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Trendscouts

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Trendscouts

Der Wettbewerb zum Deutschen und Österreichischen Fassadenpreis sorgt seit 25 Jahren für Inspiration – aber auch für Diskussion. Beides ist gut so.

Josef Schneider

Viele Leser werden sich vielleicht noch erinnern: Zehn Jahre ist es her, dass die Jury des Deutschen Fassadenpreises ein schokoladenbraunes Haus zum Sieger der Kategorie Wohn-und Geschäftshäuser kürte. Eine Wahl, die nicht unumstritten war. Was zu dem Zeitpunkt noch keiner ahnte: Mit der Prämierung sah die Jury einen Trend voraus, der sich schon bald in anderen Lebensbereichen durchsetzen sollte. So bevölkerten keine zwei Jahre später plötzlich unzählige braune Autos unsere Straßen. Ob Mini oder E-Klasse – es gab sie jetzt in Braun. Die Juroren des Fassadenpreises hatten sich als Trendscouts erwiesen.
Es ist dem Auslober des Wettbewerbs, der Firma Brillux aus Münster, hoch anzurechnen, dass er die Entscheidungen der Jury immer mitgetragen hat. Dass diese über all die Jahre unabhängig arbeiten durfte, erfährt, wer die Jurymitglieder danach fragt. Auch wenn die ein oder andere Entscheidung zumindest diskussionswürdig war – letztlich hat es sich bewährt, der Kompetenz und dem Sachverstand der Juroren zu vertrauen. Nicht von ungefähr feiert der Wettbewerb dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen.
Kompetenz und Sachverstand bewies die elfköpfige Jury, dieses Jahr unter dem Vorsitz von Klaus Halmburger und Professor Thomas Kesseler, auch jetzt wieder. Aus rund 300 Einsendungen wählte sie die besten Fassadengestaltungen Deutschlands und Österreichs aus. Zusätzlich wurden in einer Retrospektive besonders herausragende Arbeiten der vergangenen 25 Jahre prämiert. Hören wir ihre Begründung:
Im aktuellen deutschen Wettbewerb lobte die Jury die schlichte Farbgestaltung einer Häuserzeile in Weiden aus den 1930er-Jahren.
Wohn- und Geschäftshäuser
Der 1. Preis der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser geht hierfür an das Architekturbüro Fiedler und den ausführenden Malerbetrieb Skop, beide aus Weiden. Ein 2. Preis geht nach Bonn, wo Zwillingshochhäuser aus den 1950er-Jahren behutsam farbig modernisiert wurden. Preisträger sind das Architekturbüro Zetcon Ingenieure (Bochum) und der Malerbetrieb Jaensch GmbH (Bonn). Ebenfalls mit einem 2. Preis wurde die Gestaltung eines Wohnhochhauses aus Tornesch bedacht. Es hat durch sein mustergültiges Farbkonzept eine elegante Leichtigkeit gewonnen. Der Malerbetrieb Hans-Jürgen Rath GmbH (Schenefeld) hat dabei gekonnt den Entwurf des Brillux Farbstudios Hamburg umgesetzt. Mit dem 3. Preis würdigt das Preisgericht die Stegemann GmbH aus Hagen für die reizvolle Gestaltung einer Hausfassade, ebenfalls in Hagen.
Öffentliche Gebäude
Der 1. Preis bei Öffentlichen Gebäuden prämiert das in ausgewählten Tönen geschaffene sensible Farbkonzept der Florianschule in Köln-Weidenpesch. Die Planer von dorn architekten bda aus Köln haben damit eine Brücke zwischen Bestands- und Neubau geschlagen. Fachlich gekonnt umgesetzt wurde das Projekt von den Heidecke Malerwerkstätten aus Köln. Ein subtiles Spiel mit Licht und Farbe entwickelt der Neubau einer städtischen Kindertagesstätte in Leverkusen-Rheindorf. Die pier7architekten GmbH (Düsseldorf) sowie Maler und Lackierer Ralf Willi Schneider (Leverkusen) erhalten dafür den 2. Preis. Sehenswert ist auch die farbige Belebung, die dem Kreisseniorenheim in Lemgo den 3. Preis einbrachte. Daran beteiligt waren Breithaupt Architekten (Salzkotten) und die Joswieg Malerbetrieb GmbH (Bielefeld).
