Betrieb & Markt

Lästiges und Lustiges

Nach den Debatten um Sommerzeit oder Winterzeit jetzt also der Streit um die Arbeitszeit. Die soll nach einem
Urteil des Europäischen Gerichtshofs genau erfasst werden. Bei der Umsetzung auf Länderebene soll es Spielräume geben und für Handwerksbetriebe Sonderlösungen. Als ob die nötig wären. In unseren Betrieben ist die Zeiterfassung präzise und unbürokratisch. Oder kennen Sie Gesellen, die weniger Stunden aufschreiben, als sie gearbeitet haben?

Mehr Lehrgeld zahlen

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Ausbildungsvergütungen ab 2020 mindestens 519 Euro betragen und dann auf 620 Euro steigen sollen. Ab 2023 wird der höchste Mindestlohn dann bei 868 Euro liegen. Für unsere Betriebe mit vergleichsweise hohen tariflichen Vergütungen wäre das kein Problem. Problematisch ist allerdings der staatliche
Eingriff in die Tarifautonomie. Und in strukturschwachen Gebieten und für
einige Berufe geht es um beträchtliche Summen. Man darf gespannt sein, ob so viel „Lehrgeld“ Ausbilder nicht abschreckt. Was bringen die Auszubildenden im ersten Jahr schon ein? Sind doch noch Lehrlinge.

Mit Donald Trump trumpfen

Donald Trump als Beispiel in der Rede bei der diesjährigen Freisprechungsfeier zur Gesellenprüfung – kann ja wohl nicht wahr sein? Ist es aber: Der LIV Hessen liegt nämlich auch in diesem Jahr mit seinem Freisprechpaket wieder voll im Trend. Der zeigt nämlich, dass immer mehr strebsame junge Menschen versuchen, sich selbst zu optimieren, um vorwärts zu kommen, indem sie sich
bemühen, ihre Schwächen auszumerzen. Die diesjährige Ansprache an die jungen Gesellinnen und Gesellen empfiehlt genau das Gegenteil, nämlich auf die angeborenen individuellen Stärken zu vertrauen und die zu nutzen. „Mach, dass Du weiterkommst – Geh‘ Deinen Weg!“ ist die Freisprechrede überschrieben, die das mit drei Farben illustrierte „Biostruktogramm“, bei dem die individuellen Ausprägungen und Stärken ermittelt werden, als wirksames Erfolgsrezept vorstellt. Da werden für die unterschiedlichen Dominanz-Typen auch bekannte Persönlichkeiten, die ihre Prägungen zum Erfolg nutzten, beispielhaft vorgestellt – Donald Trump als besonders markantes. Zum Freisprechpaket gehören wie immer auch die Karrieremappe mit allen aktuellen Weiterbildungs- und Fördermöglichkeiten, zum Thema passend Geschenkvorschläge für die Auszeichnung der Prüfungsbesten, Musterbriefe für die Einladung und Notizen für die Presse. Sogar Anregungen für die Tischdekoration – passend zum Thema diesmal in den Farben des Struktogramm-Kreises Grün, Rot und Blau, sind dabei. Damit die Freisprechungsfeier eine runde Sache wird.

Und das auch noch: Das Freisprechpaket hat kein Verfalldatum. Verbände und
Innungen, die es in diesem Jahr nicht mitgekriegt haben, können dieses Paket auch fürs nächste Jahr ordern. Jetzt.

Der Staat soll’s richten

Inzwischen sorgt über die Hälfte der jüngeren Menschen nicht mehr durch Sparen fürs Alter vor und die Anzahl
derer, die der Meinung sind, für ihre
Altersversorgung sei „voll und ganz“ der Staat zuständig, hat sich verdoppelt. Diese Denke ist voll und ganz daneben – und die Sorglosigkeit besorgniserregend. „Betrachtet die Vögel des Himmels, sie säen nicht und ernten nicht, und doch ernährt sie…“. Immer mehr legen dieses Bibelzitat wohl so aus: Nichts anlegen, nichts zurücklegen – und dem Staat die Rolle des himmlischen Vaters übertragen.

Doktrin der Denkmalpflege

Mit der Denkmalpflege hat man’s nicht immer leicht. Die beharrt zwar zu Recht auf der Doktrin: Historisches in historischer Farbigkeit, wo möglich nach
Befund, tut sich aber bisweilen schwer,
einem Vorschlag oder Kundenwunsch zu folgen, obwohl der absolut in der Bandbreite historischer Varianten liegt. Das erfahre ich derzeit als Berater an zwei „Baustellen“. Bei der einen will die Denkmalpflege die zum braunen Gebälk und taubengrauen Fensterumrahmungen vorgeschlagenen, zurückhaltend blauen Klappläden partout nicht akzeptieren und beharrt auf grünen. Bei der zweiten sind die Auflagen so hoch, dass der Besitzer die Erhaltung lieber sein lässt. Wo die Doktrin zum Diktat wird, kann es vorkommen, dass Denkmäler verkommen. Schade.

Erst Flop – jetzt top

„Besser – schneller – rationeller“ das Rationalisierungsbuch, das der legendäre „Arbeitskreis Refa“ vor über 40 Jahren – ja, Sie haben richtig gelesen – schrieb, war für den Verlag ein Flop. Den meisten waren die Vorschläge viel zu utopisch – damals. Erst einige Jahre später hat einer das Buch als Grundlage für seine Promotion benutzt und inzwischen ist das, was die „Refa-Greise“, wie sie sich heute scherzhaft nennen, damals erarbeitet, probiert und vorgeschlagen haben, übrigens zuerst im Malerblatt, fast in allen Betrieben längst gängige Praxis – Schnee von gestern. Da überrascht mich die aktuelle Anfrage einer Interessenvertretung, ob sie den Ablaufplan für rationelle Auftragsabwicklung als Grundlage für eine Modifizierung und Publikation nutzen dürfe. So wird „besser – schneller – rationeller“ auf einmal wieder aktueller. Tja, auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Damals Flop – heute top.

Nichts für Schlafmützen

Nicht nur Schlafmediziner empfehlen nach der Mittagspause ein kurzes Nickerchen. Große Firmen bieten dazu sogar Ruheräume an. Gegen das Einnicken bei Besprechungen, Seminaren und Tagungen gilt das Mitschreiben als wirksames Mittel gegen Müdigkeit. Als ich das dieser Tage las, fiel mir wieder diese langweilige Vortragsveranstaltung ein, bei der ich fleißig mitschrieb. „Was notieren Sie da bloß, ist doch alles wirklich nicht Neues, was der da vorn erzählt“, raunte mir mein Nachbar zu. Was er nicht wusste: Ich schrieb emsig – Diktiervorlagen für meine Post. Für Schlafmützen taugt dieses Mittel freilich nicht.


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Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

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