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Eine App wie ein Werkzeug

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Eine App wie ein Werkzeug

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Mit der Work-App können Anwender nicht nur die Bluetoot fähigen Akkus einschalten, sondern ach Ladezyklen und Akkustand einsehen. Foto: Evelyn Becker
Wie wird eine App zum Erfolg? Indem sie den Anwendern genau das bietet, was ihnen hilft. Einfach gesagt, doch wie findet man überhaupt heraus, was die Zielgruppe will? Das haben wir Michael Betz, App-Entwickler bei Festool, gefragt. Hier sind seine Antworten.

Autorin: Evelyn Becker

Die Festool Apps unterstützen den Arbeitsprozess auf der Baustelle und in der Werkstatt, befreien uns von kleinteiligen Zeitfressern, helfen bei der Organisation und geben sogar Self-Service-Tipps, wenn ein Gerät mal nicht so will, wie man selber möchte.

Doch was am Ende bei uns so reibungslos per Wischen und Tippen auf dem Bildschirm geschieht, bedurfte intensiver Forschung und besonders viel Inspiration direkt aus dem Handwerk. Das genaue Prozedere hat uns App-Entwickler Michael Betz und Festool-Anwendungsentwickler Simon Illing erklärt. Gemeinsam haben sie das Projekt von Beginn an betreut und gaben uns einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Order- und der Work-App.

Eine App, eine Lösung

„Wir haben unsere Apps nach dem gleichen Prinzip entwickelt, wie wir auch unsere Werkzeuge entwickeln“, erklärt Betz und verweist auf den Design-thinking-Prozess. „Dieser wird bei Festool schon seit Jahren gelebt.“ Konkret bedeutet das: eine App für ein Thema.

Gestartet ist das App-Projekt im April 2016, als One-Man-Show unter der kompetenten Hand von Michael Betz, Projektleiter für digitale Medien. „Wir wussten, dass Festool in dem Bereich Apps etwas aufzuholen hatte. Es war ganz klar, dass wir unseren Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten wollten.“ Los ging es mit einer Wettbewerbsanalyse, Interviews und internen Testings mit verschiedenen Ideen. Doch aller Anfang ist schwer, wie uns Michael Betz ganz offen gesteht: „Vor den ersten Kundenbefragungen war ich mir sicher, dass Lösungen für die Baustellen- und Mitarbeiterorganisation, Aufmaße oder Stundenabrechnung gefragt sind.“

„Bloß keine Handwerker-App“

Doch mit dieser ersten Einschätzung lag der Projektleiter falsch. „Da haben mich unsere ersten Termine wirklich zurückgeworfen“, erzählt Betz und kann heute drüber schmunzeln. „Wir haben wirklich viele Handwerksbetriebe besucht und uns sehr viel Zeit genommen, um mit den Leuten dort zu sprechen und zu erfahren, was genau sie wollen. Und genau das hat den Durchbruch gebracht, erinnert sich Betz: „Wir waren in einem großen Betrieb, haben uns unterhalten und sind natürlich auch durch die Werkstatt gegangen, um einen guten Eindruck von den Arbeitsweisen zu erhalten. Dort ist uns der Bestellzettel aufgefallen, auf den jeder Mitarbeiter schnell aufschrieb, welche Materialien benötigt – oder welche Teile nachbestellt werden müssen.“ Betz beschreibt, dass dieser Moment einen „kompletten Change in unserem Denken“ hervorgebracht hat. Es entstand die Idee für einen „digitalen Werkstattzettel“ und der Grundstein für die Order-App war geboren.

Ein Schritt nach dem anderen

Die Idee stand, doch ab diesem Punkt begann erst der intensive Teil. Die Order-App war ursprünglich für Infos über Zusatzteile gedacht, die dann auf herkömmlichem Wege beim Händler bestellt werden können. Mit weiteren Besuchen und Befragungen bei Betrieben wurde es Betz und Illing jedoch bewusst, dass es damit nicht getan ist. „Schritt für Schritt kamen Punkte hinzu, die den Handwerkern darüber hinaus wichtig waren und vor allem, die ihnen einen Zusatznutzen im Alltag verschaffen. „Es begann damit, dass die User eigene Listen abspeichern konnten, sogar fremde Produkte haben wir wegen Nachfrage der Kunden mit in die App aufgenommen.