Industrie- und Gewerbebauten
Gleich zwei 1. Preise verlieh die Jury in der Kategorie Industrie- und Gewerbebauten. Hinter der farbigen Neugestaltung des Möbelhauses Rieger in Aalen mit seiner Trapezblech-Fassade steckt eine ebenso feine Idee wie hinter dem frischen Finish eines repräsentativen Geschäftsgebäudes am Münchener Tassiloplatz. Ebenbürtig sind beide Objekte auch in der architektonischen Angemessenheit des Farbeinsatzes und ihrer prägnanten Ausführung. In Aalen waren die ALAS Alarcon Linde Architects (Berlin), die bosch + partner Architekten (Göppingen), das Brillux Farbstudio aus Reutlingen und als ausführender Betrieb die Gebrüder Hörner GmbH (Schwäbisch Gmünd) beteiligt. In München wirkten die Architekten U. Pfannschmidt Architekt und BJKS Architekten (beide München) sowie der Malerbetrieb Yazar GmbH (Garching) mit.
Förderpreis
Zwei Fassadengestaltungen wurden mit dem Förderpreis für künstlerische und designbetonte Arbeiten prämiert. Die modernste Justizvollzugsanstalt Deutschlands, die JVA Augsburg-Gablingen, unterstreicht ihren Anspruch mit einer 37 x 6 Meter großen Schildwand, auf der ein Wolkenmotiv die Verbindung zwischen innen und außen schafft. Über den Preis freuen sich sowohl der Künstler Gerhard Mayer (Nürnberg) als auch die Dömges Architekten AG (Regensburg) sowie Malermeister Thomas Ney (Nürnberg). Die florale Fassadenmalerei an einem Funktionsgebäude des Hauptbahnhofs Brandenburg verwickelt den Betrachter ebenfalls in einen fruchtbaren künstlerischen Dialog. Entwurf und Umsetzung stammen vom Künstler Tobias Silber FassadenKunst (Brandenburg a. d. H.).
Virtuos und doch auf nur zwei Farbtöne reduziert wirkt das Gebäude des ehemaligen Bielefelder Kleinbahn-Bahnhofs mit seiner neuen Fassadengestaltung und bindet seinen Erweiterungsbau mit ein. Als Planer dürfen sich brewittarchitektur BDA und als ausführender Betrieb die Nattkemper & Brummel GmbH (beide Bielefeld) über den 1. Preis in der Sparte Historische Gebäude und Stilfassaden freuen.
Historische Gebäude
Ähnlich punktgenau minimalistisch und gerade deshalb überaus gelungen wurde bei der Fassadengestaltung eines Wohnhauses von 1910 in Weimar vorgegangen, weshalb auch dieses Objekt mit einem 1. Preis dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Das Architekturbüro von Dipl.-Ing. Architekt Jörg Casper (Ilmtal-Weinstraße) und die Farbgestaltung Weimar GmbH können sich darüber freuen. Der 2. Preis würdigt, wie sensibel die Fassadengestalter den mannigfaltigen Stilelementen eines Mönchengladbacher Geschäftsgebäudes aus dem Jahr 1900 Rechnung getragen haben. Für das Architekturbüro Dipl.-Ing. Reinhardt Sindermann und Malermeister Edgar Metzger (beide Mönchengladbach) eine schöne Anerkennung ihrer Leistung.
