden „Handwerksladys“ noch vom ein oder anderen Bauleiter belächelt, doch genau das motivierte die beiden dazu, weiterzumachen. Zudem sprach sich schnell herum, dass die Malermeisterinnen handwerklich wirklich etwas drauf haben. So wurden sie immer bekannter.
Architekten und Bauleiter haben mittlerweile eingesehen, dass man auch als Frau in einem Männerberuf „seinen Mann“ stehen kann.
Nur wenn auswärts gearbeitet wird, realisiert Heike Merkert manchmal noch, dass die Leute über ihre weibliche Erscheinung etwas überrascht sind.
Schicksalsschlag
Nach dem Tod ihrer Schwester im Jahr 2007 führt Heike Merkert mit der Unterstützung ihres Ehemannes den Betrieb nun alleine.
Sie arbeitet mit ihrem Malerbetrieb „Geschwister Ebert GmbH“ für Privatkundschaft, Architekten und Hausverwaltungen, in Krankenhäuser, Schulen sowie im Gewerbebau.
Es ist Heike Merkert sehr wichtig, vom Privatmann, welcher eine Toilette zu streichen hat, bis hin zum Großprojekt, alle Kunden bestens zu bedienen.
Mut durch Erfahrung
„Nach nun über zehn Jahren als Meisterin in dieser eigentlichen Männerbranche weiß ich damit umzugehen und mich durchzusetzen. Wichtig sind eine fachliche und gute Beratung. Ich denke, das können wir Frauen mindestens genauso gut wie die Herren“, sagt Heike Merkert entschlossen und sehr überzeugend. „Ich denke, manchmal hat man als Frau sogar ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kunden und mit der Farbgestaltung. Zudem besitzen Frauen die Fähigkeit, die Dinge ganz anders anzugehen und besser zu organisieren. Ich bemerke diesen Unterschied oft bei meinen Mitbewerbern.“
Gekommen um zu bleiben
Heike Merkert fühlt sich wohl in der Männerwelt. Sie hat diesen Weg eingeschlagen und geht ihn erfolgreich weiter. Trotz allem weiß sie, dass der Beruf des Malers mit körperlich anstrengender Arbeit verbunden ist. „Als Frau sollte man sich dessen immer bewusst sein“, meint Heike Merkert. Auch ihr Lehrmädchen hat viel Freude an der Arbeit – und wird ihr doch mal etwas zu anstrengend, dann unterstützen sie ihre Kollegen gerne.
„Für mich ist der Beruf der Geschäftsführerin eines Malerbetriebs immer noch mein Traumberuf“, fügt Heike Merkert abschließend hinzu, „ich bin frei, mir schreibt niemand etwas vor, ich kann mir meine Zeit so einteilen wie ich möchte und mich kreativ verwirklichen. Zudem habe ich stets Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen, es ist herrlich!“
Heike Merkert ist zielstrebig und fleißig. Zufrieden ist sie nur mit erstklassig ausgeführter Arbeit. Sie verlangt viel von ihrem Team. Dafür steht sie aber auch zu hundert Prozent hinter ihren Mitarbeitern und gibt ihnen dadurch ein motivierendes Gefühl der Sicherheit.
„Wenn man etwas gerne macht, dann kommt man auch weiter“, ist ihr Leitspruch. Heike Merkert macht ihren Job von Herzen gern. Das sieht man schon an ihrem zufriedenen Lachen.

kompakt
Heike Merkert ist Chefin eines Malerbetriebs und fand darin ihren Traum- beruf. Anfangs waren Kunden und Bauleiter manchmal noch skeptisch, weil sie ihr den „Männerberuf“ nicht zutrauten. Das hat sich aber längst geändert.
Geschwister Ebert GmbH
Geschäftsführerin
Heike Merkert
Klingengasse 5
91541 Rothenburg
Tel.: (09861) 709949
Fax: (09861) 976559
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