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Von Farben, Ferien und Fehlern

Betrieb & Markt
Von Farben, Ferien und Fehlern

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Foto: Florian Kunde / Adobe Stock

In „Puchners Farbenlehre“ finden sich für diesen Sommer Töne wie „Eckenförde-Grün“, „Fehmarn-Rot“ und „Usedom-Gelb“ – alles Eindrücke von der Ostsee. Nicht erwähnt hat er das auch anderwärts wochenlang anhaltende strahlende „Corona-Blau“ des Himmels ohne Flugzeuge. Ich füge es gerne hinzu.

Nicht das falsche Schwein schlachten

Wegen der Arbeitsbedingungen in Fleischfabriken und der Corona-Infektionen bei Tönnies wetzen jetzt nicht nur Politiker die Messer und wollen den Einsatz von Subunternehmern generell notschlachten, also unüberlegt schnell. Allein aus Sicht des Bauhandwerks zeigen sich Unkenntnis und Unsinn solcher Vorstellungen: Lautere Betriebe zum Beispiel, die ihre Kapazität wegen der Größe eines Auftrags mal temporär aufstocken müssen oder die für ein Segment, vielleicht aus dem Bereich der Denkmalpflege, nicht über das erforderliche Know-how verfügen, könnten auf dieser bewährten Basis ebenso wenig kollegial kooperieren, wie solche, die kundenorientiert Aufträge gewerkübergreifend ausführen und seriös versuben. Aber auch die vielgescholtene Einbindung von ausländischen Subunternehmern kriegt man nicht so leicht an den Haken. Dazu sind die Kalkulationsgrundlagen immer noch so unterschiedlich, dass aus Kostensicht keine Wettbewerbsgleichheit besteht. Ein hier tätiger ausländischer Subunternehmer hat meist den Mindestlohn von 11,10 Euro zu zahlen. Demgegenüber ist unser aktueller Ecklohn mit 17,15 um 35 Prozent höher. Das ist in einem lohnintensiven Beruf viel. So mancher gesetzes- und tariftreue Betrieb kann sich folglich auf dem Markt nur mit einer „Mischkalkulation durch Kooperation“ behaupten. Dazu bemerkte einer unserer honorigen Kollegen einmal trefflich: „So viel, wie die billiger sind, kann ich gar nicht besser sein.“

Das Zahlenbeispiel bezieht sich wohlgemerkt auf ausländische Subunternehmer, die ggf. den bei uns gültigen Mindestlohn auch zahlen und nicht etwa durch Abzüge für Unterkunft und dergleichen auf die heimischen Mindestlöhne – Bulgarien z. B. 1,87, Polen 3,50 Euro – „abspecken“. Solche unlauteren Praktiken, wie ggf. auch die von Hauptunternehmern, müssen natürlich konsequent bekämpft und geahndet werden. Dazu gibt es auch innerhalb unserer Fachorganisation erfolgversprechende Aktivitäten. Aber rationelle und redliche Zusammenarbeit mit soliden Subunternehmern verbieten, hieße das falsche Schwein schlachten.

Geld oder Geltung?

Die IG Bau fordert Lohnsteigerungen, um den Mangel an Fachkräften zu beseitigen. Angesichts der aktuellen Ausbildungsvergütungen – am Bau im 3. Lehrjahr fast 1.500 Euro – kommen freilich Zweifel, ob sich das Problem allein pekuniär lösen lässt. Es geht jungen Menschen immer mehr um Geltung als um Geld. Bei vielen hat das Ansehen einen höheren Stellenwert als eine gut bezahlte Stelle. Geltung vor Geld, vielleicht auch Geltung und Geld – das wäre ein Ansatz.

Verdammte Dämmung

Die Wärmedämmung im Zusammenhang mit Sanierung und Modernisierung wird da und dort immer noch verdammt. Zuletzt bezog sich in den Medien die massive Kritik darauf, dass die Mietsteigerungen die Einsparungen an Energie bei Weitem überträfen. Dabei bleibt stets unerwähnt, dass die auch in anderen Zusammenhängen beklagten Mietsteigerungen durch die Lohnerhöhungen ausgeglichen sind und im Durchschnitt seit Jahren unverändert bei 25 Prozent des Nettoeinkommens liegen. Die großen Wohnungsbaugesellschaften haben zu diesem Thema Stellung genommen und werden dazu auch bei Politikern vorstellig werden. Wir vom Malerhandwerk können jetzt die Werbung für energetische Modernisierung bei den Eigentümern selbstgenutzter Immobilien forcieren. Bis zu 40.000 Euro, die direkt von der Steuerschuld abgesetzt werden können, sind ein starkes Argument – weit erfolgversprechender als Appelle, der Umwelt zuliebe Energie einzusparen.

Vorteil Tarifverträge

Die Anzahl der Arbeitnehmer, die in Betrieben beschäftigt sind, in denen ihnen die Vorteile von Tariflohnverträgen – z. B. durchschnittlich fast 20 Prozent höhere Löhne – zustehen, geht stetig zurück und liegt gesamtwirtschaftlich derzeit nur noch deutlich unter 50 Prozent. Da werden die Rufe lauter, der Staat möge zwingend höhere Löhne und auch andere Arbeitsbedingungen verordnen. Solche Forderungen sind stets mit Kritik an den Arbeitgebern verknüpft, der sich oft auch Gewerkschaften anschließen. Die waren früher zuallererst für ihre Mitglieder da – und die werden mit jeder Allgemeinverbindlichkeit, egal, ob vereinbart oder verordnet, immer weniger. Ein Rückzug der Gewerkschaften als Tarifpartner würde natürlich auch unsere Fachorganisation entscheidend schwächen.

Gefangen im Netz

Seit Corona sind die Jugendlichen noch mehr als bislang schon ins Netz verstrickt: Über 70 Stunden pro Woche, ein kleiner Teil davon auch für Online-Unterricht. Im vergangenen Jahr waren sie noch rund 60 Stunden virtuell unterwegs. Sind sie im Netz gefangen? Ich bin da befangen: Einerseits brauche ich meine Enkel gelegentlich, weil die virtuell weit virtuoser und mir überlegen sind, andererseits flippe ich aus, wenn sie beim Essen das Handy online auf dem Schoß haben. Muss ich wohl auslöffeln – für mich das sprichwörtliche Haar in der Suppe.

Maskiert zur Freisprechfeier

Selbstverständlich. Das Freisprechpaket des LIV Hessen ist immer komplett. In diesem Jahr gehören auch die Masken dazu. Weiß, mit dem Slogan „Die Maler – Wir bauen auf Sicherheit“. Super.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


So viel, wie ausländische Wettbewerber billiger sind, können wir gar nicht besser sein.

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