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Health Care

Betrieb & Markt
Health Care

Besondere Räumlichkeiten wie Arztpraxen, Senioreneinrichtungen oder Pflegezentren benötigen eigene, „gesunde“ Gestaltungskonzepte.

Kai Sonntag

Wer sich mit Uwe Walter unterhält, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Er ist Chemiker und Malermeister und führt einen Malerbetrieb in Dortmund mit 28 Mitarbeitern. Eigentlich führt er aber vier Betriebe: „Wir haben unseren Betrieb in vier einzelne Unternehmen aufgeteilt, zwei führen die üblichen Malerarbeiten aus, einer ist für High-End-Arbeiten zuständig. Und dann haben wir noch die Vital-Konzept GmbH.“ Dieses Tochterunternehmen beschäftigt sich ausschließlich mit der Gestaltung von besonderen Lebensräumen, bei denen der Zusammenhang zwischen Farbe, Licht und Gesundheit eine Rolle spielt. „Schon seit langem befasse ich mich mit Farbe jenseits der Gestaltungsästhetik. Dabei interessiert mich die Frage, wie Farbe Therapien unterstützen oder bewusst in bestimmten Lebenssituationen eingesetzt werden kann“, erklärt der 52-jährige Malermeister und diplomierte Lebensraumgestalter. „Deshalb habe ich auch eine Zusatzausbildung zum psychologischen Farbberater absolviert.“
Demenzzimmer
Was das genau bedeutet, erläutert er anhand von zwei Beispielen: „Vor einigen Jahren bin ich von einem Krankenhausträger angesprochen worden, ob ich nicht Zimmer für demenzkranke Patienten einrichten kann. Zunächst einmal haben wir uns daran orientiert, dass Menschen im Alter Farben anders wahrnehmen. Üblicherweise geht man von seinem eigenen Farbempfinden aus. Aber die Menschen sehen im Alter nicht mehr so klar, eher kommt das Empfinden einem Farbbrei gleich. Daher haben wir darauf geachtet, gesättigtere Farbtöne zu verwenden, die für uns eher ungewohnt, ja sogar störend sind.“ Er fährt fort: „In dem Zimmer haben wir bewusst die Grundfarbigkeit in einem Grünton gestaltet, weil das entspannend wirkt. Gleichzeitig gibt es weitere Bereiche in einem Gelbton, dem allerdings die Leuchtkraft genommen wurde und daher fast beige wirkt. Dann haben wir uns die Wand besonders vorgenommen, auf die der Patient am häufigsten schaut. In diese Wand haben wir Schienen eingebaut, in die von den Patienten Platten in etwa 1 m² Größe in unterschiedlichen Farbtönen reingeschoben werden können. Damit kann das Zimmer von Patient zu Patient unterschiedlich gestaltet werden.“ Woher weiß er, welche Farbe für diese Wand die richtige ist? „Es gibt bereits eine Reihe von Tests, mit denen eine Farbe einem Persönlichkeitstyp zugeordnet werden kann. Wir haben daraus einen Farbtest entwickelt, der auf Farbtafeln basiert, die dem Kunden präsentiert werden. Der Kunde sucht dann nach einem bestimmten System Farbkarten heraus.“ Aber das Farbempfinden kann sich doch auch im Laufe der Zeit ändern, auch können Stimmungen unterschiedlich sein. „Die Pflegekräfte merken relativ schnell, wenn sich ein Patient in dem Zimmer irgendwie nicht mehr wohlfühlt. Entweder der Patient ändert selbst die Farbtafel, oder wir werden gerufen und machen einen erneuten Farbtest.“ Das Demenzzimmer, so Walter, habe sich im Laufe der Zeit zum beliebtesten Zimmer entwickelt, die Zeit der stationären Aufnahme, bis der Patient dann wieder nach Hause entlassen wird, habe sich halbiert bis gedrittelt.
Arztpraxis
