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Marktübersicht kompakte Stadtlieferwagen

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Bonsai-Transporter für die City

Kompakte Stadtlieferwagen sind im Cityeinsatz flink, wendig und bieten erstaunlich viel Platz. Sie ergänzen häufig die Flotte der schweren Transporter im Maler- und Lackierereinsatz. Die große Auswahl reicht vom kostengünstigen Leichtlieferwagen bis zum Premiumtransporter mit Pkw-Komfort.

Autor: Oliver Wilms

Es kommt auch beim Transporter immer auf den Charakter an. So ist die leichte Kavallerie unter den Lieferwagen nicht als klassischer Schwerlastträger oder Gerüsttransporter unterwegs. Denn mit rund zwei Tonnen zulässigem Gesamtgewicht können die Pkw-ähnlichen Nutzfahrzeuge gerade mal eine Tonne Nutzlast schultern. Dafür spielen sie in der belebten City mit Parkproblemen und beengten Zufahrten ihre wahren Trümpfe aus: wendig, kompakt, parkraumsparend und günstig in Betrieb und Unterhalt. Darüber hinaus bieten die Leichtlieferwagen ein oftmals erstaunlich gutes Platzangebot für Mann und Material.

Ihr Frachtraum schluckt trotz der geringen Außenmaße recht viel Ladung – bis hin zur Europalette, die entweder quer von hinten oder bei manchen Vertretern dieser Klasse sogar über die seitlichen Schiebetüren verstaut werden kann.

Zur Beladung reicht standardmäßig eine rechte Schiebetür, gegen oftmals deftigen Mehrpreis kann man manchmal eine zweite auf der linken Seite ordern, die allerdings im gewerblichen Einsatz nicht zwingend benötigt wird. Das Heckportal gibt Doppelflügeltüren oder eine Heckklappe frei. Zum schnellen Öffnen in beengtem Abstellplatz ist die Flügeltür, bei manchen Herstellern sogar asymmetrisch geteilt, die praktikabelste Lösung. Für Stafetten oder Gerüstteile hilft eine sogenannte Leiterklappe im Dachbereich, die der eine oder andere Hersteller optional anbieten kann. Und haben die Meister wichtiges Arbeitsgerät vergessen zum Einsatzort mitzunehmen, können die flinken Winzlinge im Handumdrehen nachliefern. Mit ihren handlichen Abmessungen und potenten Antrieben bahnen sie sich in Windeseile ihren Weg durch gedrängten Stadtverkehr und enge Nebenstraßen.

Volkswagen

Auf dem Branchenprimus, dem vielseitigen Volkswagen Caddy, lastet der Erfolgsdruck, an seine ebenso praktischen wie komfortablen Vorgänger anzuschließen. Der neue VW Caddy der mittlerweile fünften Generation hat seinen Markteintritt erfolgreich vollzogen. Mit komplett neuer, gestreckter, etwas niedrigerer Karosse und neu sortiertem Motorenprogramm will der in Polen produzierte Bestseller an seine Führungsrolle auf dem Markt der Citylieferwagen anknüpfen. Wahlweise gibt es den Caddy sogar mit digitalem Armaturenbrett und einer Vielzahl von elektronischen Helferchen, die den Preis des Lastenträgers schnell in den Mittelklasse-Pkw-Bereich liften. Für den Handwerkereinsatz bleibt die pflegeleichte Innenraumvariante in Hartplastik und mit analogem Instrumentarium erhalten. Ein echtes Pfund ist hier die Maxi-Version, die unglaublich viel Laderaumvolumen anbietet, ohne in die Anschaffungskosten eines T6-Transporters zu klettern. Allrad und siebenstufiges DSG-Direktschaltgetriebe stehen bei Bedarf als Option zur Verfügung. Die Top-Dieselmotorisierung leistet nun 122 statt vormals 150 PS, für den Maler on tour allemal ausreichend. Als Einstieg fungiert ein 75 PS starker Basis-Diesel. Sogar ein Elektroantrieb soll für den Caddy in Bälde zur Verfügung stehen. Bei aller Qualität ist die Anschaffung eines Caddy vergleichsweise teuer, zahlt aber später mit entsprechend gutem Wiederverkauf wieder auf das Firmenkonto ein.

Mercedes-Benz

Mit Premiumanspruch geht auch Mercedes-Benz ins Rennen um die Gunst der Lieferwagennutzer. Nachdem dem Vorgänger Citan als abgewandelte Version eines Renault Kangoo kein rechter Markterfolg beschieden war, soll der neue Citan oder auch als T-Class bezeichnete Nachfolger nun endlich ein „echter Mercedes“ werden. So viel verspricht der Premiumhersteller für den im Sommer debütierenden Leichtmatrosen mit Stern am Kühler. Auch hier bildet der ausgewiesene Lieferwagenexperte Renault Kangoo die Grundbasis, diesmal soll aber deutlich mehr Mercedes-DNA in den leichtesten Lieferanten aus der Sternenflotte einfließen. Deswegen hat Mercedes mit der Neuauflage des bereits auf dem Markt erschienenen neuen Renault Kangoo schon in der Entwicklungsphase mitgearbeitet.