Letztendlich konnten den Nutzern dann auch unterschiedliche Rollen zugewiesen werden. Betz gibt zu, dass Sie auf viele dieser Punkte von allein gar nicht gekommen wären. „Die Apps kommen so gut an, weil wir bei dem Prozess die Benutzer von Anfang an mit einbezogen haben. Nur in dieser Kombination ist es uns gelungen, eine Software zu entwickeln.

Hilfe zur Selbsthilfe

Kurz nach der Order-App wurde die zweite Idee angegangen – die Work-App. In dieser Service-App können sich Handwerker mit ihrem MyFestool-Account registrieren, ihre Geräte hinterlegen und zur Garantie anmelden, Laufzeit und Leistung und sogar den letzten Standort der Bluetooth-Akkus einsehen. Ein besonderes Highlight bildet die Möglichkeit zum Software Update, bei dem der Handwerker selbstständig die Software auf seinem bluetoothfähigen Werkzeug oder Akku aktualisieren kann. Ziemliche viele Leistungen, die aber stets übersichtlich und kompakt in der App einzusehen sind.

Und wenn der Sauger nicht mehr saugt und der Schleifer nicht mehr schleift? Auch hier bietet die App Unterstützung. Bei Saugkraftverlust beispielsweise meldet die App dies sofort. Doch das allein ist bei Festool nicht genug. Es werden auch kurze Tutorials zur möglichen Fehlerbehebung angezeigt. So geht es von der Push Notifikation direkt über zum Self-Service. „Das ist ein riesiger Vorteil, der bei den Anwendern sehr gut ankam“, so Simon Illing. Denn nichts ist ärgerlicher, als wenn man auf der Baustelle nicht weiterarbeiten kann. Hat der Handwerker jedoch die Möglichkeit, den Fehler in kurzer Zeit selbst effizient und korrekt zu beheben, spart er Zeit und somit Kosten. Diese Lösung wurde von Festool zum ersten Mal beim Absaugmobil CT MINI/MIDI eingesetzt.

Die digitale Transformation!

„Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, ganz nah bei den Kunden zu sein und die Apps gemeinsam zu entwickeln.“ Für Betz bedeutet das einen transparenten und integrativen Prozess zu verfolgen. „Wir beziehen die Handwerker in jeden Schritt mit ein, anstatt plötzlich mit einem „Big-Bang“ in den Markt einzutreten.“ Festool betont dabei, dass die Apps nichts verkomplizieren dürfen, sondern dem gewillten Handwerker einen zusätzlichen Nutzen bieten sollen. Alle Geräte und Werkzeuge können ganz normal genutzt werden – ob mit oder ohne App. Diese ist nur eine Erweiterung, eine Serviceleistung, die dem Anwender durch mehr Individualisierung Unterstützung bieten soll. Durch die Entwicklung der Apps und den Einstieg in die IOT-Welt (Internet of Things) begann für das ganze Unternehmen eine, wie Betz beschreibt, „digitale Transformation“. „Nun sind wir an dem Punkt, wo wir hergehen und überlegen, für welche unserer Werkzeuge das IOT hilfreich und vor allem sinnvoll ist.“ So können bei der Werkzeugentwicklung frühzeitig Schnittstellen berücksichtigt und in die Prozesse einbezogen werden.

Mittlerweile arbeiten rund zehn Leute an der Weiterentwicklung, Verbesserung und natürlich neuen App-Ideen. „Die erste Asbaustufe der zwei Apps ist so gut wie abgeschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass das Team rund um Michael Betz untätig ist. „Von den vielen Ideen, die wir am Anfang hatten, haben wir mit zwei gestartet, was nicht heißt, dass die anderen nicht auch gut waren.“ Wir können also davon ausgehen, dass in Zukunft noch mehr digitale App-Lösungen des Werkzeugspezialisten ihren Weg auf die Smartphones und Tablets der Handwerker finden werden.

Weitere Infos:
www.festool.de


Die Apps sind immer nur als eine Erweiterung zu sehen.



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