In einem anderen Beispiel hat der Malermeister eine Zahnarztpraxis neu eingerichtet. „Hier ging es nicht so sehr um Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern darum, wie das Patientenklientel auf eine andere Farbgestaltung reagiert. „Wir haben dann die Praxis neu gestaltet und mit akzentuierten Farbtönen gearbeitet. Das war für den Zahnarzt durchaus ungewohnt. Aber tatsächlich konnte er ein anderes Klientel ansprechen.“
Farbwelten
Uwe Walter hat bei seinen Entwürfen einen regen Austausch mit den Experten von Caparol in Ober-Ramstadt. Dipl. Designerin Martina Lehmann ist seit fast 20 Jahren im FarbDesignStudio des Farbenherstellers angestellt. „Die Auswirkungen von farblich gestalteten Räumen auf das Empfinden von Menschen spielen bei uns eine große Rolle. Dies zeigt sich etwa bei der Gestaltung von Arztpraxen. Dort müssen wir berücksichtigen, dass Patienten möglicherweise Schmerzen haben, sich nicht wohlfühlen, unsicher sind, auch Angst vor der Behandlung haben. Die Raumgestaltung und Farbwahl kann Vertrauen schaffen, beruhigen, vielleicht aber auch anregen, überraschen und somit ablenken.“ Eine große Bedeutung hat die Farbgestaltung auch in Seniorenwohneinrichtungen. „Die Zahl älterer Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen nimmt stetig zu, damit steigt der Bedarf an wohnlichen und kontrastreichen Farbkonzeptionen, die auch bei Seheinschränkungen oder Demenz positiv wirken. Wir haben speziell für ältere Menschen ein besonderes Beratungsmittel, die „Lebensräume“, entworfen.“ Dabei wurden wissenschaftliche Erkenntnisse genauso berücksichtigt wie die Praxis-Erfahrungen aus der Altenpflege. „Zunächst einmal haben wir Farbspektren entwickelt, die nicht nur einzelne Räume, sondern ganze Raumgruppen einbeziehen. Das umfasst den Privatbereich, Flure und Gemeinschaftsräume. Jeder Raum hat eine andere Nutzung und spricht damit unterschiedliche Bedürfnisse an.“ Wesentlich darüber hinaus sind aus Sicht von Martina Lehmann aber der besondere Personenkreis und deren Lebenssituation. „Gerade Bewohner in Pflegezentren halten sich durch die eingeschränkte Mobilität nur noch selten außerhalb der Einrichtung auf. Farbstimmungen, die an gewohnte Bilder aus der Natur anknüpfen, sind deshalb besonders wirkungsvoll.“ Der Fächer „Lebensräume“ gliedert sich in fünf Farbwelten: „Sommerfrische“, „Rosengarten“, Meeresbrise“, „Landpartie“ und „Frühlingswiese“.
Barrierefreiheit
Ein großes Thema spielt nach Aussage von Martina Lehmann die Barrierefreiheit, was sich auch darin zeigt, dass Caparol eine Kooperation mit der „Stiftung Gesundheit“ eingegangen ist. „Barrierefreiheit ist keineswegs nur eine Frage der motorischen Einschränkung. Sehbehinderungen sind weit verbreitet. Da kann eine „barrierefreie Gestaltung“ mit starken Kontrasten bei der Orientierung sehr hilfreich sein: etwa, indem sich Türen und Stützen deutlich von Wand und Boden absetzen. Natürlich müssen wir aber auch darauf achten, dass dadurch nicht das Wohlbefinden und die Raumatmosphäre verloren gehen. Für Malermeister Uwe Walter ergeben sich aus seinem Konzept interessante Kundenbeziehungen. „Für mich ist das die Kernaufgabe des Malers: Beratung in Fragen, die für den Kunden relevant sind, und dann natürlich auch die Ausführung der Arbeiten. Egal ob Arztpraxis, Kindergarten oder private Räume, der Zusammenhang zwischen Gestaltung, Wohlbefinden und Gesundheit spielt eine große Rolle.“
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