Der 1. Preis in der Kategorie WDVS-Fassaden honoriert die eindrückliche Gestaltungsleistung, die im neu gebauten Studentendorf des UWC Robert Bosch Colleges in Freiburg zu erleben ist: Die Vielfalt des Schulkonzepts wird an den Fassaden ablesbar. Eine gelungene Arbeit von Peter Kulka Architektur Köln GmbH und der Veeser GmbH & Co. KG aus Freiburg. Mit einem 2. Preis bedenkt die Jury ein Einfamilienhaus in Drensteinfurt, dessen skulpturale Eigenschaften mit einem sehr dunklen Anthrazit und Weißakzenten plastisch ausgeformt wurden. Brüning + Hart Architekten (Münster) und der Malerfachbetrieb Peplau (Drensteinfurt) zeichnen hierfür verantwortlich. Wie bei den beiden Mitpreisträgern wird auch beim Gewinner des 3. Preises, einem Wohn- und Geschäftshaus in Korbach, ein Wärmedamm-Verbundsystem für hohe Energieeffizienz- und Gestaltungsstandards eingesetzt. Christoph Hesse Architekten (Korbach) und als ausführender Betrieb die Schwellenberg OHG (Waldeck) setzten das Objekt gekonnt in Szene.
Österreich
Eine herrschaftliche Villa in Loosdorf wurde von der Steyrer Malerei & Fliesenleger GmbH (Wilhelmsburg) prachtvoll in sattem Grün und Weiß herausgeputzt. Das Unternehmen holte sich damit den 1. Preis beim 3. Österreichischen Fassadenpreis. Hoch hinaus geht es für die Stripsenhochhütte im Kaisergebirge auch in Sachen preiswürdiger Fassadengestaltung: Der 2. Preis würdigt die akzentuierte Renovierung auf 1.577 Metern Höhe und die Arbeit der Malerei Roland Kolm (Ebbs). Die perfekte neue farbliche Einpassung eines historischen Stadthauses in Schärding sicherte sich den 3. Preis. Daran beteiligt waren der Architekt Ing. Christian Armstark (Schärding), das Brillux Farbstudio München sowie der Malermeister Hofbauer (Rainbach).
Mit einer Anerkennung würdigt die Jury die frische Farbigkeit der Holzveranda einer Biedermeier-Villa in Baden, die der Malerbetrieb Andreas Lechner KG (Weissenbach) gekonnt umsetzte.
Im Rückblick auf 25 Jahre Deutscher Fassadenpreis kürte die Jury unter allen 1. Preisträgern des vergangenen Vierteljahrhunderts 16 Arbeiten. Allen gemeinsam ist, dass die jeweilige Herangehensweise an die Fassadengestaltung eine zeitlose Qualität in sich trägt und von dem Mut zeugt, Bekanntes neu und jenseits von allem Modischen zu denken. Die Quintessenz der jeweiligen Objektanmutung hat die Jury zu einem farbigen Titel inspiriert, der den besonderen Geist des Entwurfs beschreibt.
Mut, Phantasie und Humor
Ob „Schokomonolith“ wie bei dem eingangs erwähnten braunen Haus oder „Das Prinzip Henne und Ei“ beim diesjährigen 1. Preisträger von Öffentlichen Gebäuden – auch bei der Namensgebung hat die Jury Mut, Phantasie und eine Prise Humor bewiesen. Mögen ihr diese Eigenschaften in den kommenden 25 Jahren erhalten bleiben.

praxisplus
Deutscher und Österreichischer
Fassadenpreis
Der von Brillux initiierte Fassadenpreis prämiert seit 25 Jahren herausragende Fassaden in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Der hochkarätigen Jury gehören Experten des Malerhandwerks, Fachjournalisten und Architekten an.
Im nächsten Jahr wird zum 26. Mal der Deutsche Fassadenpreis und zum vierten Mal der Österreichische Fassadenpreis ausgetragen. Fassadengestaltungen des Jahres 2016 können ab Februar 2017 eingereicht werden. Weitere Informationen sind über die folgenden Webseiten abrufbar. Weitere prämierte Objekte präsentieren wir in einem Video auf www.youtube.com/Malerblatt
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