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Richtig gewählt?

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Richtig gewählt?

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Foto: Florian Kunde / Adobe Stock

„Danke, dass sie uns gewählt haben“. Das sagen hinterher alle Parteien. Man hört es aber auch von Betrieben und Behörden täglich – am laufenden Band. Das fügt dann oft noch hinzu: „Sie haben die richtige Nummer gewählt. Bitte haben Sie ein wenig Geduld. Sie werden mit dem nächsten freien…“ Spätestens nach dem fünften Mal nervt auch diese, meist musikalisch untermalte Variante: „Alle unsere Mitarbeiter befinden sich im Kundengespräch. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal oder hinterlassen Sie nach dem Signalton…“ Dann wiederkehrendes Gedudel als Geduldsprobe. Bei einer der führenden Bausparkassen heißt es in solchen Fällen: „Nennen Sie uns eine Uhrzeit Ihrer Wahl, zu der wir Sie zurückrufen“. Das nenne ich kundenfreundlich – wie sich’s gehört. Nachahmenswert.

Zwei Junge für einen Alten

So wenige junge Menschen wie jetzt hatten wir in Deutschland noch nie – und es werden noch weniger. Auf diesen absoluten Tiefststand seit Beginn der Aufzeichnungen hat anlässlich des Internationalen Tages der Jugend das Statistische Bundesamt hingewiesen. Dass bei uns nur noch jeder Zehnte zwischen 15 und 24 Jahren jung ist, spüren wir nicht nur bei den Bemühungen um Nachwuchs, den wir als lohnintensiver Beruf so dringend brauchen. Die Altersstruktur hat aber auch mit den aktuellen Debatten um die Rentenreform in Verbindung mit einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu tun. Weil inzwischen schon zwei der Jungen die Rente für einen Alten aufbringen müssen, soll als zweites Bein eine kaptalgedeckte Komponente eine auskömmliche Altersrente sichern. Ein Vorschlag, den – ich erinnere mich noch gut- schon Walter Wieser, erster Präsident des Malerhandwerks, gemacht hat – vor mehr als 50 Jahren. Gegen eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit wird gebetsmühlenhaft vorgetragen, dass man das doch einem Bauhandwerker – als Beispiel muss stets der Dachdecker herhalten- nicht zumuten könne, aber geflissentlich unterschlagen, dass Kranke und Berufsunfähige auch jetzt schon früher in Ruhestand gehen können. Als einer, der als „Stift“ noch in schweren Zinkeimern Speis über wackelige Holzleitern hochgeschafft hat, begegne ich der Mär vom Bauhandwerker, der mit 65 „kaputt“ sei, mit dem Hinweis auf die vielen Arbeitserleichterungen. Nehmen wir als eines der zahlreichen Beispiele nur mal ein modernes Gerüst: Fast so leicht und sicher wie ein Treppenhaus zu begehen. Mit einem kapitalgedeckten Part bei der Rente und einer längeren Lebensarbeitszeit wären wir für die Zukunft gut und standsicher gerüstet.

Den Kunden aufs Dach steigen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den sozialen Medien für ihren Betrieb werben, sind natürlich authentischer und glaubhafter, deshalb auch erfolgreicher als Website- oder Printwerbung. Chiara Monteton zum Beispiel, eine junge Dachdeckerin, hat mit ihren kurzen Video-Stories schon 40.000 Follower. Darin zeigt die Influencerin, wie sie Kunden aufs Dach steigt, kaputte Ziegel auswechselt oder mit Kollegen Späße macht, aber auch, wie sich ein Arbeitsplatz anfühlt, der bei Regen nicht überdacht ist. Wohl überdacht dagegen ihr Konzept: Spontane und ehrliche Stories -richtige „Dach-Geschosse“. So wie diese junge Gesellin zielen immer mehr Influencerinnen und Influencer – auch aus unserem Beruf- auf die Zielgruppe potenzielle Azubis. Wir Handwerker haben’s ja bei der Nachwuchswerbung besonders schwer. Ein Ansatz: Mehr Influencer müssen her!

Warum nicht Hausbesuche?

Ohne energetische Gebäudesanierung sind die Klimaziele in den vorgesehenen zwanzig Jahren nicht zu erreichen. Wenn wir weiterhin nur ein Prozent schaffen, dauert’s noch 100 Jahre. Die Bundesregierung fordert eine jährliche Mindestrate von zwei Prozent und fördert jetzt Einzelmaßnahmen mit bis zu 33.000 Euro und die Sanierung zum Effizienzhaus sogar bis zu 75.000 Euro. Wer sich auf diesem prosperierenden Markt lukrative Aufträge holen will, sollte den vielfältigen Bedenken der Hausbesitzer gegen die Sanierung kompetent und überzeugend begegnen können.

Nach einer Befragung der KfW-Förderbank sehen nämlich über 70 Prozent keinen Bedarf und mehr als 50 Prozent scheuen trotz günstigster Bedingungen eine Kreditaufnahme. Mehr als ein Drittel sieht den ökologischen Nutzen nicht und jedem Fünften sind die Vorgaben, Auflagen und Formalitäten zu lästig. Vor diesem Hintergrund müssen die Mittel erfolgversprechender betrieblicher Werbung für energetische Modernisierung andere sein. Nicht primär Websites und Prospekte, sondern persönliche Kontakte. Warum nicht Hausbesuche?

Damit ist kein Staat zu machen

Nicht alle Nachrichten über die steigenden Sozialausgaben taugen als Beweis für die von vielen Seiten dauernd vorgebrachte Behauptung, bei uns seien immer mehr Menschen arm oder von Armut bedroht und die Schere zwischen arm und reich klaffe immer weiter auseinander. So zum Beispiel belegt die neue Sozialhilfestatistik zwar, dass die Kosten für die Alterssicherung gestiegen sind, aber da die Zahl der Bezieher fast gleichgeblieben ist, haben diese mehr Geld gekriegt. Mit zunehmender Armut auch nichts zu tun hat die höhere Beteiligung des Staates an den Pflegekosten. Hier wurde nämlich die Einkommensgrenze, ab der sich Angehörige an den Pflegekosten beteiligen müssen, auf 100.000 Euro erhöht. Daher auch dafür mehr Geld vom Staat.

Der Slogan „Wohlstand für alle“ gebiert ständig neue Forderungen, denen die Politik oft allzu willfährig stattgibt. Alles umsonst ist en vogue. Nur wenige mahnen, dass auch der Staat mit seiner immensen Schuldenlast arm dran ist und immer ärmer wird – hoffentlich nicht umsonst. Denn mit der Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien ist auf die Dauer kein Staat mehr zu machen.

Werbung mit Wortspiel

Auf meinen Rat hin wirbt ein Betrieb auf dem Requisitenbus des Theaters, das auch sein Kunde ist, mit dem Slogan „Renovierung ohne Theater!“ Die pfiffige Theaterleitung setzt noch einen drauf und diese Eigenwerbung drunter: „Ohne Theater geht es nicht!“ Viele Schmunzler.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Abraham Lincoln

Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst

könnten.


Wir Handwerker haben’s ja bei der Nachwuchswerbung besonders schwer. Ein Ansatz: Mehr Influencer müssen her!

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