Entsprechend Mercedes-like soll das Ergebnis für den leichtesten Lieferwagen mit Stern diesmal ausfallen. Sogar an eine Hochdachvariante – in diesem Marktsegment eher selten – ist gedacht. Ab 2022 soll nach dem Willen der Mercedes-Granden auch eine vollelektrische Version für den Cityeinsatz nachgereicht werden. Ein sprachgesteuertes Infotainmentsystem, Online-Navi und Touchscreens im ansonsten analog gehaltenen Cockpit sprechen die Sprache der Zukunft. Mit einer Neuanschaffung sollte man also bis zum Debüt des neuen Citan-Nachfolgers warten, der gegenüber seinem glücklosen Vorgänger ein ganzes Pfund mehr Produktvorteile mitliefert. Oder man nutzt den Abverkauf des Vorgängers für ein besonderes Schnäppchen mit Stern.

Renault

Daimler-Produktionspartner Renault prescht mit der Neuauflage des Dauerbrenners Kangoo etwas voraus und bietet schon seit Mai den durchaus sehens- und fahrenswerten Nachfolger des europaweit beliebten Stadtlieferwagens an. Zu wohlfeilen Preisen steht hier ein selbstbewusst erwachsen gestylter Franzose auf den Rädern, der den Vergleich zum VW Caddy durchaus nicht scheut. Das Interieur ist gegenüber dem Vorgänger deutlich aufgewertet worden, große Fensterflächen ermöglichen optimale Rundumsicht – von schlichtem Nutzfahrzeug kaum noch eine Spur. Besonderer Clou: Auf die B-Säule wurde als Anschlag für die seitliche hintere Schiebetür verzichtet. Wenn der Beifahrersitz weggeklappt wird,öffnet sich durch die „Open Sesame by Renault“-Öffnung eine Ladefläche von XXL-Format. Das hat so noch kein Hersteller geleistet – Chapeau Renault!

Die riesige Ladepforte gibt es vorerst nur für den Kangoo Rapid mit schwenkbarer Laderaumwand und 4,49 m Länge. Der verlängerte Kangoo mit einer knapp 87 cm breiten Schiebetür und rekordverdächtigen 3,55 m Laderaumlänge wird ebenso wie die Vollelektrovariante in den nächsten Monaten nachgereicht. Ein weiterer Clou beim Kangoo: Eine klappbare Dachgalerie bietet Platz für Leitern, Stangen oder Gerüstteile. Für den urbanen Vortrieb sorgen zum Marktstart zwei Benzinvarianten mit 102 und 130 PS sowie ein 95 PS starker Diesel. Im kommenden Jahr soll die Auswahl um zusätzliche Leistungstufen im Dieselangebot und eine Vollelektrovariante erweitert werden. Mit seinem Pkw-ähnlichen Fahrwerkskomfort und einer wertigen kompletten Ausstattung bei niedrigeren Preisen hat der neue Renault eindeutig den Marktführer Caddy im Visier.

Nissan

Ins Nischensegment stößt dagegen eher der Renault-Partner Nissan mit seinem NV-Modell. Basierend auf dem vorherigen Renault Kangoo Rapid kennzeichnen zwei Karosserievarianten, zwei seitliche Schiebetüren und Doppelflügeltüren hinten den japanischen Zwillingsbruder. Der neue Renault Kangoo bedeutet automatisch auch Modellwechsel für den noch jungen Nissan NV250. Erst im Herbst 2019 hat Nissan die Ablösung NV250 für den betagten Vorgänger NV200 ins Rennen geschickt. Den gibt es jetzt nur noch auf unbestimmte Zeit in der elektrischen Variante als e-NV200 im Nissan-Programm. Die E-Plattform von Renault bietet einen 52-kW-Elektromotor und Batteriepakete für maximal 400 km Reichweite. Die Basisdaten des NV250 haben sich gegenüber dem Kangoo Rapid nicht verändert: zwei Radständen, zwei Karosserievarianten und Diesel-Motorisierung in den genannten Leistungsstufen. Das zulässige Gesamtgewicht reicht bis 2,2 t, die Nutzlast bis 719 kg. Nissan bietet für den NV250 eine Fünf-Jahres-Garantie bis 160.000 km – ein Novum in dieser Klasse.

