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Ja zum neuen Jahr

Betrieb & Markt
Ja zum neuen Jahr

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Foto: Florian Kunde / Adobe Stock

Man muss zu Silvester nicht den Brauch des Bleigießens gepflegt haben, um vorherzusehen, was in diesem Jahr auf uns zukommt. Wenn die Masken endlich fallen, werden wir sehen, was dahinter bzw. zu erwarten ist: Das volle Ausmaß der Hilfspakete und die Diskussionen darüber, wie die Kosten aufzubringen sind -und von wem; die Klagen und Forderungen derer, Selbständige wie Arbeitnehmer, die die Krise wirtschaftlich nicht überstanden haben; Debatten um neue Haushaltspläne; Diskussionen über eine Rentenreform, das bedingungslose Grundeinkommen und die Forderung nach der Viertagewoche; große Steuerdebatten, aber auch kleine, wie aktuell die, ob man Arbeitnehmer, die weiter im Homeoffice bleiben und dadurch u. a. Fahrkosten sparen, mit einer Zusatzsteuer belegen, oder der gegenteiligen Forderung nachgeben soll, die Heimarbeiter zu entlasten, weil sie zur Reduzierung der Bürokosten und auch zum Umweltschutz beitragen. Einige werden zu neuen Ufern aufbrechen, andere ungeduldig zurück in die Büros streben, und, und, und…

… Aber wir werden von der durch Corona gesteigerten Lust am Bauen profitieren. Bau- und Ausbaubetriebe haben jetzt schon eine Vorlaufzeit von drei Monaten und auch die vielfältigen Fördermaßnahmen für energetische Modernisierung tragen zu guter Auslastung bei. Besonders für uns Maler interessant: In der Krise florieren vor allem die Betriebe, die überwiegend Privatkunden haben.

Bauen wie gedruckt

In der letzten Ausgabe habe ich darüber berichtet, dass durch eine „Europäische Bauhausbewegung“ eine grundsätzliche Bauwende herbeigeführt werden soll. Angesichts der Tatsache, dass allein die Herstellung von Zement weltweit acht Prozent des CO2-Ausstoßes verursacht, stellt sich natürlich die Frage nach der künftigen Beschaffenheit der Wände. Bei dendrei Testhäusern, jeweils eines aus Holz, Beton und Ziegel, die jetzt in Bad Aibling errichtet wurden, schnitt nach Expertenmeinung das aus Holz am umweltfreundlichsten ab. Würde der Holzbau forciert, könnten die Waldbesetzer ihre Baumhäuser direkt an den Baustellen zusammenzimmern. Auch andere halten den Holzbau als Zukunftsmodell für einen Holzweg, zum Beispiel zwei Brüder aus Bayern, die mit ihrem kleinen Baubetrieb gerade das erste Mehrfamilienhaus drucken. Sie haben richtig gelesen: Drucken. Der Rohbau für das Fünffamilienhaus wird, wenn Sie das lesen, schon fertig sein. Zwei Mitarbeiter haben dafür dann gerade mal 6 Wochen gebraucht. Die einen machen Druck gegen das herkömmliche Bauen, die anderen bauen Häuser aus dem Drucker. Eine schnelle Wende bei den Wänden wäre ein Wunder.

Wie man besser wird

Montags malen – besser kann man die Woche kaum beginnen. Und besser als die jungen Kursteilnehmer kann man auch kaum malen. Bei den Fotos der Arbeiten, die mir der Leiter der Frankfurter „Montagsmaler“ (über die ich hier schon mal geschrieben habe), Norbert Dehmel, jetzt geschickt hat, blieb mir wirklich „die Spucke weg“ – was eher selten vorkommt: Höchste handwerkliche und auch künstlerische Qualität. Diese Lehrlinge wollen was, das spürt man. Und wenn man etwas unbedingt will, dann wird man fast von selbst gut darin, sagte kürzlich einer, der mit 16 das härteste Motocross-Rennen der Welt gefahren ist und mit 21 Weltmeister wurde.

Die Montagsmaler wollen Gutes noch besser machen. Im Januar mit einer neuen Staffel. Das schaue ich mir an. Als begeisterter Fan.

Sprühverderber

Die Stadt Frankfurt unterhält für die Graffiti-Entfernung ein technisch gut ausgestattetes Team. Dessen Werbung auf den Fahrzeugen gefällt mir: Sprühverderber.

Fordern ist keine Kunst

Die reichsten 10 Prozent erbringen annähernd 60 Prozent des gesamten Steueraufkommens und finanzieren damit auch die Förderung der Kultur überproportional. Da ist es schon verwunderlich, dass einer der Begüterten, Herbert Grönemeyer, für Künstler eine monatliche Grundsicherung fordert – finanziert von den Reichen. Viele Künstler haben mit den Risiken und Chancen in unserer sozialen Marktwirtschaft nicht viel am Hut. Aber Beamte sind sie nicht. Und der Staat ist keine Künstler-Versorgungskasse. Viele Künstler werden derzeit unterstützt. Aus gutem Grund. Für eine Grundsicherung gibt es aber keinen.

Für Land und Leute

Wir seien nach Japan das zweitälteste Land der Welt, habe ich kürzlich gelesen. Das ist natürlich falsch. Die Feststellung betrifft nicht das Land, sondern die Leute: 23 Millionen Deutsche sind schon über 60 und zählen zur Corona-Risikogruppe, die vor den Jungen Anspruch auf Impfung haben soll. Wir sehen also nicht nur sprichwörtlich alt aus -wir sind es auch. Aber die ganze Korona der Älteren hat auch im Wohnbereich andere Ansprüche und Bedürfnisse als die Jungen. Dieser wachsenden Zielgruppe können wir adäquate Angebote machen. Spritzig und ohne lange Wartezeiten. Nicht nur beim Impfen gilt: „Wer zuerst kommt mahlt – nein: malt zuerst.“

Gegen dunkle Flecken

Weil die Glotze nun mal ein dunkler Fleck vor der Wand ist, bietet ein namhafter Hersteller jetzt einen „Lifestyle-Fernseher“ an – und dazu passend „Living-Colour“, die Farbe für die Wand dahinter, jeweils als Komplementärton zum Gerät. Die Kollektion enthält, so der Hersteller, Farbtöne, die zum Beispiel harmoniefördernd, beruhigend oder entspannend wirken. Wer einen „Lifestyle-Fernseher“ kauft, bekommt die passende Farbe dazu geschenkt. Geschenkt – das habe ich mir bei dem Angebot auch gedacht. Ob man mit diesem Design-Programm besser fernsieht? Ich sehe da schwarz.

Danke der Nachfrage

Manche Werbung wirkt einfach verboten, Verbotene zeigt manchmal Wirkung. Über den Anruf der Ehefrau eines Handwerkers, die erst höflich fragte, ob sie mich kurz was fragen dürfe, und dann, ob es bei uns was zu renovieren gäbe, habe ich mich nicht aufgeregt – und auch nicht aufgelegt. Warum auch? Dazu kam der Anruf zu gut an. Sie sagte, was sie alles machen und fragte, ob ich was zu machen habe. „Danke der Nachfrage“ sagte ich und wünschte viel Erfolg. Solche Gespräche sind Anbietern verboten – mir nicht.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Manuel Lettenbichler

Wenn man etwas unbedingt will, dann wird man fast von selbst gut darin.

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