Fiat

Etwas in die Jahre gekommen ist inzwischen der Fiorino, dessen sechste Generation Fiat 2016 vorgestellt hat. Damals frischten die Italiener Karosserie- und Innenraum auf und verpassten ihrem kleinsten Lieferwagen mit 2,8 m3 Ladevolumen und 660 kg Nutzlast neue Motoren und auf Wunsch eine automatisierte Schaltung. Unter der Haube trägt der Italiener einen 1,3-Liter-Diesel mit 80 oder 95 PS. Dazu gesellt sich ein 1,4-Liter-Benziner mit 77 PS sowie eine Erdgasvariante. Das bivalente Triebwerk Natural Power arbeitet wahlweise mit Benzin oder Erdgas (CNG) und leistet 70 PS. Der Fiat Fiorino kommt in zwei Karosserievarianten (Cargo und Kombi) auf die Straße. Mit einem Einstiegspreis von 11.490 Euro gehört der kleine Italiener zu den preiswertesten Angeboten dieser Fahrzeugklasse.

Ford

Ford tritt in diesem Segment mit einem Doppelangebot aus einem kleinen und einem mittleren Stadtlieferwagen am Markt an. Seit Sommer 2018 ist der aktuelle Ford Transit Courier für den gewerblichen Einsatz verfügbar. Ihn treiben ein 1,5 Liter großer TDCi-Turbodiesel mit 75 und 100 PS sowie ein 1,0-Liter-Ecoboost-Benziner mit 100 PS an. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder erfolgt jeweils mittels Sechsgang-Handschaltgetriebe. Der Laderaum misst 2,4 m3, die Zuladung von Kastenwagen und Kombi beträgt maximal 550 Kilo. Etwas größer kommt der Ford Transit Connect daher. Diesen gibt es zusätzlich mit einem 120-PS-Diesel, für den optional eine Achtgangautomatik bereitsteht. Alle Dieselmotoren folgen der Euro 6d-Temp-Abgasnorm. Dafür sind ein SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung nötig. Zwei Radstandvarianten erlauben Transportvolumina von 2,9 bis 3,6 m3 und Nutzlasten zwischen 514 und 828 kg. Dank Durchladeöffnung in der Stirnwand und variabel klappbarem Beifahrer-Doppelsitz lässt sich die nutzbare Ladelänge auf 3,0 beziehungsweise 3,4 m erweitern.

Toyota

Im zweiten Jahr ist nun der Toyota Proace City als Kastenwagen bei den Händlern verfügbar. Er entstammt als Brudermodell der Nutzfahrzeug-Kooperation von Peugeot, Citroën und Opel (PSA-Gruppe). Der kompakte Japaner ist in zwei Karosserielängen (4,40 und 4,75 m) zu haben. Die optionale Durchlademöglichkeit nennt sich „Smart Cargo“ und bietet Ladelängen bis 4,40 m in der langen Version. Den Antrieb besorgen Verbrenner (Benziner und Diesel) mit 75 bis 130 PS aus dem PSA-Konzern. Eine Elektrovariante folgt trendgerecht den Verbrennern. Manuelle Fünf- oder Sechsganggetriebe sowie eine 8-Stufen-Automatik übertragen die Kraft an die Räder. Das Ladevolumen misst zwischen 3,3 und 4,3 m3, die maximale Zuladung beträgt bis zu 1,0 t. Preislich startet der Proace City bei 16.220 Euro netto.

Citroën / Peugeot / Opel

Was bei Toyota der Proace City ist, heißt bei Citroën Berlingo und Peugeot Partner und bei Opel Combo. Die Karosserie aller vier ist im Prinzip identisch. Nur die Front der Stadtlieferwagen wurde dem jeweils eigenen Stil der Marke angepasst. Da sich die technischen Features und Abmessungen gleichen, nehmen auch alle Modelle auf maximal 3,44 m Ladelänge zwei Europaletten quer auf. Der Platz zwischen den Radkästen reicht dafür aus. Naturgemäß variieren die Preise zwischen den drei fast identischen Fahrzeugtypen auch nur leicht. Neu bei Opel: Der Combo Cargo kann jetzt mit Allradantrieb und mehr Bodenfreiheit geliefert werden. Dafür gibt es den Citroën Berlingo und den Peugeot Partner als Kastenwagen auch mit Elektromotor. Sie lassen Höchstgeschwindigkeiten bis 110 km/h zu. Die Reichweite geben die Hersteller mit 170 km an.

Deutschlands günstigstes Nutzfahrzeug war die längste Zeit der Dacia Dokker Express. Der knapp 10.000 Euro billige Preisbrecher aus Rumänien wird jetzt von dem Renault Kangoo Express als kostengünstiges Einsteigermodell ab 14.190 Euro abgelöst. Die Diesel-Triebwerke leisten 75 oder 95 PS und der Benziner kommt auf 102 PS. Eine LPG-gasgetriebene Variante gibt es nicht mehr. Dafür aber eine auf Tempo 100 km/h regulierte Eco-Leader-Version, die rund einen halben Liter weniger Treibstoff verbrauchen soll. Bleibt zu hoffen, dass die freiwillige Limitierung der Höchstgeschwindigkeit kein böses Omen für ein Tempolimit nach der Bundestagswahl sein soll. Denn auch im Malergewerbe ist Fahrzeit bares Geld wert.

 

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